Unter dem Gelände der Villa Hügel, mit deren Bau 1869 in Essen begonnen wurde, befinden sich alte Schachtanlagen der Zeche Zollverein. Mike Steinhausen hat für seinen Kriminalroman Operation Villa Hügel die Gegend um den Baldeneysee, die heute ein beliebtes Ausflugsziel ist, zum Schauplatz gewählt: In England trifft sich Sir Winston Churchill mit seinen Beratern Sir Arthur Harris, Lieutenant Stewart Menzies, Frederick Lindemann, David Petrie und Vera Atkins, denn eine Luftoffensive auf das Deutsche Reich steht von der Military Base in Wycombe unmittelbar bevor. Sie stehen vor der Frage, ob den Deutschen die Offensive durch einen des Hochverrats beschuldigten Spion bekannt ist. Darüber hinaus sind ihnen die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen der Deutschen um die Villa Hügel aufgefallen und sie vermuten dahinter ein hochrangiges Treffen zwischen Gerd von Rundstedt und Adolf Hitler.

In der Hoffnung, das Leben Hunderttausender zu retten, entsenden sie unter Commander Paddy Mayne eine Staffel Elitesoldaten, deren Aufgabe es ist, ihre Rucksäcke an den Bestimmungsort nahe der Villa Hügel zu bringen und die jeweiligen Sender scharf zu stellen. Aus einer britischen Transportmaschine springen die todesmutigen Männer in der Dunkelheit der Nacht über Essen-Kettwig mit ihren Fallschirmen ab. Sie wissen, dass es ihren Einsatz, der einem Himmelfahrtskommando gleich kommt, nie gegeben haben wird. Toby Barrow, Edward Jones, Clark Baker und Ted Meanson sind wie ihr Commander Spezialisten im Guerillakampf und für jeden einzelnen zählt nur die Sache und ihr Leben dagegen nichts.

Nach einer waghalsigen Landung in feindlichem Gebiet stoßen die Kämpfer auf Hermann Kröll, Werner Winkler und Ernst Lohmann, alles Helfer im Untergrund, die jedoch auch schon längst von der Gestapo verfolgt werden. Sie finden heraus, dass die Deutschen an der Entwicklung einer neuen Wunderwaffe V2 arbeiten, die mit einem biologischen Kampfstoff, dem Pesterreger, bestückt werden soll. Doch die Situation wird immer brenzliger und aussichtsloser. SS Brigadeführer Schleßmann und Sturmbannführer Schlegel sind ihnen dicht auf den Fersen! Die Männer müssen alles auf eine Karte setzen…

Mike Steinhausen gönnt dem Leser keine Ruhe, sobald er das Buch Operation Villa Hügel zur Hand genommen hat, setzt der Spannungsbogen unmittelbar ein und reißt keinen Augenblick ab. Der Leser spürt durch die sehr realistischen Schilderungen hautnah die Angst der agierenden Personen. Wenn auch darauf verwiesen wird, dass sämtliche Personen vom Autor frei erfunden wurden, so handelt es sich doch bei sämtlichen Churchill umgebenden Beratern um reale Personen, denen während der ebenfalls tatsächlich stattgefundenen Angriffe auf das Ruhrgebiet wichtige Aufgaben zufielen. Diese über Monate des Jahres 1943 verübten Luftangriffe der Engländer gingen unter dem Namen „Battle of the Ruhr“ in die Geschichte ein und hatten eine psychologische Wirkung auf die Ruhrgebietsbevölkerung zum Ziel, die durch NS-Propaganda an eine Wunderwaffe glaubte. Tatsächlich konnten die Siegermächte nach dem Krieg auch über 250 solcher V2-Raketen ausfindig machen. Der Autor hat demnach umfangreiche Recherchen für den äußerst spannenden Roman Operation Villa Hügel betrieben, weist außerdem noch auf das dunkle Kapitel der Zwangsarbeiter der Firma Krupp hin und stellt eine Frage, auf die nicht nur er eine Antwort möchte: Sind Soldaten nur Befehlsempfänger in einem Krieg und könnten Kriegsgegner in Friedenszeiten sogar Freunde sein?

Mike Steinhausen, Operation Villa Hügel, Gmeiner Verlag 2013, Paperback, 304 Seiten, ISBN 978-3-8392-1404-6, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

1 Kommentar

  1. Eine Aussage des Elitesoldaten Jones auf Seite 135 machte mich stutzig, denn ihm konnte nicht wie dem Leser bekannt sein, dass besagter Soldat „scheißen musste“.

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