Der Psychotherapeut Jakob Jakobi will sich mit seiner Exfrau Ellen auf einem Weihnachtsmarkt treffen. Auf dem Weg dorthin wird er in einer Seitengasse von zwei Ganoven, die sich als Nikolaus und Knecht Ruprecht verkleidet haben, ausgeraubt. Sie nehmen ihm seine Brieftasche, das Handy und eine teure Uhr ab, die ein Geschenk von Ellen war. Kurz nach dem Überfall trifft er auf den Obdachlosen Franz, der die Tat beobachtet hat, aber niemanden verpfeifen will. Aus Mitleid schenkt ihm Jakob seine Mütze, einen Schal und seine Handschuhe und kommt zu spät zu seiner Verabredung mit Ellen. Sie überzeugt Jakob, den Diebstahl sofort bei der Polizei zu melden, da die wertvolle Uhr registriert ist. Währenddessen erblickt Jakob seinen ehemaligen Patienten Abel Baumann, der sich höchstpersönlich für Gott gehalten hat, in einer vorbeifahrenden Straßenbahn. Doch wie ist das möglich? Denn Abel Baumann ist seit mehr als vier Jahren tot.

Als Jakob am nächsten Morgen die Wohnungstür öffnet, um in seine Praxis zu gehen, steht Abel Baumann vor ihm und lädt ihn zu einem Frühstück ein. Zu Jakobs Verwunderung ist Abel von den Toten auferstanden, um ihn zu seinem neuen Propheten zu machen, der den Hunger in der Welt und alle Kriege beenden sowie den Menschen einen Weg in eine glückliche Zukunft weisen soll. Jakob sieht sich mit der Aufgabe als neuer Messias überfordert, und möchte viel lieber in den bereits gebuchten Wellnessurlaub fliegen. Deshalb stellt ihm Abel zur Unterstützung drei Apostel zur Seite. Dabei handelt es sich ausgerechnet um Kalle und Frieder, den verkleideten Ganoven, die ihn überfallen haben und den Obdachlosen Franz.

Die Frage nach der Existenz Gottes kann wohl kaum zur allgemeinen Zufriedenheit beantwortet werden. Doch Hans Rath ist dies in seinem Buch Und Gott sprach: Du musst mir helfen! mit nur einem einzigen Satz gelungen, als nämlich Abel Baumann, also quasi Gott höchstpersönlich, zu Jakob sagt: „Ich existiere nur, weil du an mich glaubst.“ Und da Abel als frisch von den Toten Auferstandener eigentlich überhaupt kein Geld besitzt, hat er den Opferstock der Friedhofskapelle ausgeräumt, da ihm als Gott die Spenden an seine Kirche sowieso gehören. Auch die weitere Handlung ist gespickt mit kuriosen Szenen, in denen beispielsweise Jakob bei einer Hühnerbefreiungsaktion mit einigen Tierschützern ausgerechnet eine Daunenweste trägt, oder mit einem nikotinsüchtigen Affen, der aus einem Versuchslabor befreit wurde und in Jakobs Küche am Oberlicht sitzt, um eine Zigarette zu rauchen. Am Ende kommen die Protagonisten dem Geist der Weihnacht auch ohne Gesang, Gebete und Geschenke sehr nahe, indem sie einen veganen Eintopf mit Hühnerfleisch verfeinern. Was zunächst wie ein witziger Plot voller Humor erscheint, erweist sich im Verlauf der Handlung als eine Mischung aus tiefgründiger Ironie und scharfer Gesellschaftskritik. In dem geistreich erzählten Roman Und Gott sprach: Du musst mir helfen! bietet Hans Rath auch gleich eine Lösung für die meisten Probleme in unserer Gesellschaft an, die da lautet: Du sollst nicht gleichgültig sein!

Hans Rath, Und Gott sprach: Du musst mir helfen!, Wunderlich Verlag 2015, Klappenbroschur, 288 Seiten, ISBN 978-3-8052-5092-4, Preis: 14,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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