In dem Roman Allein kann ja jeder wurde die einundsiebzigjährige Rosa Liedke sowie der gleichaltrige Konrad Schmitt und Lehrer Hans Seefeld vom ehemaligen Geschäftsführer der MultiLiving GmbH hereingelegt, der das Projekt Kaiserstern in Kaiserswerth errichten lassen wollte. Nachdem er alle drei um ihr Vermögen gebracht hat, haben die obdachlos Gewordenen kurzerhand die Villa Zucker besetzt, auf dessen Grund die Eigentumswohnungen errichtet werden sollten. Rosas Tochter Ellen stand ebenfalls auf der Straße und schloss sich mit ihrer Tochter Kim den Hausbesetzern an. Zufällig ist sie im Keller auf den Schwarzen, sich versteckt haltenden Mardi gestoßen und beschloss, sich um ihn zu kümmern.

Bereits seit zehn Tage versorgt sie ihn und Kim muss aufpassen, dass sie sich nicht verrät, denn lediglich Seefeld hat bisher von Madis Existenz Kenntnis. Ausgerechnet ihn, ihren Physiklehrer, den sie wegen seiner militärischen Vergangenheit für einen „Oberpsycho“ hält, muss sie zunehmend ins Vertrauen ziehen, da Mardi, der in Wirklichkeit Dembélé Jacques Madou heißt und aus Mali stammt, von der Polizei gesucht wird. Kim findet Gefallen an Mardi, aber auch an ihrem neuen Mitschüler Samu. Zu allem Überfluss muss sie sich noch um ihre beste Freundin Jenny sorgen, die wegen Drogenmissbrauchs im Krankenhaus liegt und die mit Tarik befreundet ist, der wiederum den von Kim versteckt gehaltenen Mardi zu kennen scheint. Zu seiner Rettung schlägt ihr Seefeld einen Deal vor und wendet sich an Kommissar Patrick Mittmann, den Freund ihrer Mutter Ellen.

Aber nicht nur Kim und Seefeld ist klar: Zusammen ist (k)ein Zuckerschlecken. Konrad will sich mit Rosa 1,2 Millionen Euro des veruntreuten Geldes teilen, das er über dunkle Kanäle aus Dubai zurückholen konnte. Doch um davon die Villa kaufen zu können, muss das Geld erst legalisiert werden. Die beiden beschließen die Gründung einer Scheinfirma, wovon die anderen Hausbewohner natürlich nichts erfahren dürfen. Rosa ist fest entschlossen, anonymen Kunden eine gewisse Dienstleistung anzubieten und meldet ein Gewerbe an. Außerdem erhält sie eine Einladung von dem gut aussehenden Roland Stettin zu einer Benefiz-Gala und obwohl er ihr Herz höher schlagen lässt, weiß sie nicht, ob sie ihm trauen kann. Und als ob alle nicht genug Sorgen hätten, flattert ihnen auch noch eine Räumungsaufforderung ins Haus und sie müssen sowohl ohne Strom, als auch ohne Wasser auskommen.

Auch der Roman Zusammen ist (k)ein Zuckerschlecken von Jutta Profijt zeugt vom unerschöpflichen Ideenreichtum der Autorin, bei dem allerhand Verwicklungen dem Leser wiederholt ein amüsiertes Schmunzeln entlocken. Besonders bei der Vorstellung, wie sich die vor Selbstbewusstsein strotzende und allzeit einen Joint rauchende Rosa mit über siebzig Jahren beim Ordnungsamt als Prostituierte eintragen lässt und später auf Wunsch eines Vaters seinen Sohn in Liebesdingen unterrichten soll, verschlägt es einem die Sprache. Jedes Mitglied der unfreiwillig zusammengekommenen Wohngemeinschaft muss vor den anderen etwas geheim halten, was einen dauernden Szenenwechsel mit sich bringt, der den Roman lebendig hält und die Neugier des Lesers immer wieder aufs Neue entfacht. Wenn bei den glücklichen Fügungen auch etwas viele Zufälle mitspielen, so fühlt sich der Leser doch bestens unterhalten und wird mit einem unvorhersehbaren Handlungsverlauf regelmäßig überrascht.

Jutta Profijt, Zusammen ist (k)ein Zuckerschlecken, Deutscher Taschenbuch Verlag 2016, Broschur, 368 Seiten, ISBN 978-3-423-26106-7, Preis: 14,90 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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