Die innere Reise durch Angst, Heilung und Selbstfürsorge

Cover von Ein Krebs kommt selten allein von Simone Stern

Fehler im Erbgut und der lange Weg zur Erkrankung

Beim Ablesen des Erbguts geschehen bei der Zellteilung immerzu Fehler, was zu Veränderungen des Erbguts führt, die jedoch ein intaktes Immunsystem ohne unsere Wahrnehmung sofort korrigiert. Ist das nicht der Fall, kann sich eine Krebserkrankung manifestieren, der allerdings – so erklärt es die seit zwölf Jahren als Neuropsychologin tätige Simone Stern anhand von Faktoren in ihrem Sachbuch Ein Krebs kommt selten allein* – ein langer Prozess vorangegangen ist. Die Folgen sind Veränderungen in den Beziehungen, die wiederum Auswirkungen auf die gefühlte Einsamkeit haben. Wird die psychische Belastung zu groß, rät sie zum Besuch eines Psychoonkologen oder einer Selbsthilfegruppe.

Kommunikation, Unterstützung und emotionale Stabilität

Wie für die Kommunikation mit Freunden sollte auch bei einem Arztgespräch eine dritte Person hinzugezogen und Fragen unbedingt zugelassen werden. Die Autorin hebt die Bedeutung des Zurückgebens anschaulich hervor und betont, dass jeder Mensch mit einer Diagnose anders umgeht. Um Phasen wie eine Krankheit zu verarbeiten, kann es zu Aggressionen und/oder Depressionen kommen. Hier bietet sie Sofortmaßnahmen an und hat Lösungsvorschläge zur Findung der eigenen Stabilität, die für den einen oder anderen hilfreich sein können.

Ungeduld, Wahrnehmung und Achtsamkeit

Simone Stern führt aus, dass chronische Ungeduld Kraft raubt, die der Körper dringend für die Genesung bräuchte, und gibt Tipps, wie man Ungeduld begegnen kann. Sie geht ein auf das Reframing, das bewusste Neu-Einordnen von Erlebnissen, und bezieht sich bei einer „getrübten Sicht“ oder verzerrter Wahrnehmung auf die auch an anderen Stellen angelehnte buddhistische Lehre. Um dem Teufelskreis der Angst zu entgehen, empfiehlt sie Achtsamkeitsübungen. Einer Angst sollte möglichst so wie einem Gast begegnet werden, der sich für einen Moment setzen darf, dann aber auch wieder geht. Mit anderen Worten sollte auch der Krebserkrankung nur ein Raum gegeben werden und nicht das ganze Haus.

Wohlfühlmomente, Glauben und Gewöhnung

Stets sollte man sich mit Dingen belohnen, die ein Wohlfühlgefühl auslösen, denn laut Studien haben allein schon der Glaube an die Gesundung oder die Religion eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Auf eine Tiefphase folgt der Prozess der Habituation genannten Gewöhnung und zeigt Auswege aus einem Tiefpunkt. In diesem Zusammenhang nennt die Autorin auch zu beachtende Hinweise, die nach professioneller Hilfe verlangen. Sie listet das Angstspektrum „von leichter Unruhe, Nervosität und Sorgengedanken bis hin zu ausgewachsenen Panikattacken“ auf und hält ein nötiges Vertrauen sowie Zuwendung für unverzichtbar. Auch hierzu schlägt sie wieder Übungen vor.

Schuld, Stress und die Rolle des Körpers

Die Autorin führt aus, wie mit Schuldgefühlen umgegangen werden kann, schreibt von den Symptomen und der Bewältigung von Wut und Stress, geht auf die Bedeutung des Vagusnerven ein, mit dem sich die Psychoneuroimmunologie beschäftigt, und nennt Möglichkeiten zum Entspannen. Am Beispiel des Placebo- und Noceboeffekts macht sie deutlich, dass jeder am eigenen Genesungsprozess mitgestalten kann, wobei unter anderem die Ernährung und Bewegung eine Rolle spielen, sodass selbst Nebenwirkungen der Behandlung abgemildert werden. In den Text lässt sie offene Worte über die Sexualität einfließen, betont den Wert des individuell benötigten Schlafes und geht auf Fatigue, eine übergroße Erschöpfung, ein. Auch hier listet sie Symptome und bietet Hilfen an und weist neben anderen heilsamen Lebenswelten auf die erstaunliche Wirkung von Musik als Medizin hin.

Selbstwert, Gedanken und philosophische Perspektiven

Wegen körperlicher Veränderungen, die das Selbstwertgefühl herabsetzen können, sollte man zu seinen Schwächen stehen und sich bewusst werden, dass die Krankheit nur ein Teil ist, der mit dem Rest des Körpers ein Team bildet. Spätestens hier wird der Text philosophisch, denn nach einer Studie haben positive Gedanken Einfluss auf messbare Körperfunktionen, was eindeutig die Macht unserer Gedanken belegt. Schließlich widmet sich die Autorin noch den Imaginationsverfahren, Copingstrategien und der Trauerbewältigung, die jeder anders angeht und vornehmlich in anderen Kulturen ganz anders zelebriert wird.

Begleitung für Betroffene und Angehörige

Simone Stern versteht ihr Sachbuch Ein Krebs kommt selten allein* als Begleitung für Betroffene und Personen aus deren Umfeld, die nicht selten von Depression und Burnout heimgesucht werden. Wahrheitsschwangere Geschichten von Mönchen oder auch die bemerkenswerte eines unbekannten Verfassers bezüglich der Prioritätensetzung hat sie an gezielter Stelle in ihre Texte eingebaut. Ob ein an Krebs erkrankter Mensch in dieser Phase tatsächlich noch den Willen zum Lesen dieses Buches aufbringt oder sein Angehöriger, der oftmals Doppelbelastungen gegenübersteht, mag zumindest bezweifelt werden. An Hilfestellungen mangelt es jedenfalls von Seiten der Autorin nicht, und wer zumindest einen ersten Einstieg in die Lektüre gewagt hat, wird sicher von den weiteren Ausführungen profitieren.

Ein Krebs kommt selten allein von Simone Stern

Cover von Ein Krebs kommt selten allein von Simone Stern
Tredition Verlag 2026
Broschur
328 Seiten
ISBN 978-3-384-86013-2

Bildquelle: Amazon

Teile diesen Beitrag