Eine verbotene Liebe im Schatten des Krieges

Cover von Im nächsten Jahr zur selben Zeit von Jana Voosen

Zwischen Pflicht, Erwartungen und einem unerfüllten Traum

Anni, die Tochter des Hamburger Süßwarenfabrikanten Friedrich Brand, wünscht sich sehnlichst, in den Familienbetrieb einzusteigen und die Handelsschule zu besuchen. Doch ihr Vater ist der Meinung, dass Frauen sich auf die Aufgaben als Ehefrau und Mutter beschränken sollten. So schickt er sie für ein Jahr in die Haushaltsschule des Bundes Deutscher Mädel nach Köln.

Als sie im Juni 1940 nach Hamburg zurückkehrt, trifft sie am Bahnhof ihre Eltern und ihren älteren Bruder Hans, der inzwischen als Soldat eingezogen wurde und ausgerechnet zum Zeitpunkt ihrer Rückkehr an die Front muss.

Ein Arbeitsplatz, ein Plan – und ein unerwünschter Verehrer

Um Anni vor dem Pflichtjahr als Landarbeiterin zu bewahren, beschäftigt Friedrich sie als Hilfskraft im Büro seiner Sekretärin. Anni hofft, sich in der Firma hocharbeiten zu können und später das leerstehende Büro neben dem ihres Vaters zu beziehen. Doch Friedrich verfolgt andere Pläne: Er möchte seine Tochter verheiraten und lädt deshalb immer häufiger seinen Parteifreund Julius Wenzel in die Brand’sche Villa ein.

Nachdem Hans an der Front gefallen ist, wird Julius zum Partner in der Fabrik. Er zieht in das leerstehende Büro ein und begegnet Anni nun täglich.

Fremdarbeiter, Gewalt und eine verbotene Begegnung

Während ihrer Arbeit fallen Anni die vielen Fremdarbeiter auf, die auf dem Fabrikgelände in einem Lager untergebracht sind. Sie müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten, werden geschlagen und erhalten kaum etwas zu essen.

Als Anni dem jungen Polen Pawel begegnet, fühlt sie sich auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen. Doch Beziehungen zu Fremdarbeitern sind streng verboten und werden hart bestraft.

Nach einer anonymen Anzeige wird Anni von der Gestapo verhaftet, und Pawel droht die Todesstrafe. Ausgerechnet Julius kann ihr aus dieser Lage helfen – doch dafür verlangt er einen hohen Preis.

Eine junge Frau zwischen Liebe, Selbstbestimmung und Gefahr

Der Roman Im nächsten Jahr zur selben Zeit erzählt die Liebesgeschichte einer gerade einmal achtzehnjährigen Frau und eines polnischen Zwangsarbeiters – eine Beziehung, die im nationalsozialistischen Deutschland nicht nur verboten, sondern mit Gefängnis, Konzentrationslager oder dem Tod bestraft wurde.

Zunächst entsteht der Eindruck, Anni sei naiv, da sie ihre Gefühle für Pawel einem Tagebuch anvertraut. Doch sie weiß genau, was sie will: Sie möchte später die elterliche Süßwarenfabrik leiten und keinen Mann heiraten, der über sie bestimmt oder sie in die Rolle der Hausfrau drängt.

Hamburg im Krieg – Bombennächte, Zwangsarbeit und ein Leben im Wohlstand

Die Handlung spielt in den Jahren 1939 bis nach Kriegsende 1945, mit zwei Kapiteln in Köln und Polen. Jana Voosen schildert sehr authentisch die Bombardierung Hamburgs im Juli 1943, bei der schätzungsweise 37.000 Zivilisten starben, 180.000 Menschen verletzt wurden und große Teile der Stadt zerstört wurden.

Sie thematisiert zudem das Leid der vielen Zwangsarbeiter, die unter unmenschlichen Bedingungen in deutschen Unternehmen arbeiten mussten. Allerdings werden die Kriegsjahre aus der Perspektive einer wohlhabenden Familie erzählt, die weder Armut noch Hunger oder Obdachlosigkeit erleiden muss und mit nur wenigen Einschränkungen in einer Villa lebt. Das Elend, das der Großteil der Bevölkerung während des Krieges ertragen musste, lässt sich daher nur ansatzweise erahnen.

Im nächsten Jahr zur selben Zeit von Jana Voosen

Cover von Im nächsten Jahr zur selben Zeit von Jana Voosen
Heyne Verlag 2023
Taschenbuch
448 Seiten
ISBN 978-3-453-42526-2

Bildquelle: Heyne Verlag

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