Auf zur Zopetscharte

Eine Kurzgeschichte aus dem Buch „Ein Kind des Ruhrgebiets“.

Erschöpft lagen sie auf dem Bett, und Achim streichelte zärtlich über Edithas Gesicht. „Ich kann es kaum abwarten“, hauchte er ihr ins Ohr, „wenn wir endlich für immer zusammen sind und wir uns nicht mehr in einem Hotelzimmer verkriechen müssen.“
„Du musst dich nur noch ein wenig gedulden, Liebster, dann steht uns nichts und niemand mehr im Weg.“
„Und du bist wirklich davon überzeugt, dass es klappen wird?“
„Natürlich!“, gab Editha bestimmt zurück. „Du darfst nicht immer so schwarzsehen. Alles wird so ablaufen, wie ich es geplant habe.“
„Und wenn es jemand beobachtet?“
Ein wenig genervt fragte Editha: „ Was beobachtet?“
„Na, wie du deinem Mann einen Schubs gibst. Halt, dass es kein Unglück ist, sondern – sondern vorsätzlicher Mord!“
„Du vergisst, dass da oben nicht Heerscharen von Wanderern unterwegs sind. Natürlich werde ich einen Moment wählen, in dem wir ganz sicher alleine, ohne Zuschauer sind. Und dann wird es so schnell gehen, dass er nicht einmal etwas davon mitbekommt. Sein letzter Gedanke ist vielleicht, dass ich versehentlich an ihn gestoßen bin. Aber dann wird es schon zu spät sein.“

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Auf eine gute Zusammenarbeit

Eine Kurzgeschichte aus dem Buch „Ein Kind des Ruhrgebiets“.

Rafael war wieder einmal spät dran, und er würde sich beeilen müssen, um pünktlich im Büro zu sein. Schnell trank er seinen letzten Schluck Kaffee im Stehen und kontrollierte vor dem Garderobenspiegel den akkuraten Sitz seiner Krawatte, bevor er sich auf den Weg machte.

Draußen schüttete es wie aus Eimern. Zum Glück gab es einen direkten Zugang zu seiner Garage, so dass er seinen Wagen trockenen Fußes erreichte. Rasant fädelte er sich mit dem Porsche in den fließenden Verkehr ein. Die Scheibenwischer liefen auf der höchsten Stufe und seine Gedanken hingen an seinem nächsten Großauftrag. Zu spät sah er eine Wasserlache und auf dem Gehweg hatte es eine junge Passantin voll erwischt.

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Geblieben ist Verbitterung

Eine Kurzgeschichte aus dem Buch „Ein Kind des Ruhrgebiets“.

Nach einem viel zu kalten und verregneten Frühling lockte die Sonne endlich die Menschen ins Freie. So genossen auch Jennifer und ihre Freundin Nicola das herrliche Wetter, und sie verabredeten sich mit ihren Kindern zu einem Spaziergang an der Mosel. Laura und Celina hatten sich im Kindergarten kennengelernt und waren seitdem unzertrennlich.
„Komm, lass uns mit den Kindern auf den Spielplatz gehen. Dann können sie sich mal so richtig austoben“, schlug Nicola vor.
Ihre Tochter Celina schnappte den Vorschlag sofort dankend auf und schrie Laura zu: „Los, wir dürfen auf den Spielplatz!“
Schon rannten die beiden los und stürmten auf die Schaukeln zu, während die Mütter ihnen gemächlich folgten und auf einer Bank Platz nahmen.
„Das wurde aber auch Zeit, dass es endlich mal trocken ist und wärmer wird. Das Wetter der letzten Wochen ist mir richtig aufs Gemüt geschlagen“, meinte Nicola.

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Missgeschick mit Folgen

Eine Kurzgeschichte aus dem Buch „Ein Kind des Ruhrgebiets“.

Sylvia warf einen letzten, kritischen Blick in den Spiegel und verabschiedete sich von Tom mit einem Kuss auf die Wange: „Also dann, mach’s gut. Bis heute Abend.“
„Ja, bis heute Abend und lass es dir gut gehen!“

Kaum war Sylvia aus dem Haus, griff Tom auch schon zu seinem Handy. Nach kurzer Zeit meldete sich eine Stimme: „Ja, Tom?“
„Guten Morgen Theresa, ja, ich bin’s. Sylvia hat sich gerade auf den Weg zur Arbeit gemacht. Ich muss mich nur noch schnell fertig machen und könnte in einer halben Stunde beim Café Schucan sein. Passt dir das?“
„Na klar, geht in Ordnung. Bis gleich – ich freu’ mich!“
Aufgeregt räumte Tom den Frühstückstisch ab. Wenn Sylvia wüsste! Sein Herzschlag beschleunigte sich bei dem Gedanken an sein Vorhaben. In den zehn Jahren, die sie bereits miteinander verheiratet sind, hatte er noch nie Geheimnisse vor ihr.

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Ein Kind des Ruhrgebiets

Ein Essay aus dem Buch „Ein Kind des Ruhrgebiets“.

Wenn ich auf Reisen gefragt werde, woher ich komme, dann ist mit „Ruhrgebiet“ in der Regel die Frage erschöpfend beantwortet. Im Ausland wird mir durch ein Kopfnicken signalisiert, dass man mich nun geographisch einordnen kann. Befinde ich mich in deutschen Landen, erreicht mich eher ein bedauernswertes „Aha“. Jeder weiß jetzt, woher ich komme: Aus dem „Kohlenpott“! Wo die Luft von den Abgasen der zahlreichen Schornsteine verpestet ist und wo es keine Grünflächen gibt. Man hat es auch schon längst geahnt, denn mein Ruhrgebietsdialekt hat mich verraten. So bedauernswert die Blicke auch sein mögen, sie können mich nicht treffen und ebenso wenig verletzen. Diese Erfahrung teile ich mit den meisten Menschen, die hier aufgewachsen sind.

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Die Aktentasche von Beatrix Petrikowski

Die AktentascheGeld allein, so lehrt der Volksmund, soll ja nicht glücklich machen, und nach der Lektüre dieses Buches ist man mehr als nur geneigt, dem zuzustimmen.
Eine abgewetzte Aktentasche geht eines Tages verloren und alsdann auf Wanderschaft. Ein jeder, dem das alte Lederutensil in die Hände fällt, ist außer sich vor Freude, weil es mit einer Riesenmenge Geld gefüllt ist. Doch die Begeisterung hält jeweils nur kurz an, denn auf der Tasche scheint ein Fluch zu liegen. Alle neuen Besitzer sind ihres Lebens nicht mehr sicher. Ein Reigen aus Mord und Totschlag nimmt seinen Lauf …

Die Aktentasche * von Beatrix Petrikowski ist ein Kriminalhäppchen für zwischendurch. Das Werk ist spannend, ohne ein Thriller zu sein, es ist amüsant, ohne eine Satire oder eine Komödie zu sein, und es ist abgründig, ohne ein Drama zu sein. Die Autorin beschränkt sich stilistisch und inhaltlich aufs Wesentliche, das Geschehen wird nicht großartig aufgeblasen, beinahe lakonisch wird die Handlung erzählt, es kommt, wie es kommen muss. Geradezu zwangs- und beiläufig segnen die Protagonisten das Zeitliche. Es zeichnet gute Schriftsteller aus, dass sie eine Geschichte ohne Effekthascherei zu schildern in der Lage sind und dabei trotzdem den Leser zu fesseln vermögen.

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