Nachdem Torsten Brettschneider, der Protagonist aus den beiden Romanen Elchscheiße und Kaimankacke von Lars Simon, wieder zurück in Schweden ist, kauft er ein kleines Ferienhaus ganz in der Nähe seiner Angebeteten Linda, die ihn mit ihren langen, goldblonden Haaren und einem Elfenlächeln verzaubert hat. Allerdings ist Linda zum Zweck der Selbstfindung nach Lappland gefahren, wo ihr Exfreund Olle Olofsson ein Kulturprojekt betreibt, was Torsten einiges Kopfzerbrechen bereitet. Doch beauftragt er zunächst einmal die Firma des Handwerkers Johansson mit der Renovierung des neu erworbenen Hauses. Noch während der Bauarbeiten kommt sein Kumpel Rainer in samischer Traditionsbekleidung vorzeitig von einem kulturellen Intensivkurs aus Lappland zurück. Als ihn dann noch sein Vater Gerd mit seiner esoterischen Freundin Renate und Pfarrer Pettersson unangemeldet besuchen, ist das Chaos perfekt.

Pfarrer Pettersson macht sich große Sorgen um seine Tochter Linda, die seit einigen Tagen nicht mehr zu erreichen ist. Er möchte nicht die Polizei einschalten und bittet Torsten, nach Jokkmokk zu fahren, um bei Olle Olofsson nach dem Rechten zu sehen. So begibt sich Torsten in Begleitung des realitätsfremden Sozialpädagogikstudenten Rainer in einem alten VW-Bus auf die Reise nach Lappland, um die Frau seiner Träume zu suchen, während sein Vater Gerd und Renate den Fortgang der Renovierungsarbeiten beaufsichtigen. In der eisigen Kälte Lapplands treffen Torsten und Rainer auf die Mitglieder einer Asen-Sekte, die anscheinend eine Vollmeise haben, denn sie sind davon überzeugt, die Reinkarnation nordischer Götter zu sein. Da die beiden hoffen, Linda hier zu finden, geben sie vor, auch Asen zu sein.

In dem Roman Rentierköttel von Lars Simon sind zwar die Protagonisten aus den beiden vorherigen Büchern wieder vertreten, doch ist die Kenntnis der beiden Romane Elchscheiße und Kaimankacke für die weitere Lektüre nicht erforderlich. Zumal der Autor gleich zu Beginn des Buches einen kurzen Überblick über das bisherige Geschehen gibt. In gewohnter Manier nimmt Lars Simon nicht nur die Welt der Asen aufs Korn, sondern macht sich unter anderem über Selbstfindungskurse für Frauen lustig. Aber auch die schwedischen Handwerker und Immobilienmakler, sowie die schwedische Polizei, kommen in dem Roman nicht gut weg. Neben den bereits bekannten, skurrilen Charakteren hat Lars Simon mit der Kampfemanze Daphne, in die sich Rainer offensichtlich verliebt hat, eine neue Figur geschaffen, die erheblich zur Belustigung des Lesers beiträgt. Sie hat, wie der Autor selbst, ein Faible für Tierkot und sammelt in Lappland Rentierköttel, die sie trocknet und in mundgeblasenen Glasphiolen auf eBay verkauft. Auch wenn einiges überzogen erscheint, ist Lars Simon alles in allem mit Rentierköttel wieder einmal ein unterhaltsamer Roman zum Schlapplachen gelungen, denn das wahre Leben ist doch ernst genug.

Lars Simon, Rentierköttel, Deutscher Taschenbuch Verlag 2015, Taschenbuch, 368 Seiten, ISBN 978-3-423-21609-8, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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