Eine Reise zu sich selbst – Rezension zu „Ziemlich mitgenommen“ von Mia Sassen

Buchcover des Romans Ziemlich mitgenommen

Aufbruch ins Ungewisse

Isabel ist 45 Jahre alt, lebt in Hamburg und ist mit dem Physiklehrer Carsten verheiratet. Nicht nur das Verhältnis zur 16-jährigen Tochter Lisa gestaltet sich zunehmend schwierig – Isabel verliert auch noch ihren Job als Synchronsprecherin. Als ihr Mann sie für zu alt hält, um eine neue Rolle als Schauspielerin anzunehmen, und ihr stattdessen eine Kur empfiehlt, fühlt sie sich „ziemlich mitgenommen“. Sie will nur noch weg und frei sein.

Ohne Gepäck steigt sie kurzerhand in das Auto einer über Siebzigjährigen, die auf dem Weg nach Prag ist. Während der Fahrt erfährt Isabel von Viktoria, dass Prag nur die erste Station ist – das eigentliche Ziel lautet Istanbul. In der Türkei möchte die alte Dame ihren früheren Verlobten Can wiederfinden, den sie vor 48 Jahren zuletzt gesehen hat.

Zwischenstopp mit Überraschungen

Für die ungleichen Frauen beginnt eine Reise, die sie über Dresden nach Prag führt. Dort lernen sie den äußerst attraktiven Barkeeper Zlatko kennen. Mit unterschiedlichsten Transportmitteln geht es weiter nach Wien, Zagreb und Zadar. Die zunehmende Geldknappheit macht den beiden Frauen zu schaffen.

Zum Glück kann sich Isabel auf einen alten Freund verlassen: Mit Heinrich und dessen Lebensgefährten Adolfo reisen sie schließlich von Italien über Griechenland bis in die Türkei. In Istanbul überschlagen sich die Ereignisse: Die beiden Frauen werden steckbrieflich gesucht, Viktoria verliert zeitweise die Hoffnung, Can jemals wiederzufinden, und Isabel, die ihre Beschwerden zunächst auf die Menopause geschoben hat, fürchtet ernsthaft krank zu sein. Zudem ist sie unsicher, ob sie ihr zukünftiges Leben weiterhin an der Seite von Carsten verbringen möchte.

Zwischen Leichtigkeit und Tiefgang

Der Roman Ziemlich mitgenommen* von Mia Sassen ist in einem sehr flüssigen und leicht zugänglichen Stil geschrieben. Von Beginn an geht es turbulent und rasant zu, wobei die Autorin als begeisterte Reisende ihre Leserinnen und Leser an traumhafte Orte entführt.

Die Geschichte lebt zwar von einer Vielzahl an Zufällen, die im echten Leben kaum vorkommen würden – doch gerade diese machen den Reiz des Romans aus. Manche Passagen bringen einen zum Lachen, andere wiederum, in denen die Frauen zurückblicken, stimmen nachdenklich.

Zwei Frauen, eine emotionale Reise

Isabel und Viktoria erleben eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle und müssen sich immer wieder gegenseitig aufbauen, wenn eine von ihnen psychisch „ziemlich mitgenommen“ ist. Isabel zweifelt immer wieder an Viktoria, da sie die Frau kaum kennt – und wird doch stets aufs Neue von ihr überrascht.

Mia Sassen regt mit ihrem Roman dazu an, über Lebenssinn und Lebensziele nachzudenken – und darüber, dass eine Altersangabe wenig über einen Menschen aussagt. Der Plot würde sich hervorragend für eine Verfilmung eignen und könnte im Kino ebenso wie im Buch die Zuschauerinnen und Zuschauer zu Tränen rühren.

Ziemlich mitgenommen von Mia Sassen

Buchcover des Romans Ziemlich mitgenommen
Wunderlich Verlag 2014
Klappenbroschur
352 Seiten
ISBN 978-3-8052-5067-2

Bildquelle: Wunderlich Verlag

Teile diesen Beitrag