Die Reihe „Wer mordet schon…“ vereint Kriminalgeschichten einer Region mit dazugehörigen Freizeittipps, die sich in Form von Anmerkungen dem jeweiligen Kurzkrimi anschließen. Bei Birgit Ebbert werden in ihrem Buch Wer mordet schon im Ruhrgebiet? die Konzertbesucher aufgefordert nach Hause zu gehen, nachdem das letzte Stündlein eines Maestros geschlagen hat. Ein roter Schuh führt zu einer Leiche, ein Teilnehmer eines Klassentreffens kann den Heimweg nicht mehr antreten, und einem Menschen wird ein Kunstraub zum Verhängnis. Ausgerechnet in einem Bayern-Trikot findet ein BVB-Betreuer ein Ende, und anhand einer Visitenkarte kann ein Mörder überführt werden. In einem Schmetterlingshaus wird ein Parkwächter erschlagen aufgefunden. Ein Hund richtet einen Schäfer übel im Gesicht zu, und ein Mitglied eines Hexenzirkels treibt in einer Gräfte. Auf einem Schiff wird ein Tourbegleiter ermordet, wobei seine Tätowierung den Täter verrät, und ein Bloggertreffen fordert gleich drei Menschenleben.

Bei den Krimis von Birgit Ebbert steht die Auflösung der Morde im Vordergrund, denn ihre Ausführung wird nicht thematisiert. Vielmehr ist es so, dass private Ermittler ganz zufällig bei einem Spaziergang auf etwas Verdächtiges stoßen, was letztlich zu einer weiteren Leiche führt. Dabei bedient sich die Autorin im Wechsel dreier Hobbydetektive: Zum einen Hannes Haarmann, ein ehemaliger Bergmann, der mit einem Polizeihund gerne durch die Lande streift; Sven Kempelmann ist Musiker bei der Band „Wildscheine“, übernachtet gerne in seinem alten VW-Bus „Spritty“ und hält alles Wichtige auf seinem Laptop „Lappi8“ fest; die Dritte im Bunde ist Buchhändlerin Anja Henke (die aus unerfindlichen Gründen im Klappentext Anja Kleine heißt) mit ihrem Mann Oliver und den Kindern Tobias und Ida.

Auch wenn die Kriminalgeschichten immer vor einer anderen Kulisse spielen und natürlich auch andere Motive ausschlaggebend für die Morde sind, so haben sie doch das Auffinden eines Toten und die folgende Aufdeckung des Mörders gemeinsam, was nach einigen Geschichten eintönig wirkt und kaum Spannung erzeugt. Warum sich Anja in einem Krimi offensichtlich beruhigt auf die Couch setzt, nachdem sie sich davon überzeugt hat, dass ihr Sohn „Tobias mit seinem Freund Hamid weniger friedliche Computerspiele spielte“, bleibt wohl ein Geheimnis der Autorin. Ob die handelnden Personen in den Geschichten übermäßig häufig grinsen, mag jeder Leser für sich entscheiden. Zumindest fällt es nicht ins Gewicht, wenn man die Krimis mit einigem Abstand liest.

In den Freizeittipps verrät Birgit Ebbert Wissenswertes über die vorgestellten Städte, erwähnt alte Zechengelände, führt lohnenswerte Ausflugsziele auf, nennt Wasserschlösser und empfiehlt Fahrten mit einem Schiff. Ob allerdings der „Marler Stern“ in Anbetracht der unzähligen Leerstände allein wegen seines Luftkissendaches einen Einkaufsbummel zu einem besonderen Erlebnis macht, sei dahingestellt. Insgesamt sind die Erklärungen zu den Freizeittipps in dem Buch Wer mordet schon im Ruhrgebiet? eher dürftig und hätten ausführlichere Recherchen erfordert, zumindest entsteht der Eindruck im Vergleich mit dem Buch Wer mordet schon im Hochsauerland?. Das ist besonders vor dem Hintergrund bedauerlich, da das Buch den Anspruch eines Freizeitführers erhebt und der Leser auch entsprechende Erwartungen hat.

Birgit Ebbert, Wer mordet schon im Ruhrgebiet?, Gmeiner Verlag 2015, Paperback, 278 Seiten, ISBN 978-3-8392-1776-4, Preis: 10,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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