Für viele Arbeitslose und Hartz IV-Empfänger scheint der Weg in die Selbstständigkeit eine Alternative zu sein, sich aus ihrer perspektivlosen Situation zu befreien und sich beruflich zu verändern, doch nur wenige wagen diesen Schritt. Das Buch Existenzgründung aus Arbeitslosigkeit und Hartz IV soll Gründungswilligen die Grundlagen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung und einer damit verbundenen dauerhaften Existenzsicherung vermitteln. Außerdem wird an praktischen Beispielen, denen reale Geschichten zugrunde liegen, aufgezeigt, wie Betroffene ihre Fähigkeiten genutzt haben um sich mit Ausdauer und Entschlossenheit aus der Arbeitslosigkeit zu verabschieden.

Der Ratgeber von Katharina Meuser soll den Betroffenen Mut machen ihren eigenen Ideen eine Chance zu geben, doch nicht jede Geschäftsidee sichert eine dauerhaft erfolgreiche Selbstständigkeit und nicht jeder eignet sich zum Unternehmer. Die Frage, welche fachlichen und persönlichen Voraussetzungen sie mitbringen, ist deshalb unerlässlich. Eine umfangreiche Planung und ein Businessplan ist eine unbedingte Voraussetzung für den Erfolg einer Geschäftsidee, wobei der Kundennutzen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen sollte. Um festzustellen, welche Chancen eine Geschäftsidee wirklich hat, muss sowohl der Bedarf, wie auch der Wettbewerb analysiert werden und pfiffige Ideen für das Marketing können von Nutzen sein. Denn letztendlich muss das Jobcenter mit einem tragfähigen Konzept überzeugt werden.

Im zweiten Teil des Buches berichtet die Autorin von zehn Existenzgründungen, die aus schwierigen Situationen heraus mit der gegenseitigen Unterstützung in einem Netzwerk erfolgreich in die Selbstständigkeit gestartet sind: Die 58 Jahre alte Hausfrau Elisabeth ist geschieden und ohne Berufserfahrung. Sie liebt die Hausarbeit und gründet einen Putzteufel-Dienst. Manfred ist 39 Jahre, immer wieder arbeitslos und ohne Perspektive. Er hat in der Vergangenheit für verschiedene Kurierdienste gearbeitet und macht sich als Fahrradkurier „Biker-Blitz“ selbstständig. Die ehemalige 42-jährige Topmanagerin Hedwig entwickelt das Konzept der kurzen Wege für Büro und Finanzen, während der ungelernte Bauhelfer Horst mit 56 Jahren zum gefragten Hausmeister wird.

Arbeitslose und Hartz IV-Empfänger verfügen in den meisten Fällen über kein Kapital, um in die Selbstständigkeit zu starten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie einen Kredit von einer Bank bekommen und zumindest fraglich, ob sie aus öffentlichen Förderprogrammen Darlehen erhalten. Doch es gibt auch Geschäftsideen, für die nicht viel Geld erforderlich ist, behauptet Katharina Meuser in ihrem Buch Existenzgründung aus Arbeitslosigkeit und Hartz IV und zeigt dafür einige Beispiele auf. So soll das Startkapital der Hausfrau Elisabeth nur fünfundzwanzig Euro betragen haben. In einigen Städten kann man mit diesem Betrag noch nicht einmal ein Gewerbe anmelden. Auch die bestellten Bekleidungsstücke sind selbst ohne Werbeaufdruck wesentlich teurer. Die erwähnten Flyer und die Beratung in einer Steuerkanzlei müssen dann vollständig kostenlos gewesen sein. Doch spätestens bei der Geschichte von dem „Biker-Blitz“ Manfred, dessen Businessplan als Fahrradkurier auf total überzogenen Preisen beruht, wird das Buch für den aufmerksamen Leser unglaubwürdig. Bedenklich ist auch, für eine Existenzgründung aus Arbeitslosigkeit und Hartz IV Geld von Verwandten, Freunden oder Bekannten einzusetzen, denn wie soll eine Rückzahlung erfolgen, wenn die Geschäftsidee gescheitert ist?

Katharina Meuser, Existenzgründung aus Arbeitslosigkeit und Hartz IV, Vahlen Verlag 2013, Klappenbroschur, 273 Seiten, mit CD-ROM, ISBN 978-3-8006-4586-2, Preis: 19,80 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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