Señor Gonzalez und der Garten des Lebens von Claus Mikosch

Señor Gonzalez und der Garten des LebensNach achtjähriger Tätigkeit als Kundenberater einer Bankfiliale erhält Niklas die Kündigung. Er entscheidet sich für die angebotene Abfindung und gönnt sich eine Auszeit in Andalusien. Eine Woche später trifft er in Estepona ein und zieht dort in die Wohngemeinschaft von Pedro und dem aus dem Senegal stammenden Khadim ein. Als Niklas von Pedro gefragt wird, warum er nach Andalusien gekommen ist, antwortet er, dass er auf der Suche nach Inspiration ist. Pedro rät ihm deshalb zu einem Besuch bei Señor Gonzalez. Niklas besucht den achtundsiebzig Jahre alten Bauern auf seiner Finca und erfährt, dass dieser nur bis zum achten Lebensjahr eine Schule besucht hat und bereits mit fünf Jahren beim Gemüseanbau mithelfen musste.

Anfangs hilft Niklas dem alten Mann nur beim Tomaten pflanzen und Unkraut jäten, um mit ihm ins Gespräch zu kommen. Doch mit der Zeit merkt er, dass ihn die ungewohnte Arbeit trotz Schmerzen und Müdigkeit glücklich macht. Gonzalez würde sein Land, auf dem er geboren ist und das er kaum verlassen hat, niemals mit einer Wohnung im Ort tauschen, wo er nur auf einem Sofa dahinvegetieren würde. Er ist stolz darauf, ausschließlich mit Kompost zu düngen und keinerlei Pestizide oder Herbizide einzusetzen. Doch sein zufriedenes Leben im Einklang mit der Natur wollen ihm Investoren streitig machen. Weil er sein Land nicht verkaufen will, werden ihm seine Privatverkäufe unter Strafandrohung untersagt. Gonzalez verkauft ohnehin nur so viel, dass er selbst davon leben kann, denn vielen sind seine Preise zu hoch und sie kaufen lieber im Supermarkt ein, wo das Gemüse günstiger ist. Das ändert sich jedoch, als die Lastwagenfahrer in einen Streik treten und die Regale im Supermarkt in kürzester Zeit leergeräumt sind.

Handlungsort des Romans Señor Gonzalez und der Garten des Lebens von Claus Mikosch ist die über sechzigtausend Einwohner zählende Stadt Estepona an der Costa del Sol. Der Autor, der beruflich zwischen Deutschland und Spanien pendelt, erzählt von der Lebensweise der Andalusier, dem für diese Region typischen Wind Levante, von dem Leben unter dem einstigen Diktator Francisco Franco und den Veränderungen durch den einsetzenden Tourismus, der neben dem Geld auch Neid brachte und zudem noch für den sinkenden Grundwasserspiegel durch reichlich Wasser verschlingende Golfplätze verantwortlich ist. Außerdem setzt der durch den Klimawandel immer häufiger ausbleibende Regen den Bauern zu. Claus Mikosch findet es skandalös, dass Obst aus Übersee im Supermarkt günstiger angeboten wird als das, was ein Bauer auf den eigenen Feldern erntet und macht deutlich, dass die Menschen ihr Geld lieber für Luxusartikel und Reisen ausgeben, als für ökologisch erzeugte und deshalb teurere Lebensmittel.

Die Geschichte um die ein paar Wochen dauernde Auszeit seines Protagonisten Niklas war für den Autor nur Mittel zum Zweck, denn mit missionarischem Eifer klärt er die Leser darüber auf, wie abhängig wir alle von einem System geworden sind, dessen Konsequenzen bei einem „Störfall“ wir uns gar nicht bewusst machen. Themen, wie die gefährliche Reise mit einem Flüchtlingsboot, Ursachen von Hungerkatastrophen in Afrika und die Massentierhaltung streift Claus Mikosch am Rande und spekuliert über Terroranschläge, die seiner Meinung nach im Kampf um das Öl die Ursache haben. Der sehr informative und nachdenklich stimmende Roman Señor Gonzalez und der Garten des Lebens ist in flüssigem Schreibstil gehalten und endet mit einer herzergreifenden Szene, bei der sich mancher Leser wünschen würde, in der Haut des liebenswerten Bauern Gonzalez zu stecken.

Claus Mikosch, Señor Gonzalez und der Garten des Lebens , Gütersloher Verlagshaus 2018, Hardcover mit Schutzumschlag, 192 Seiten, ISBN 978-3-579-08700-9, Preis: 14,00 Euro.

Bildquelle: Gütersloher Verlagshaus

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