Alte Schuld von Lea Stein

Alte SchuldMit dem zweiten Fall ihrer Protagonistin Ida Rabe setzt Lea Stein mit dem Kriminalroman „Alte Schuld“ diese Reihe fort: Lea Stein empfängt mit ihrer Kollegin Heide Brasch im Jahr 1948 Karen Metzger und Vera Pape in ihrem unfreundlichen Kellerbüro auf der Davidwache in Hamburg. Vera behauptet, dass ein Mann, dem sie zuvor schon auf dem Fischmarkt begegnet ist, plötzlich in ihrer Wohnung stand. Obwohl sie Vera heißt, hätte der Unbekannte sie mit Merle angesprochen und gesagt, dass er sie heiraten wolle. Fürs erste notiert sich Ida alles, muss es jedoch zunächst dabei belassen.

Beim anschließenden Streifgang entdeckt Ida in den Trümmern eine bewusstlos geschlagene Frau, dessen Identität es noch zu klären gilt. Dummerweise muss sie sich zunächst um gestohlen gemeldete Kaninchen und Hühner kümmern, was ihr gar nicht gefällt. Dann endlich kann sich Ida um den Fall Vera kümmern, wobei ihr Interesse Oliver Lindemann gilt, dem früheren Verlobten von Vera. In der Hoffnung, dass Marlise etwas weiß, sucht Lea die „Bunkerkönigin“ und „Strippenzieherin von St. Pauli“ auf, ihre einstige Gefährtin, mit der sie selbst in kriminelle Machenschaften verwickelt war. Doch von ihr hat die heutige Polizistin keine Hilfe mehr zu erwarten.

Da sich Ida Rabe für einen dreimonatigen Lehrgang einer angehenden Oberbeamtin beworben hat, der in Kürze startet, läuft ihr die Zeit davon. Denn als Oliver Lindemann tot aufgefunden wird, bittet sie Miss Watson, in der sie „eine verlässliche, faire und respektvolle Vorgesetzte“ sieht, um ein Gespräch mit der zwischenzeitlich inhaftierten Vera, die verdächtigt wird, ihren ehemaligen Verlobten ermordet zu haben. Zu Idas Überraschung wird sie von Miss Watson, die ganz andere Probleme hat, ins Vertrauen gezogen: Die neue Währung, die an einem geheimen Ort verwahrt und deren Auslieferung von einem amerikanischen und französischen Transport begleitet wird, könnte in Gefahr sein, wenn die „top secret“ gehaltenen Details durch einen Maulwurf in den eigenen Reihen nach außen gelangen.

Lea Stein widmet sich in ihrer neuen Reihe um Ida Rabe einem weitgehend unbekannten Kapitel, dem der weiblichen Schutzpolizistinnen, denen seit Beginn des 20. Jahrhunderts allerdings nur fürsorgliche Aufgaben vorbehalten waren. Erst ab 1978 wurden Frauen in den Schutzpolizeidienst übernommen und an Pistolen ausgebildet. So konnte sich Polizeimeister Hildesund, der für Ida „ein arroganter, menschenverachtender Mistkerl“ ist, auch einige Frechheiten ihr gegenüber herausnehmen. Der ihr wohlgesonnene Kollege Johann Meyerlich bildete im Gegensatz dazu eine Ausnahme.

Die aktuelle Handlung erfährt im Plot eine Unterbrechung durch Kapitel, die zum einen das Geschehen um Marlise belichten und zum anderen wird von Käthe erzählt, die sich ausnahmslos im Dunkeln über einem kalten Boden kriechend befindet, wobei zumeist ein Mister Haha, wie sie in nennt, zugegen ist, der sie häufig schlägt und zudem Roswitha nennt, was sich das Mädchen nicht erklären kann. Die alleinlebende Ida Rabe ist dankbar über die freundliche Hilfe ihres Nachbarn Heinrich Schmidt und würde dem liebenswürdigen Gerichtsmediziner Ares Konstantinos gerne ihre Zuneigung zeigen, was sie jedoch zu viel Überwindung kostet.

Wie im ersten Ida Rabe Fall hat die Autorin eine exzellente Recherche betrieben: Tatsächlich ist mit dem Pflanzenschutzmittel E 605 von Bayer im Jahr 1952 ein erster Mord begangen worden, dem weitere folgen sollten. D-IX wurde 1944 für den Einsatz an deutschen Soldaten wegen seiner schmerzstillenden und aufputschenden Wirkung entwickelt, und mit dem Blausäure als Wirkstoff enthaltenen Zyklon B wurden nicht nur in Ausschwitz Juden ermordet. Zudem erinnert Lea Stein in ihrem spannenden und kaum aus der Hand zu legenden Kriminalroman „Alte Schuld“ an die Kesselschlacht in Halbe im April 1945, der Zehntausende russische und deutsche Soldaten zum Opfer fielen sowie an Friedrich den Großen, der im Jahr 1742 den Anbau von Maulbeerbäumen zur Seidengewinnung anordnete.

Alte Schuld von Lea Stein

Alte Schuld
Heyne Verlag 2024
Klappenbroschur
448 Seiten
ISBN 978-3-453-42607-8

Bildquelle: Heyne Verlag


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