Hotel Grand Babylon von Arnold Bennett

Hotel Grand BabylonIn der heutigen Zeit hat jeder die Möglichkeit, sich bei Bedarf vorab im Internet darüber zu informieren, welche Speisen und Getränke in einem Hotelrestaurant angeboten werden. Als Arnold Bennett seinen Kriminalroman „Hotel Grand Babylon“ im Jahr 1902 schrieb, war das allerdings noch nicht möglich: So kann auch dem Wunsch von Theodore Racksole, dem seinerzeit drittreichsten Mann der Welt, nicht gleich entsprochen werden, ihm seinen Lieblingscocktail Angel Kiss zu servieren. Wenig später möchte seine Tochter Nella ein Steak und ein Bier, doch damit kann der Oberkellner Jules nicht dienen, woraufhin der aus New York kommende Millionär den Hotelier Mr. Felix Babylon zu sprechen wünscht. Kurzerhand kommen die beiden überein und Theodore Racksole kauft das Hotel in London, in dem stets berühmte Gäste logieren, um so in den Genuss der gewünschten Speisen zu gelangen. Die Warnung, dass er den Kauf vielleicht schon am selbigen Abend bereuen könnte, ignoriert er geflissentlich.

Als Theodore Racksole sein Zimmer aufsucht, beobachtet er, wie der Oberkellner Jules Zimmer Nr. 111 betritt, in dem seine Tochter Nella untergebracht und das mit einem weißen Band abgesperrt ist. Natürlich stellt er Jules daraufhin zur Rede und erfährt, dass eine eingeschlagene Fensterscheibe zu einem Zimmertausch geführt hätte. Theodore ist fürs erste beschwichtigt, doch schon am darauffolgenden Tag verschwindet plötzlich die Empfangschefin Miss Spencer. Da ihm der Oberkellner Jules missfällt, entlässt er ihn auf der Stelle, was dieser jedoch gelassen hinnimmt. Während seine Tochter Nella die Aufgaben der Empfangschefin übernimmt, werden Prinz Aribert von Posen und sein Neffe Fürst Eugen erwartet. Allerdings trifft lediglich der Prinz ein, den Nella bereits von einem Treffen aus Paris kennt. Sie lädt auch seinen Freund Reginald Dimmock ein, der jedoch kurz darauf verstirbt. Zu allem Überfluss verschwindet auch noch seine Leiche, und Aribert vertraut Nella an, dass sein Neffe Fürst Eugen wohl entführt worden ist, was wiederum ihren detektivischen Eifer weckt.

Das Hörbuch des Kriminalromans „Hotel Grand Babylon“ von Arnold Bennett, gelesen von Katharina Thalbach, ist eine gekürzte Fassung, wobei nicht deutlich wird, welche Passagen aus dem ursprünglichen Roman geopfert wurden. Da der Plot bereits vor über einhundert Jahren geschrieben wurde, werden die Gäste von den Angestellten mit Sir angeredet und sie bedienen sich einer für ein Grand Hotel angemessenen und vornehmen Sprache. Sätze wie „um der Wahrheit die Ehre zu geben“ sind deshalb nicht ungewöhnlich. Nella, dessen Vater durch Eisenbahnaktien ein Vermögen anhäufen konnte, wird vom Autor als kaltblütig und berechnend beschrieben. Sie ist ein Mensch, der immer alles bekommt, was er will und selbst ihrem gutmütigen Vater gegenüber verschweigt sie ein mit dem Prinzen geführtes Gespräch.

Der sowohl spannende, wie auch amüsante Kriminalroman handelt von Verschwörungen und Intrigen. Theodore Racksole entdeckt in dem ominösen Zimmer mit der Nummer 111 hinter der Badewanne einen Hohlraum, hinter dem sich ein Brunnenschacht mit einer Leiter befindet, die, was seine anfängliche Vermutung bestätigt, in eine andere Etage und ein anderes Zimmer führt. Doch damit nicht genug: In dem ehrwürdigen „Hotel Grand Babylon“ existiert eine Falltür und eine einbalsamierte Leiche. Der mit zahlreichen überraschenden Wendungen versehene Plot wird von Katharina Thalbach auf unnachahmliche Weise gelesen, so dass es eine Freude ist, ihrer sprachlichen Ausdrucksfähigkeit, die stets der Dramatik angepasst ist, zu lauschen.

Hotel Grand Babylon von Arnold Bennett

Hotel Grand Babylon
Der Audio Verlag 2019
1 MP3-CD
4 Stunden, 24 Minuten
ISBN 978-3-7424-1108-2

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Bildquelle: Amazon


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