Der Neurobiologe Randolf Menzel beginnt sein Buch Die Intelligenz der Bienen, an dem Matthias Eckoldt mitgewirkt hat, mit Ausführungen darüber, was sein Interesse an der Biologie bereits als Schüler geweckt hat. Während seiner späteren Studien an Bienen, schreibt er weiter, muss er sich immer neuen, ausgefeilten Vorgehensweisen zu ihrer Erforschung bedienen, wenn er ihre Intelligenz messen will, wobei er diese mit dem Grad ihrer Lernfähigkeit gleichsetzt. Zum Verständnis für die Entwicklung der Gehirne überhaupt unternimmt er einen evolutionsgeschichtlichen Rückblick.

Um zu erfahren, ob Bienen Farben voneinander unterscheiden können und wie sie unsere Welt sehen, nämlich anders als wir Menschen, konditioniert er die Tiere. Für den Leser folgt eine kleine Exkursion in die Farbenlehre und Optik. Durch einen glücklichen Zufall kann er zusammen mit einem Kollegen nachweisen, dass die Bienen auf ihren Fühlern befindliche Rezeptoren zum Riechen nutzen. Ihr ausgeprägter Geruchssinn lässt sie ihre biologischen Geschwister erkennen und dient ihnen zur Orientierung beim Ausschwärmen. Sie sind nach Erkenntnissen des Autors sogar in der Lage, ihre Fluggeschwindigkeit zu messen, indem sie die auf ihren Antennen auftreffende Luft messen, die außerdem auch noch für die Kommunikation untereinander von Bedeutung sind.

Randolf Menzel weist in seinen jahrzehntelangen Versuchen nach, dass die Biene elektrostatische Felder unterscheiden kann. Er geht ausführlich auf die Entdeckung eines Belohnungsneurons ein, das auch der Schlüssel zum Verständnis des Lernvorganges beim Menschen ist, er widmet sich in seinem Buch der Gedächtnisbildung und weist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung von Schlaf hin. Weiter führt er aus, dass die Bienen zu ihrer Orientierung zusätzlich einen magnetischen Sinn nutzen, der ebenfalls bei uns Menschen angelegt sein soll und zumindest von den Aborigines genutzt wird. Randolf Menzel berichtet von spektakulären Versuchen zum Nachweis einer quasi angelegten Karte im Kopf der Tiere, die sie zum Nest zurück navigiert, geht ausführlich auf den Schwänzeltanz ein, bei dem die Tänzerin elektrostatische Felder aussendet und zeigt die spannende Rolle der Pheromone auf.

Das traurige Schicksal der Drohnen nach der Befruchtung einer Königin erinnert den Leser an einige Spinnenarten, die den sexuellen Akt auch nur einmal erleben dürfen. Aus dem Buch erfährt er, wie sich ein neuer Bienenschwarm gründet und dass selbst in der Landwirtschaft ausgebrachte Mittel mit dem Siegel „nicht bienengefährlich“ sehr wohl für die Bienen giftig sind, wobei der Autor auch nicht seine ablehnende Haltung zur Industrie verschweigt.

Randolf Menzel, der sein Leben den Bienen gewidmet hat, lässt immer wieder seine eigene Familiengeschichte, seinen Anschluss an die studentische Protestbewegung in den 60er Jahren sowie seinen beruflichen Werdegang mit in den Text einfließen, was vielleicht neben den teilweise zum Schmunzeln animierenden Überschriften bei einem wissenschaftlichen Text befremdlich wirkt. Doch auf diese Weise ist das Buch auch für Laien interessant, die wissenschaftlich gehaltene Abschnitte, für die Vorkenntnisse in der Neurologie von Vorteil sind, nur zum Teil verstehen. Denn es muss ganz klar gesagt werden, dass es sich bei dem Buch Die Intelligenz der Bienen um ein Sachbuch handelt, in dem sehr ausführlich auf die Forschungen und Methoden eingegangen wird, das nur für an dem Thema Interessierte verständlich ist. Selbstverständlich unterstützen zahlreiche Abbildungen den Text und auch Anmerkungen fehlen am Schluss nicht. Wenn auch vieles von dem Angesprochenen noch ungeklärt ist und weiterer Forschungen bedarf, so dürfte die Bedeutung der Bienen für unser Leben auf dieser Erde nicht infrage gestellt werden. Es bleibt zu hoffen, dass Politiker und Industrie im Sinne der Bienen verantwortungsvoll handeln.

Randolf Menzel und Matthias Eckoldt, Die Intelligenz der Bienen, Knaus Verlag 2016, Hardcover mit Schutzumschlag, 366 Seiten, ISBN 978-3-8135-0665-5, Preis: 24,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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