Der Schuss von Christian Linker

Der SchussDer siebzehnjährige Robin Fuchs lebt mit seiner Mutter und der ein Jahr jüngeren Schwester Melanie im Breslauer Block, einem Plattenbau. Seit er nicht mehr die Schule besucht, dealt er für den gleichaltrigen Hakan Topal, möchte allerdings aus dem „Geschäft“ aussteigen. Zufällig wird Robin eines Tages Zeuge, wie Emil Becker seinen „Chef“ Fred Kuschinski verrät. In einer Garage will er dem Journalisten und Blogger Magnus Mahlmann gegen Geld einen Stick überreichen, der belastendes Material über Fred enthält, der der rechten Deutschen Alternativen Partei angehört und in den Bundestag einziehen will. Doch Nikolaj Müller und Marc Dorfmann, die Fred treu ergeben sind, stechen ihren Kollegen Emil Becker nieder und verletzen Magnus Mahlmann. Der schwer Verletzte kann sich zu Robin retten, der Erste Hilfe leistet und einen Notruf absetzt. Doch bevor Magnus bewusstlos wird, übergibt er Robin den Stick mit der Bitte, diesen an eine Person namens Henry zu überreichen.

Hakan, der wiederholt verhaftet wurde und immer wieder frei kam, weil ihm nichts bewiesen werden konnte, wird als Tatverdächtiger für den Mord an Emil Becker und den ins Koma versetzten Magnus Mahlmann verhaftet. Außer seiner Schwester Arzu sind alle Bewohner des Breslauer Blocks der Meinung, dass er endlich seine gerechte Strafe bekommt. Robin ist einerseits froh, vor Hakan keine Angst mehr haben zu müssen, doch ist er unschlüssig, ob er Henry wegen des ihm anvertrauten Sticks aufsuchen soll. Unterdessen halten die Sympathisanten von Fred Kuschinski jeden Abend eine Mahnwache ab, an der auch Melanie teilnimmt. Der vom dauernden Hunger gezeichnete Robin fühlt sich sowohl von Henry, als auch von Fred und seinen Handlangern immer mehr in die Enge getrieben, bis er sich zu einer Entscheidung durchringt und Der Schuss fällt.

Christian Linker hat in seinem Jugendroman vor dem Hintergrund der auf uns einströmenden Massen an Flüchtlingen ein hochaktuelles und brisantes Thema angesprochen. Robin lässt er in der Ich-Form berichten, während er bei den anderen Handlungspersonen in einen Erzählstil wechselt, um so aus unterschiedlicher Perspektive zu verdeutlichen, wie leicht man junge Leute mit Hetzkampagnen für die rechte Szene begeistern kann. Anhand Robins Schwester Melanie zeigt der Autor auf, dass es Mitläufern oft gar nicht transparent ist, wofür sie einstehen, denn ihr Hass richtet sich nicht gegen eine bestimmte Person. Vielmehr fühlen sich gerade Jugendliche aus unteren Schichten wie Robin, der schon seit langem kein Frühstück mehr kennt, von einem Bewährungshelfer betreut wird und längst alle Hoffnungen aufgegeben und resigniert hat, von der Gesellschaft ausgeschlossen. Sie haben nichts mehr zu verlieren und sind dankbar für jede Form von Anerkennung.

Jungen Lesern ab 14 Jahren fällt es nicht schwer, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren, der offen ausspricht, sich über so viele Dinge noch nie Gedanken gemacht zu haben. Natürlich hat Christian Linker in seinem Roman Der Schuss auch eine authentische Ausdrucksweise gewählt, denn immerhin regiert im Breslauer Block die Gewalt. Kritisch geht er auf die Gefahren sozialer Netzwerke wie Facebook ein und dass die Regierung sich der unteren sozialen Schicht zu wenig annimmt, weil gerade da Menschen anzutreffen sind, die für die rechte Szene sensibilisiert werden können. Der Autor nimmt die Journalisten in die Verantwortung und gibt zu bedenken, dass nicht Flüchtlinge Milliarden an Steuergeldern hinterziehen und sie auch nicht die Hartz IV-Gesetze verabschiedet haben. Der spannende Roman ist ein Plädoyer dafür, gerade auch dann mutig für Gerechtigkeit einzutreten, wenn es mit Unannehmlichkeiten verbunden sein kann.

Christian Linker, Der Schuss , dtv 2017, Klappenbroschur, 316 Seiten, ISBN 978-3-423-74027-2, Preis: 14,95 Euro.

Bildquelle: dtv

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