Tod in der Kaisergruft von Beate Maxian

Tod in der KaisergruftKaiserin Anna von Österreich-Tirol hat im Jahr 1617 den Bau der Kapuzinergruft in Wien, Grabstätte von 138 Habsburgern, testamentarisch angeordnet. An diesen Ort eilt die Journalistin Sarah Pauli vom „Wiener Boten“ in dem Kriminalroman von Beate Maxian, nachdem sie in ihrem Büro die Nachricht der Landespolizeidirektion gelesen hat. Es heißt, dass sich eine Kassiererin in der Gewalt eines oder mehrerer Geiselnehmer befindet, Anwohner und Hotelgäste evakuiert wurden und die Innenstadt weiträumig gemieden werden sollte. Mit ihrem Kollegen Simon beobachtet Sarah, wie das Sondereinsatzkommando Cobra die Gruft stürmt und schnell sickert durch, dass drei Menschen den Tod in der Kaisergruft gefunden haben. Sarah kann die frei gelassene Kassiererin Maja Petrovic für ein Gespräch gewinnen, die mitansehen musste, wie der Täter zwei Menschen und im Anschluss sich selbst erschossen hat. Da Sarah ihr eine Praktikumsstelle in Aussicht gestellt hat, darf sie die Informationen für eine exklusive Story verwenden, was ihr Bewunderung bei den Kollegen einbringt.

Wie die Chefinspekteure Martin Stein und Manuela Rossmann in einer Pressekonferenz bekanntgeben, handelt es sich bei dem Täter um einen vorbestraften Dreiundzwanzigjährigen. Seiner Mutter Maria Baldauf überbringen sie die Nachricht vom Tod ihres Sohnes Patrick, der vor der Tat in der Notrufzentrale mit Nennung seines Namens das Verbrechen angekündigt hat. So wenig die Beamten sich das erklären können, so verstörend nimmt Maria Baldauf die Nachricht auf. Ihr Freund Otto Sagen hält dagegen, dass ihr Junge einen schlechten Umgang gepflegt hätte. Unter Einbeziehung des stillschweigenden Abkommens, wonach Inspektor Stein und Sarah Informationen austauschen, weiß Sarah, wer die beiden Toten sind. Neben Volker Graumann, der von den kaiserlichen Särgen Bleistiftzeichnungen anfertigt, handelt es sich um Christa Schönegg, die Mitinhaberin eines angesehenen Modehauses. Um das Motiv der Tat zu erfahren und einen möglichen Mittäter zu entlarven, sucht Sarah deren Schwester Isabella Schönegg-Bach auf. Außerdem spricht sie mit Hanna, der Schwester des Täters, zu der sie ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann.

Beate Maxian erzählt in ihrem Wiener Kriminalroman Tod in der Kaisergruft im Wechsel von dem Geschehen um die Handlungspersonen Sarah, Maria Baldauf und Isabella Schönegg-Bach. Was die Protagonistin Sarah anbelangt, die mit dem Herausgeber des „Wiener Boten“ David befreundet ist und die von ihrer Kollegin Conny hilfreiche Unterstützung erfährt, geht es um ihre detektivische Ermittlungsarbeit. Maria Baldauf kann nicht begreifen, dass ihr Sohn einen Menschen erschossen haben soll und klammert sich in ihrer Verzweiflung an ihren neuen Freund Otto und ihre Tochter Hanna. In einem weiteren Handlungsstrang thematisiert die Autorin den Konflikt der im Textilhandel ansässigen Familiendynastie. So muss Isabella Schönegg-Bach nicht nur den gewaltsamen Tod ihrer Schwester Christa verkraften, mit der sie erst kürzlich eine Auseinandersetzung wegen einer neuen Modelinie hatte, sondern auch noch mit ihrem Neffen, da dieser das Erbe seiner Mutter antritt.

Neben einigen Informationen zu den kaiserlichen Grabstätten hat Beate Maxian Ergänzungen über die dort begrabenen aristokratischen Personen hinzugefügt. In den Plot hat sie den Brand der Wiener Hofburg vom 26. auf den 27. November 1992 eingebaut, dessen Ursache nie geklärt werden konnte und bei dem zum Glück 69 Lipizzaner und über zehntausend wertvolle Bücher gerettet werden konnten. Außerdem hat es den im Roman erwähnten Arzt und Apotheker Henry Howard Holmes tatsächlich gegeben, der Ende des 19. Jahrhunderts in einem von ihm errichteten Hotelgebäude möglicherweise über zweihundert Frauen ermordet hat. Der in Wien angesiedelte und in einem mitreißenden Schreibstil verfasste Kriminalroman beweist einmal mehr, dass nichts so ist, wie es scheint, denn die Autorin versteht es, Ermittler wie Leser zu verblüffen.

Beate Maxian, Tod in der Kaisergruft , Goldmann Verlag 2018, Klappenbroschur, 350 Seiten, ISBN 978-3-442-48472-0, Preis: 10,00 Euro.

Bildquelle: Goldmann Verlag

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