Als Frida ihrem Bruder Ole auf dem Totenbett verspricht, für seine Frau Luise zu sorgen, ahnt sie noch nicht, worauf sie sich einlässt. Nur unwillig gibt Frida dem Drängen ihrer Schwägerin nach, auf ihr Landgut zu ziehen, obwohl ihr die Lehrerkollegen davon abraten und sie ihre Möbel gar nicht alle unterbringen kann. Auch für einen Webstuhl ist kein Platz, so dass auch er zwischengelagert werden muss. Beim Transport kann ihr glücklicherweise Fritz, der Bruder von Luise, helfen. Ein gemütlich ausklingender Abend weckt bei ihm Hoffnungen, so dass er wenig erfreut ist, als er Frida in Begleitung von Tom, einem Untermieter auf dem Landgut, sieht.

Die Unzufriedenheit Fridas wächst mit dem plötzlichen Auftauchen von Bettina, der Schwester von Luise und Fritz, die vor den Renovierungsarbeiten in ihrer Wohnung flieht und auch noch einen Yorkshire-Terrier mitbringt. Ihr Interesse gilt nur dem Hund und der vom englischen Königshaus zelebrierten Mode. Von den Umzugsvorbereitungen, Korrekturarbeiten und Schulkonferenzen fühlt sich Frida zunehmend überfordert und durch Luise fremdbestimmt. So lange Bettina nicht abreist, kann sie die Zimmer nicht renovieren und sie fühlt sich mit falschen Versprechungen angelockt und regelrecht überrumpelt. Luise verfügt wie selbstverständlich über Fridas knapp bemessene Zeit, die ihrer Schwägerin aber einfach keinen Wunsch abschlagen kann. Obwohl Friedas Gefühle schon hinreichend durch Fritz und Tom aufgewühlt werden, muss sie sich auch noch Sorgen um ihre Gesundheit machen.

Mit einer gehörigen Portion trockenem Humor lässt Ursula Schröder ihre Protagonistin Frida in dem Roman Schwamm drüber erzählen. So ungläubig Frida jeden Tag immer Neues zur Kenntnis nehmen muss, so verblüfft ist auch der Leser über Bettinas Äußerungen und besonders die von Luise, wenn diese tatsächlich glaubt, ihr toter Mann sende ihr Zeichen. Auch die vorschnellen Schlüsse, die Luise bezüglich einer Freundschaft zwischen Fritz und Frida zieht, sind an Originalität kaum zu überbieten und führen zu kuriosen Missverständnissen. Während Frida ganz schön übel mitgespielt wird, kann der Leser dabei Schadenfreude empfinden und sich köstlich über manch freche Dreistigkeit amüsieren.

Zahlreiche, sehr passende Anmerkungen zu Filmen, Dichtern, Unternehmen oder ein Märchen könnten treffender nicht sein und auch der Hinweis auf eine Besenkammer im Zusammenhang mit Boris Becker konnte sich Ursula Schröder nicht verkneifen. Jeder Satz und jede Bemerkung „sitzt“ in dem ausgefeilten Plot, dessen Handlungsort das Sauerland ist, die Heimat der Autorin. Wenn der Roman Schwamm drüber auch durchweg humorvoll geschrieben ist, so setzt er sich dennoch mit einem ernsten gesundheitlichen Problem auseinander und zeigt auf, dass man im Leben Prioritäten setzen sollte. Das Leben ist zu kurz, weshalb sich solche Gedanken lohnen, wie sie sich Frida gezwungenermaßen gemacht hat.

Ursula Schröder, Schwamm drüber, Deutscher Taschenbuch Verlag 2015, Taschenbuch, 288 Seiten, ISBN 978-3-423-21610-4, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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