
Zwischen „Dalli Dalli“ und „Captain Future“
Von Kindesbeinen an liebt Ben das Fernsehen, das er kennenlernt, als er mit seiner Mutter in das gleiche Haus zieht, in dem auch seine Großeltern leben. Wenn er bei ihnen zu Besuch ist, verfolgt er gespannt auf dem Schwarz-Weiß-Fernseher die Sendung Dalli Dalli*, die er aber nie zu Ende schauen darf, weil er pünktlich um 20 Uhr ins Bett gebracht wird. Erst ein paar Jahre später kann er in den Ferien auch einmal die zweite Hälfte der Sendung mit Hans Rosenthal verfolgen.
Anfang der 1980er Jahre ist die Zeichentrickserie Captain Future* nicht nur für Ben ein absolutes Highlight, sondern der ganze Kindergarten ist verrückt danach, und die Kinder spielen die Folgen mit Playmobilfiguren nach. In dieser Zeit verbringt er die Montagnachmittage bei seinen Großeltern, wenn seine Mutter arbeiten muss, und so wird die Kindersendung Spaß am Montag zu einem allwöchentlichen Erlebnis. Als die Sendung nach einiger Zeit von der Yxilon Show* abgelöst wird, macht Ben zum ersten Mal die Erfahrung, dass Fernsehen auch langweilig sein kann.
Ein treuer Begleiter durch die Kindheit
Als seine Mutter eines Tages mit ihm in die Stadt fährt, um einen Farbfernseher mit Fernbedienung zu kaufen, wird das Fernsehen für Ben zu einem treuen Begleiter. Es hilft ihm, die Einsamkeit seiner Kindheit zu überstehen, und erzählt ihm eine Gutenachtgeschichte. In der Grundschule hat Ben kein Interesse daran, mit den anderen Jungen aus seiner Klasse Fußball zu spielen, und schaut sich lieber Die Bären sind los* im Fernsehen an, obwohl er keine Ahnung von Baseball hat.
Eine seiner Lieblingssendungen ist Löwenzahn*, in der Peter Lustig interessante Dinge erklärt. Als Ben durch Zufall in einer Folge gemeinsam mit einigen anderen Kindern als Statist mitwirken darf, hat er Lunte gerochen. Er liebt das Fernsehen nicht nur, er will auch unbedingt ein Teil von ihm werden …
Nostalgische Reise durch die Fernsehgeschichte
Der Protagonist Ben Kaspari in dem Roman Fernsehen gernsehen* ist ein bekennender TV-Junkie, der täglich seinen Stoff in hoher Dosis braucht. Irgendwo findet er immer eine Sendung, die ihm gefällt. Ganz nebenbei erzählt Alexander Emmerich in diesem humorvoll und unterhaltsam geschriebenen Roman ein Stück Fernsehgeschichte, die nur diejenigen vollständig nachvollziehen können, die noch zu der Generation gehören, die mit lediglich drei Fernsehprogrammen aufgewachsen ist und für die „Testbild“ und „Sendeschluss“ keine Fremdwörter sind.
Diese Leserschaft wird bei der Lektüre des Romans vermutlich in nostalgische Verzückung geraten und wehmütig an längst vergessen geglaubte Fernsehsendungen der Kindheit oder Jugend erinnert. Wie Ben, der die Geschichte aus seiner Sicht erzählt, wird man sich damals vielleicht mehr Fernsehprogramme gewünscht haben, um zwanzig Jahre später zu der Erkenntnis zu gelangen, dass mehr Programme das Fernsehen nicht zwangsläufig besser gemacht haben.
Vom Fernsehen kann man sich nicht einfach berieseln lassen, doch der Roman Fernsehen gernsehen* von Alexander Emmerich bietet ein vielfältiges Fernsehprogramm, das an keiner Stelle langweilig wird.
Fernsehen gernsehen von Alexander Emmerich

Von Dalli Dalli bis Löwenzahn: Alexander Emmerich nimmt seine Leser mit auf eine nostalgische Reise durch die Fernsehwelt der 1970er- und 1980er-Jahre. Warmherzig, humorvoll und voller Erinnerungen.
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Verlag: Zauberberg
Erscheinungsjahr: 2015
Seitenzahl: 282
Genre: Roman