Günner Mambrallek ist ein Genießer: Nach Feierabend trinkt er gerne ein Pils und raucht dazu eine Zigarette. Sport treibt er bewusst nicht, fährt aber gerne und viel mit dem Rad. Er liebt die Musik der Beatles und Stones und hält sich vom Vereinsleben lieber fern, wobei der Kegelverein eine Ausnahme bildet. Bei einem Ausflug mit seinen Kegelbrüdern sieht er sich plötzlich am Flughafen einer Kalaschnikow gegenüber, und in einem Traum haut er Dieter Bohlen in der Castingshow um. Die Rauchverbote in der Öffentlichkeit und sogar in der Wohnung gehen ihm zu weit, bei der Ziehung der Lottozahlen bekommt er Herzklopfen, und zu allem Überfluss verlangt man von ihm den Kauf eines Anzugs samt Krawatte für eine Familienfeier.

Einem seiner Kumpel ist das Wasserlassen in einer öffentlichen Grünanlage teuer zu stehen gekommen, während ein anderer von seinem Vollzeitjob nicht leben kann. Von einem Rechtssekretär wird Günner darüber aufgeklärt, wie die Kreisverwaltung rechnet, mit dem Handbuch zu seinem neuen Herd hat er seine liebe Not, und seine Einkäufe tätigt er lieber im Supermarkt, als zu den überteuerten Tiefkühlprodukten der Firma Eismann zu greifen. Längst hat er auch die Vorzüge der Steuererklärung als Freiberufler oder die einiger Tickets des Verkehrsverbundes kennengelernt und weiß besonders nach einer schlechten Erfahrung mit der Deutschen Bahn die lokalen Verkehrsunternehmen zu schätzen. Seinem Herrgott dankt Günner dafür, nicht immer erreichbar zu sein, denn er kommt gut ohne ein Handy aus, hat er doch bereits als Kind bei seiner Uroma auf das Fernsehen verzichten müssen.

Lustig macht er sich auch über „knochenähnliche Dinger aus Edelstahl“ vor dem Festspielhaus in Recklinghausen, traut sich aber kaum noch etwas zu sagen, weil er sich schon wegen des Verkaufs seiner Bücher auf dem amerikanischen Markt in Guantanamo sieht. Als Pirat fühlt er sich weniger der Partei, als Errol Flynn und Johnny Depp zugehörig. Die Hände schlägt er wegen des Weggangs von Manuel Neuer über den Kopf, denn da, wo der jetzt ist, gibt es nicht einmal eine vernünftige Currywurst-Pommes-rot-weiß. Günner fragt sich, warum ferngesteuerte Flieger wie männliche Bienen Drohnen heißen, fachsimpelt über den Weltuntergang und den Rabatt bei den Stromkosten, entdeckt Gemeinsamkeiten von Halloween zum Reformationstag, eignet sich wegen nicht vorhandenem Anzug nicht mehr als Wahlhelfer und kommt zu dem Schluss, dass auf dem Schrottplatz alle Autos gleich sind. Ihn wundert schon gar nicht mehr, dass heute an der Stelle eher eine Art Lottobude steht, wo früher die Post war, aber er wartet noch auf ein Wunder, das Bill Gates vollbringen könnte.

Diese dreißig Ruhrpott-Geschichten stammen nicht etwa aus der Feder von Herbert Knebel. Nein, die haben wir Volker Kosznitzki zu verdanken, der einfach mit offenen Augen durch die Welt läuft, Leute beobachtet, Nachrichten einem kritischen Blick unterzieht und sich zu allem Notizen macht, die er nach Günner Mambrallek: So isset! in seinem zweiten Buch Günner Mambrallek: Gezz kucksse! veröffentlicht hat. Ob es seine Gedanken zu den quecksilberhaltigen und damit hochgiftigen Energiesparlampen sind, die katastrophalen Zustände in den chinesischen Bergwerken, die Ausbeutung durch Zeitarbeitsfirmen als moderne Sklavenhändler oder die Abzocke der Bezieher von Hartz IV durch einen skrupellosen Stromanbieter, Volker Kosznitzki redet Tacheles!

Für alle Ruhris sind die Ruhrpott-Geschichten ein unbedingtes Muss! Sie fühlen sich in der Sprache von Günner wie zu Hause, aber nur ganz Eingeweihte haben auch eine Vorstellung vom erwähnten „Oerscherplatt“. Denn nur, wer wie der Autor in Oer-Erkenschwick wohnt, erkennt in seinen Erzählungen neben den uns allen bekannten Politikern auch noch weitere reale Personen. Fast jeder ironisch-satirischen Geschichte seines Buches Günner Mambrallek: Gezz kucksse! hat Volker Kosznitzki eine Illustration hinzugefügt und bis auf die letzte, die da heißt „Jau, gezz kucksse“ enden alle, wie könnte es auch anders sein?, mit einem „Glückauf!“.

Volker Kosznitzki, Günner Mambrallek: Gezz kucksse!, Edition Paashaas Verlag 2013, Paperback, 156 Seiten, ISBN 978-3-942614-62-7, Preis: 11,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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