Feuerschlange von Stefan Tschök

Die Geschichte zweier Familien!

FeuerschlangeAn einem hellen Morgen im August in den 1950er Jahren beginnt die Geschichte der beiden Familien Trösch und Tippner, als sich der achtundfünfzigjährige Paul Endler versonnen am Hinterkopf kratzt und ins Tal blickt, in dem sich der von einer Dampflokomotive gezogene Personenzug in das Gebirge quält. Eine „Feuerschlange“, denkt Paul, denn wenn es dunkel ist, wirbeln Dampf und Funken aus dem Schornstein des Stahlkolosses und die Fenster der Abteile sind erleuchtet. Zusammen mit seiner Frau Elsa und seiner Tochter Margot, dessen erster Mann kurz vor Kriegsende im Februar 1945 gefallen war, lebt er in einem kleinen Häuschen am Rande einer Siedlung auf einer Anhöhe. Entgegen seiner Befürchtungen, hatte Margot, die inzwischen Anfang dreißig ist, in ihrem Freund, dem Hochschullehrer Heiner Trösch, doch noch einen Mann gefunden, der zu ihr passt. Paul und Heiner sind sich auf Anhieb sympathisch und mit der Haltung von eigenen Hühnern für ein tägliches Frühstücksei sowie der Anschaffung eines der ersten Fernsehgeräte in der Siedlung bringt Heiner Veränderungen in das kleine Häuschen, die Paul durchaus zu schätzen weiß.

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Zwölf Leben von Ayana Mathis

Zwölf LebenMit ihrer Mutter und zwei Schwestern flüchtet Hattie im Jahr 1925 nach dem Tod des Vaters aus Georgia nach Germantown, einem Arbeiterviertel in Philadelphia. Im Zug gibt es keine Toiletten für Farbige, so dass sie ihre Notdurft unter entwürdigenden Umständen im Freien verrichten müssen. Bei ihrer Ankunft staunt die erst fünfzehnjährige Hattie über das Selbstbewusstsein der Schwarzen im Norden, die nicht in den Rinnstein ausweichen, wenn ihnen ein Weißer entgegenkommt. In der neuen Heimat lernt sie August, der noch in der Ausbildung ist, kennen und wird sofort von ihm schwanger. Noch bevor sie mit siebzehn Jahren Zwillinge zur Welt bringt, verstirbt ihre Mutter. Mit nur sieben Monaten sterben auch ihre Zwillinge und Hattie ist später der Meinung, dass sie sich besser nach dem Tod der Zwillinge ertränkt hätte. Zeit ihres Lebens reicht das Geld kaum dazu, den Strom oder die Kohlen zu bezahlen und oft stehen nur Bohnen auf dem dürftigen Speiseplan. Mit zweiundsiebzig Jahren blickt Hattie auf ein Leben voller Enttäuschungen zurück und hat elf Kinder geboren. Die vielen Träume, die sie als junger Mensch hatte, wichen alle einer harten Wirklichkeit und sie blieb verbittert zurück.

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Verborgene Familiengeschichten – zwischen Nähe, Bruch und lebenslanger Bindung

Cover von Liebe, lebenslänglich von Ursula von Arx

Auf Spurensuche: Ursula von Arx

Wenn es darum geht, Familienbande zu lösen, tun sich die meisten Menschen schwer. Ursula von Arx hat sich auf die Suche nach Personen gemacht, die bereitwillig Auskunft über ihre Eltern-Kind-Beziehung geben wollten. Sie sprach jeweils mit einem Elternteil und dessen Kind getrennt, wobei sie gelegentlich Namen ändern musste. In einem Fall erhielt sie sogar eine Sonderbewilligung des Freistaates Bayern, um mit einem Inhaftierten ein fast vierstündiges Gespräch führen zu können. Die gesammelten Ergebnisse stellt sie in ihrem Buch Liebe, lebenslänglich vor.

Ein Winzer-Erbe mit gemischten Gefühlen

Der 21-jährige Daniel Niepoort möchte in die Fußstapfen seines Vaters treten, der als Winzer in Portugal das seit 1842 im Familienbesitz befindliche Unternehmen in der Douro-Region leitet – einer Region, die seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Sein Vater Dirk führt ihn auf ungewöhnliche Weise, was den Sohn anfangs sogar enttäuscht zurückließ.

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Das Verschwiegene von Linn Ullmann

Das VerschwiegeneErgreift ein Unschuldiger die Flucht, wird ihm genau das zur Last gelegt. Denn wäre er unschuldig, so die Behauptung, hätte er keinen Grund zur Flucht gehabt. Ähnlich argumentieren wir, wenn uns jemand etwas verschweigt. Gerade „Das Verschwiegene“ gibt Anlass zu Spekulationen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und ein Urteil ist gesprochen. Um diese Thematik geht es auch in dem Roman von Linn Ullmann.

Siri lebt mit ihrem Mann Jon und den beiden Kindern Alma und Liv in Oslo. Beruflich ist sie als Betreiberin zweier Restaurants sehr eingespannt, während Jon an dem letzten Band einer Trilogie arbeitet. Da der Roman schon längst überfällig ist, kann er zum Lebensunterhalt nichts mehr beitragen und die Familie muss einen hohen Kredit aufnehmen. Den Sommer verbringen sie in einer norwegischen Küstenstadt bei Siris Mutter Jenny Brodal, die mit Irma in einer Holzvilla lebt. Da Jon sich auf seine Arbeit konzentrieren muss, engagieren sie für den erst fünfjährigen Liv die neunzehnjährige Mille als Kindermädchen.

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Männerlügen: Ein schonungsloser Blick auf Wahrheit und Täuschung

Buchcover des Romans Männerlügen

Wenn Pinocchios Nase Realität wird

Wolfgang Limmer wollte es ganz genau wissen – und ging dem Phänomen des Lügens auf den Grund. Laut ihm soll die Nase eines Lügners tatsächlich anschwellen – ganz so wie bei der bekannten Figur Pinocchio, die auch das Cover seines Buches Männerlügen* ziert. In diesem Werk sammelt der Autor eine Vielzahl kurioser, oft unglaublicher Geschichten, die sich vor allem um zwischenmenschliche Beziehungen, Untreue und gesellschaftliche Rollenbilder drehen.

Einige Männer lügen, weil die Wahrheit zu absurd oder verletzend wäre. Manche Frauen hingegen fühlen sich paradoxerweise erst dann besonders geliebt, wenn der Partner sie anlügt.

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Meistens alles sehr schnell von Christopher Kloeble

Meistens alles sehr schnellDer 19-jährige Albert begibt sich in Christopher Kloebles Roman „Meistens alles sehr schnell“ auf die Suche nach seiner Mutter. Nachdem er seit seinem dritten Lebensjahr in einem Waisenhaus in Sankt Helena untergebracht war, zieht er nach seinem Abitur zu Fred, seinem Vater. Doch der geistig Behinderte ist ihm bei der Suche nach seiner Mutter keine große Hilfe. Auf Drängen des Sohnes erklärt er, die Suche sei gefährlich und tief. Schließlich lenkt er aber doch ein und will ihm helfen. Die beiden machen sich auf den Weg und Fred führt seinen Sohn hinab in die Kanalisation. Auf Albert warten dort tatsächlich unerwartete Dinge, doch eine Spur zu seiner Mutter findet er hier auch nicht.

Albert befragt die Nachbarin Klondi, die frühere Pflegerin seines Vaters Britta Grolmann und auch Alfonsa, die für seine eigene Pflege im Waisenhaus zuständig war. Durch die Gespräche versucht er, sich wie in einem Mosaik seine Familiengeschichte zusammenzusetzen, die von einer Geschwisterliebe seiner Vorfahren erzählt.

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Deine Lippen, so kalt von Amy Garvey

Deine Lippen, so kaltEinen alten Menschheitstraum, nämlich Tote wieder zum Leben erwecken zu können, verarbeite Amy Garvey in ihrem Jugendroman „Deine Lippen, so kalt“. Denn genau über diese Gabe verfügt die 17-jährige Wren, die den Tod ihrer ersten Liebe nicht verschmerzen kann. Ihr Freund Danny Greer kommt bei einem Autounfall ums Leben und Wren recherchiert in Büchern und im Internet über Okkultes. Sie hat schon seit längerem die Vermutung, dass sie, wie auch ihre Mutter und ihre Tante Mari, über Energien verfügt, die sie für sich nutzbar machen kann. Mit einer Beschwörungsformel erweckt Wren schließlich die Lebensgeister von Greer, den sie dann auch täglich besucht. Doch schnell stellt sie fest, dass Danny nicht mehr derselbe wie früher ist. Er ist kalt und steif. Als sich Gabriel de Marnes, ein neuer Mitschüler, für sie interessiert ist Wren völlig verwirrt. Sie vertraut sich ihm an und muss eine schwere Entscheidung treffen…

Da es sich bei dem Roman um eine Fantasy-Geschichte handelt, werden die Erwartungen der jugendlichen Leser in diesem Punkt entsprechend hoch sein. Um so größer ist die Enttäuschung, weil die Geschichte nur langatmig dahinplätschert.

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Jenseits von Feuerland von Carla Federico

Jenseits von FeuerlandDas Buch „Jenseits von Feuerland“ von Carla Federico ist der zweite Teil einer Chile Saga, nach dem erfolgreichen Erstling „Im Land der Feuerblume“. Die Geschichte des historischen Romans spielt bei genauerer Betrachtung aber nicht in Feuerland, sondern in der Region, welche gegenüber des Archipels liegt – und zwar in Patagonien. Patagonien ist eine windige, einsame, archaische und raue Gegend. Und genau dorthin flüchten zwei Frauen, Rita und Emilia vor ihrer Vergangenheit.

Der Roman wirft den Leser mit einer Verfolgungsszene direkt in das Geschehen. Eine Frau flüchtet vor bewaffneten Reitern. Es ist eine Hetzjagd auf Leben und Tod. Was man zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: Rita – so heißt die Flüchtende – ist Tochter einer Weißen und eines Mapuche-Indianers. Im Chile jener Zeit herrscht eine strikte ethnische Trennung und ein brutaler Rassismus macht Indigene und auch Mischlinge wie Rita zu Verfolgten.

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Kindheit im Schatten des Krieges – Eine bewegende Reise durch Barbara Schillings Roman

Cover von Meine Berliner Kindheit von Barbara Schilling

Ein Leben, das mit Angst beginnt

Der Roman Meine Berliner Kindheit von Barbara Schilling beginnt mit der Geburt der kleinen Helene im Mai 1939 in Berlin. Ihre Mutter ist erst 16 Jahre alt, den Vater lernt das Mädchen nie kennen. Kurz darauf bricht der Krieg aus. Helene verbringt unzählige Stunden voller Angst in Luftschutzbunkern, während draußen die Bomben fallen.

Ihr Alltag besteht aus Hunger, Begegnungen mit Flüchtlingen und Ausgebombten. Frieden bedeutet für sie vor allem eines: endlich ruhigere Nächte. Die Schreckensmeldungen über gefallene oder gefangene Soldaten prägen ihr Weltbild – Überleben ist das Einzige, was zählt, notfalls auf Kosten anderer.

Beim Spielen in den Ruinen kommt sie eines Tages mit verseuchtem Wasser in Berührung und erkrankt schwer. Zu Weihnachten 1944 wünscht sie sich nichts sehnlicher als ein ganzes Brot – ein Wunsch, der viel über die Härte dieser Zeit verrät.

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Schleichender Wahnsinn von Mario Lenz

Schleichender WahnsinnEin Geheimtipp unter den wohlhabenden Berlinern ist der kleine Ort Tannenwalde am Pfauensee in der Nähe von Wandlitz, der nur zwanzig Autominuten von der Berliner City entfernt ist. Wer genug Geld hat, kann hier ein Grundstück am See erwerben und lässt sich einen Prachtbau errichten. Die Fabrikantin Marlene Bernshausen hat eine Menge Geld und so zieht sie mit ihrem Mann Manuel und ihren zwei Kindern in dieses Kleinod.

Sie führen ein harmonisches Leben an dem idyllischen See. Während die millionenschwere Erbin einer Schuhputzfabrik erfolgreich das Unternehmen führt, hat ihr Mann Manuel seinen Job als Lehrer aufgegeben, um Bücher zu schreiben. Doch leider ohne Erfolg. Um das Anwesen in Ordnung zu halten, hat Marlene einen ehemaligen Mitarbeiter der Schuhputzfabrik eingestellt, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt. Paul Klawitter, der inzwischen zum Freund der Familie geworden ist, hält Haus und Hof in Ordnung und wohnt in einem kleinen Gartenhaus auf dem Grundstück.

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