Alina erlebt als Achtjährige den Mauerbau in Berlin und wächst danach im Osten der geteilten Stadt auf. Mit sechzehn Jahren wird sie sofort beim ersten Mal von Peter schwanger. Sie zieht zu ihm und auf den Sohn folgt Tochter Louise. Nach kurzer Ehe lässt sich Alina von Peter scheiden, um ihren geschiedenen Stiefbruder Meinhard zu heiraten. Als sie gerade auf seinen Wunsch hin ein Studium beginnt, wird 1975 Tochter Katja geboren, was bei der Stasi, wo ihr Mann als Offizier beschäftigt ist, für Verwirrung sorgt. Denn Familienverhältnisse, in denen die Mutter von Katja gleichzeitig ihre Tante ist und Louise damit die Cousine ihrer eigenen Schwester, sind den Genossen zu kompliziert. 1982 kommt Tochter Anna zur Welt. Als ihr Mann vier Jahre später eine Freundin von einer Kur mitbringt, trägt sie das noch mit Fassung, doch reicht sie nach zwei Jahren die Scheidung ein.

Obwohl Meinhard von einer neuen Traumfrau und Super-Sex schwärmt, will er doch wieder zu Alina zurück, so dass sie ihn wieder bei sich aufnimmt. Sie ist sechsunddreißig Jahre, als die Mauer fällt. Nach siebzehn Jahren Beziehung mit Meinhard flüchtet sie 1991 aus der gemeinsamen Wohnung zu ihrer Tochter Katja nach München. Dort verbringt sie eine glückliche Zeit mit Robby, ihre Tochter Anna gibt sie 1992 in ein bayerisches Internat und Louise wird für sie in Paris zur besten Freundin. Häufig fühlt sich Alina einsam und findet einfach nicht den richtigen Mann, denn scheinbar sind Männer „wie Toiletten, entweder besetzt oder beschissen“.

Ina-Maria Enn hat ihren Roman Kopf hoch – sieht einfach besser aus nicht chronologisch aufgebaut, sondern der Leser muss sich das chaotische und turbulente Leben der Protagonistin Alina zusammenreimen, die in der Ich-Form erzählt. Mit viel Selbstironie sieht sie ein, dass sie es stets besser hatte, als ihr Mann. Selbst dann, wenn er nur eine halbe Stunde mit dem Auto zur Arbeit fährt, während sie mit drei kleinen Kindern Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln verbringen muss. Natürlich hat sie auch Verständnis dafür, wenn ihr Mann eine acht Jahre Jüngere mit einem wunderschönen Busen vorzieht, der nicht wie ihrer durch vier Kinder gelitten hat. So schlägt sich Alina als Powerfrau notgedrungen durchs Leben und stellt nach vielen Jahren fest, dass sie auch ohne Meinhard gut und sogar besser leben kann.

Zu Beginn des Romans Kopf hoch – sieht einfach besser aus fällt der flotte Sprachstil positiv auf und in einigen Passagen wartet die Autorin durchaus mit amüsantem Wortwitz auf. Nicht schlecht ist die Definition der Wechseljahre als eine Zeit, in der Frauen ihre Männer wechseln oder die Bezeichnung Raff und Gierig für einen Arbeitgeber. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass so ziemlich jedem Leser auf Dauer die Suche von Alina nach einem geeigneten Mann langweilt. Die Romanfiguren wirken flach und alles dreht sich nur um das Karussell Mann. Die Höhen und Tiefen einer neuen Liebesbeziehung bringen für den Leser nichts Neues und Namen wie Günter, Hans, Micha, Meinhard, Werner, Manfred und nicht zu vergessen Peter III und Peter IV sind austauschbar. Ina-Maria Enn hat in das Buch autobiographische Erlebnisse einfließen lassen, denn auch sie ist im Osten aufgewachsen und lebt heute in Bayern. Als alleinerziehende Mutter hatte sie es, wie viele andere, sicher nicht leicht und ihr Bedürfnis, das einmal in humorvoller Weise niederzuschreiben, ist verständlich. Unangenehm fallen allerdings an dem Buch die fehlende Worttrennung auf, die zu einer unausgewogenen Buchstabenverteilung in den Zeilen geführt hat, und Fehler, die durch ein Korrektorat hätten vermieden werden können.

Ina-Maria Enn, Kopf hoch – sieht einfach besser aus, Marianne von Hirsch Verlag 2013, Broschur, 244 Seiten, ISBN 978-3-00-041537-1, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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