Derek Meister

Foto © privat

Derek Meister wurde am 29. August 1973 in Hannover geboren. An der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam/Babelsberg studierte er Film- und Fernsehdramaturgie sowie das Drehbuchschreiben. Neben Serien und Filmen fürs Fernsehen schreibt er als freier Autor Bücher unterschiedlichster Genres. Mit seiner Familie lebt er in der Nähe des Steinhuder Meers.

Guten Tag Derek, ich freue mich, dass du dich zu einem Interview mit mir bereit erklärt hast. Dein letztes Werk, der Thriller Blutebbe, spielt wie die ersten beiden Bände Der Jungfrauenmacher und Die Sandwitwe dieser Reihe in dem fiktiven Valandsiel. Dennoch erweckst du den Eindruck, dass Valandsiel tatsächlich existiert, indem du ausführst, dass beispielsweise der Leuchtturm im Jahre 1871 erbaut wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg für die Schifffahrt nicht mehr genutzt wurde. Nimmst du damit eventuell Bezug auf einen realen Turm an der Nordseeküste?

Valandsiel ist ein Ferienort, so wie ich mir ihn an der Nordsee wünschen würde: Sandstrandabschnitte und Watt, im Norden Steilklippe, eine Seebrücke, nette Geschäfte, einen alten Hafen … Ich habe mehrere Orte (Büsum, Husum, Neuharlingersiel usw.) zu einem verschmolzen. Für den Leuchtturm gibt es ein Vorbild, den Leuchtturm Hörnum. Allerdings sind die Baudaten erfunden, wenn auch die Schifffahrt ja leider kaum noch auf Leuchttürme oder Leuchtfeuer angewiesen ist.

Das ist richtig. Auch die Schifffahrt setzt neueste Technik ein.
In Valandsiel gibt es nach deiner Ausführung eine Teleportalklinik. Diese Namensgebung hätte mich nicht weiter stutzig gemacht, wenn nicht an anderer Stelle der Begriff „teleportiert“ verwendet worden wäre. Meine Vermutung ist, dass das kein Zufall sein kann. Interessierst du dich für Teleportation und die wissenschaftlichen Experimente, die im Forschungszentrum CERN in Genf gemacht werden?

In Teleportal-Kliniken wird man ja leider nicht „teleportiert“. 😉 Obwohl das sicher auch fein wäre – schwupp ab zu fremden Welten und dort wird dann operiert mit Alientechnik. 😉 Ich interessiere mich tatsächlich für wissenschaftliche Experimente, für Super-KI, für Gefahren der Technik und neue Forschungen. Die Teleportal-Klinik in Valandsiel ist aber meiner Heimat entnommen. Immer mehr im ländlichen Raum gibt es so „halbe Kliniken“, in denen die Ärzte dann von Fern angewiesen werden und die eine Erstversorgung durchführen.

Wobei man nur hoffen kann, dass diese Form der Versorgung dem Patienten keinen Nachteil bringt.
Der Thriller befasst sich ausführlich mit der nordischen Mythologie in Form der Runen, die der Mörder an den Tatorten hinterlässt. Du scheinst offensichtlich eine Schwäche für alles Mystische zu haben, denn in deiner Ghost-Trilogie, eine Thriller-Reihe für Jugendliche, geht es ebenfalls um mysteriöse, geisterhafte Lichtwesen, die der Protagonist Ian sehen kann.

Ja. Ich mag alte Sagen und Legenden und ich liebe Spukgeschichten. Ein bisschen was blitzt dann auch in meinen Thrillern und Jugendbüchern durch. Die Ghost-Trilogie ist ja die spannende Reise zweier Jungs einmal um die Welt, die hinter unerklärliche Vorkommnisse kommen wollen. Ian kann „Geister“ sehen, aber was wollen die von ihm? Und sind es wirklich „Geister“… Die beiden kommen hinter ein düsteres Familiengeheimnis und eine große Verschwörung. Es macht mir Spaß, das Mystische mit Realem zu verknüpfen.

In dieses Thema passt auch deine Science-Fiction-Reihe für Kinder, bei der sich alles um das Sternenschiff Argon dreht. Bist du selbst auch ein begeisterter Leser von Science-Fiction?

Ja. Ich lese gerne SciFi. Und finde, es gibt viel zu wenig Neuerscheinungen auf dem Sektor. Aber ich mag es sehr, in fremde Welten und fremde Zeiten einzutauchen. SciFi oder Mittelalter. Ich mag beides. 😉

Da wir gerade von deinem persönlichen Geschmack reden, lass’ uns von der Lektüre eines Buches kurz einen musikalischen Abstecher machen. Immer wieder erwähnst du Namen wie AC/DC, Jimmy Hendrix oder Dire Straits. Sind das auch deine persönlichen Favoriten?

Ein klares „Ja“. Ich mag Rock. Ob Klassikrock oder moderner Rock. Ich höre aber auch gern Darkwave und Klassik. Für einen Roman stelle ich mir immer einen Soundtrack zusammen, den ich dann während des Schreibens höre. Mit Musik kann ich dann in die Geschichte abtauchen und mich reinfühlen. Ich kann sozusagen die Tür hinter mir zuschlagen und in der Welt meines Helden leben.

Das ist wohl auch eine Voraussetzung für ein Buch, das von der Leserschaft angenommen wird.
Neben einem altenglischen Runengedicht hast du deinem Thriller einen Spruch von John Wayne vorangestellt, den ich für unsere Leser wie folgt wiedergebe: „Mut ist, wenn man Todesangst hat, aber sich trotzdem in den Sattel schwingt“. Lebst du selbst auch nach dieser Devise und siehst einer Gefahr todesmutig ins Auge? Oder fühlst du dich eher dem großen Meister Alfred Hitchcock näher, der sich zwar als Regisseur hochspannendster Filme einen Namen machen konnte, dem jedoch nachgesagt wird, dass er ein überaus ängstlicher Mensch war?

Ich befürchte, ich bin eher der Hitchcock-Typ. Das Zitat passte aber so schön zu meinem Helden Knut Jansen, den ja immer alle damit aufziehen, er sei als Revierleiter so etwas wie der „Sheriff“ des kleinen Ortes Valandsiel. Was natürlich Quatsch ist, der aber selbst gern mit diesem Klischee spielt und sich selbst auf die Schippe nimmt. Und Knut muss sich in Blutebbe ja wirklich seiner Todesangst stellen und irgendwie „im Sattel“ bleiben, um den Mörder zu stellen.

Vielen Dank, lieber Derek, dass du mir deine Zeit für dieses Interview geopfert hast. Ich wünsche dir für deine weiteren Projekte viel Erfolg und alles Gute!

Danke sehr, Beatrix.

Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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