Im Piper Verlag ist Ende Februar 2013 das Buch Stolz und Demut erschienen. Um es vorwegzunehmen: Die Schriftstellerin Sophie Weiss existiert nicht, sondern ist vielmehr das Pseudonym einer bekannten deutschen Romanautorin. Doch die Wahl des Pseudonyms hat einen guten Grund: Die Geschichte, die in Stolz und Demut erzählt wird, ist nicht nur äußerst pikant und teilweise sogar schockierend, sondern sie ist vielmehr auch autobiografisch.

Zum Inhalt: Sophie, so heißt die Heldin des Buches konsequenter auch gleich selbst, hat ihr Faible für die geheimnisvolle und bizarre Welt des Sadomasochismus entdeckt und taucht in Berlin in eine Welt ein, in der es um Macht, Beherrschung und natürlich ganz große sexuelle Gefühle geht. Auf einer sogenannten Sklavenversteigerung lernt sie Richard kennen, einen mächtigen Wirtschaftsboss, der auch im Bett seine Macht immer wieder ausleben will. Sophie ist noch jung und unerfahren, er dagegen Ende 40 und ein Kenner der SM-Praktiken. Er nimmt Sophie unter seine Fittiche und führt sie in seiner Privatunterkunft in Berlin und an anderen Schauplätzen in die bizarre Sexwelt des Sadomasochismus ein. Zunächst genießen beide ihre aufregend-geheimen Treffen und den unkonventionellen Sex, doch alles ändert sich schlagartig, als Sophie sich in Richard verliebt. Richard hingegen ist verheiratet, und denkt nicht daran, seine Ehe für Sophie aufzugeben. Für ihn ist sie eine willkommene Abwechslung in seinem Alltag, ein gelegentliches Abenteuer. Trotzdem stimmt Sophie einem letzten Treffen zu. Jedoch merkt sie schnell, dass sie dieses dunkle und zum Teil auch sehr schmerzhafte Spiel nicht mehr will. Richard lässt allerdings nicht von ihr ab und Sophie fühlt sich zum ersten Mal gedemütigt, tief verletzt und missbraucht. Als Konsequenz, auch aufgrund der nicht erwiderten Liebe, zeigt Sophie Richard wegen Vergewaltigung an. Das Ganze entpuppt sich für die junge jedoch Frau als absoluter Albtraum. Wer glaubt schon einer Frau, die sich monatelang hat freiwillig fesseln und schlagen lassen?

Stolz und Demut liefert einen spannenden und zugleich auch erschreckenden Einblick in die düstere und zum Teil überaus perverse SM-Welt, die der Öffentlichkeit zumeist verborgen bleibt. Was am Anfang noch als reine eine Beschreibung einer grotesken Szenerie beginnt, verwandelt sich aber zunehmend in ein schockierendes Drama, in dem die sexuelle Abhängigkeit unweigerlich in einer großen Katastrophe endet. Stolz und Demut ist nicht nur äußerst spannend geschrieben, sondern steht auch für Authentizität.

Sophie Weiss, Stolz und Demut, Piper Verlag 2013, gebunden mit Schutzumschlag, 160 Seiten, ISBN 978-3-492-05587-1, Preis: 15,99 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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