Inmitten der Unruhen des spanischen Bürgerkriegs setzen bei einer Frau in Villareal im Sommer 1936 die Wehen ein. Geschwächt bittet sie eine anwesende Nonne, ihren Sohn zu retten. Doch die überlässt ihn seinem Schicksal und wirft ihn in den Fluss, aus dem ihn der Hund von Baffa Rubio rettet. Der Sardinenfabrikant nimmt den Jungen, den er Frankie nennt, bei sich auf, und gibt sich als sein Vater aus. Seine Mutter, so erzählt ihm Baffa, wäre bei einem Autounfall in Detroit ums Leben gekommen. Da der erst fünfjährige Frankie die Musik liebt, beauftragt Baffa einen Blinden, ihm das Gitarrespielen beizubringen. Frankie lernt von seinem Lehrer, den er El Maestro nennt, schnell Jazz- und Flamencostücke zu spielen. Doch im Sommer 1945 wird Baffa verhaftet und gibt dem Lehrer sein erspartes Geld. Er soll damit für das Kind, das sich in Zukunft nur noch Frankie Presto nennen darf, die beste Gitarre kaufen und die entsprechenden Leute bestechen, um für ihn eine Überfahrt nach Amerika zu ermöglichen. In Detroit würde sich seine Schwester um das Kind kümmern. Doch von diesen Plänen ahnt der betäubte und abgeschobene Frankie nichts.

Mit zehn Jahren landet Frankie Presto schließlich alleine in Amerika und hat nur den Wunsch, wieder nach Hause zu kommen. Zunächst kommt der talentierte Junge bei einem Automechaniker unter, bevor es mit seiner Karriere steil nach oben geht. Mit Django Reinhardt und Duke Ellington zieht er durch die Lande und steht mit Elvis Presley sowie David Bowie auf der Bühne. Zu seiner Hochzeit singt Richard Penniman, der als Little Richard berühmt wurde, und Fats Domino begleitet ihn am Klavier. Auf einer Party kommt der berühmteste Gitarrist aller Zeiten mit den Beatles, Rolling Stones und Eric Clapton zusammen. Sein Lebensweg führt ihn um die ganze Welt, und wie viele seiner Musikerkollegen verfällt er dem Rausch der Drogen. Auf dem Musikfestival in Woodstock spielt er 1969 von kaum jemandem beachtet ein kurzes Stück auf seiner Gitarre, von der jeweils eine Saite vor dem Zerreißen blau aufleuchtet, wenn sich die Zukunft eines Menschen verändert. Aber ein Teilnehmer hat das Stück aufgenommen, und das nie offiziell veröffentlichte Album mit dem Titel Die magischen Saiten des Frankie Presto wird unter der Hand heimlich weitergereicht.

Mitch Albom lässt in seinem Roman die Musik als Ich-Erzähler zu Wort kommen, wenn nicht gerade real existierende Personen aus der Musikbranche immer wieder in eigenen Kapiteln von ihrer Begegnung mit Frankie Presto berichten, der allerdings fiktiv ist. In dem ersten Kapitel wird der berühmte Gitarrist auf dem Friedhof zu Grabe getragen, und in nicht chronologischer Reihenfolge wird sein Lebensweg erzählt. Von Anfang an versteht es der Autor, den Leser an das Buch zu fesseln, denn gleich auf den ersten Seiten ist seine Neugier geweckt und er will wissen, welche Überraschungen das Leben für Frankie noch bereit hält. Natürlich dreht sich alles um Die magischen Saiten des Frankie Presto, die sechs Saiten seiner wertvollen Gitarre.

Die Musik ist das zentrale Thema des Romans, in dem Mitch Albom die Entwicklungen im Leben eines Menschen oder seine Gefühle mit Begriffen aus der Musik umschreibt. Ausgangspunkt ist die spanische Stadt Villareal, Geburtsort des berühmten Gitarristen Francisco Tárrega. Das von ihm stammende Lied Lágrima ist die erste Melodie, die Frankie hört, und später wird es das einzige Stück sein, das er gemeinsam mit seinem El Maestro spielt. Der Autor erinnert neben vielen großen Musikern an den Flugzeugabsturz von Buddy Holly im Jahr 1959 und an den wegen einer Polioerkrankung auf Krücken angewiesenen Doc Pomus, dessen Komposition „Save the last dance for me“ fast jeder kennt. Aber ebenso bringt er die Sinnlosigkeit der Kriege über den Ich-Erzähler Musik zum Ausdruck, wenn es um die Tyrannenherrschaft von Franco im damaligen Spanien geht oder wenn Frankie vor amerikanischen Truppen in Vietnam singt.

Mitch Albom hat vieles für seinen gewaltigen und sehr bewegenden Roman Die magischen Saiten des Frankie Presto recherchiert bzw. recherchieren lassen, so dass beim Leser der Eindruck entsteht, dass auch sein Protagonist tatsächlich gelebt hat, der am Ende noch gegen den Hurrican Katrina im Jahr 2005 ankämpft und zu seinen spanischen Wurzeln zurück findet. Musikliebhaber kommen an diesem gewaltigen Werk absolut nicht vorbei, und obwohl der Roman viele Seiten umfasst, ist man darüber betrübt, wenn die er zu Ende ist.

Mitch Albom, Die magischen Saiten des Frankie Presto, Lago Verlag 2016, Hardcover, 368 Seiten, ISBN 978-3-95761-130-7, Preis: 19,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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