Eigentlich hat sich Kommissarin Julia Durant auf einen Urlaub in Südfrankreich gefreut, als ihr Vater einen Schlaganfall erleidet. Glücklicherweise kümmert sich ihr Freund um den alten Mann, da Julia dringend bei der Frankfurter Mordkommission gebraucht wird. Denn ihr Kollege Frank Hellmer wird zunächst mit der Leiche einer über zwei Jahre vermissten Elfjährigen konfrontiert und als nächstes wird der erst siebzehnjährige Mathias Wollner tot aufgefunden. Mit in seinen Bauch eingeritzten Zeichen hat er offensichtlich eine Botschaft hinterlassen wollen, die jedoch niemand zu deuten vermag. Plötzlich verschwindet die fünfzehnjährige Eva Stevens, die bei ihrer Freundin Greta Leibold übernachten wollte und zu allem Überfluss muss sich Frank Hellmer auch noch um seine dreizehnjährige Tochter Stephanie Sorgen machen.

Frank Hellmer und auch Kommissariatsleiter Berger sind froh, als Julia Durant endlich zurück ist. Im Fall des ermordeten Mathias Wollner vernehmen sie sämtliche Mitglieder der ehemaligen Clique, die allerdings zusammenhalten und schweigen. Die Suche nach Eva Stevens hat oberste Priorität und die Beamten fürchten das Schlimmste. Wiederholt befragen sie die Eltern von Eva und auch die von Greta Leibold, die einmal miteinander befreundet waren. Beide Familien hinterlassen bei den Ermittlern einen merkwürdigen Eindruck. Schließlich kann ihnen Michael Schreck von der Computerforensik einen wichtigen Hinweis geben und sie statten dem Coach Louis Fischer einen Besuch ab, der ihnen seine Theorie erklärt. Die Beamten sind noch ratlos und fragen sich, ob ein Zusammenhang zwischen den Fällen besteht, als die Prostituierte Johanna Anzeige gegen einen gewissen Darius erstattet. Mit der Psychologin Berger begibt sich Julia Durant zu Johanna, die ihnen erzählt, dass Darius häufig von einer Marlen gesprochen hat. Außerdem kann sie einen entscheidenden Zusammenhang herstellen, bevor sie selbst in größter Gefahr schwebt und die Ermittler sich auf Die Hyäne stürzen.

Der bereits 2011 verstorbene Andreas Franz hat die Figur der Julia Durant erschaffen, die Daniel Holbe in einem neuen Fall zu Höchstform auflaufen lässt. Bereits mit dem Prolog fesselt er den Leser an das Buch, der sich sehr gut in die Lage der Ermittler versetzen kann. Obwohl der Autor dem Leser einen Wissensvorsprung gegenüber den Beamten gewährt, hält ihm Daniel Holbe die endgültige Auflösung bis auf die letzten Seiten vor, auf denen er die Spannung bis ins Unermessliche steigert und außerdem für verblüffende Enthüllungen sorgt. Auch wenn auf den letzten Seiten den menschlichen Perversionen keine Grenzen gesetzt sind, können auch weniger robuste Konstitutionen den Krimi verkraften.

Durch das ganze Buch ziehen sich die Meldungen über den Gesundheitszustand des komatösen Vaters von Julia Durant, und der Leser wird vom Autor durch den ständigen Wechsel des Schauplatzes in Atem gehalten. Entweder haben die Beamten eine Dienstbesprechung, befragen ehemalige Cliquenmitglieder und verhaften Verdächtige oder die Kapitel berichten von Darius, der bereits im Prolog für Gänsehaut sorgt, beziehungsweise von einem Verlies eines Wahnsinnigen. Der Krimi Die Hyäne verzichtet nicht auf kritische Untertöne, weist auf Gefahren sozialer Netzwerke hin und blickt mit Themen wie Mobbing, Stalking und Missbrauch in menschliche Abgründe. Ein in jeder Hinsicht ausgezeichneter und in sich stimmiger Kriminalroman!

Andreas Franz und Daniel Holbe, Die Hyäne, Knaur Verlag 2014, Taschenbuch, 412 Seiten, ISBN 978-3-426-51375-0, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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