Ein Geheimtipp unter den wohlhabenden Berlinern ist der kleine Ort Tannenwalde am Pfauensee in der Nähe von Wandlitz, der nur zwanzig Autominuten von der Berliner City entfernt ist. Wer genug Geld hat, kann hier ein Grundstück am See erwerben und lässt sich einen Prachtbau errichten. Die Fabrikantin Marlene Bernshausen hat eine Menge Geld und so zieht sie mit ihrem Mann Manuel und ihren zwei Kindern in dieses Kleinod.

Sie führen ein harmonisches Leben an dem idyllischen See. Während die millionenschwere Erbin einer Schuhputzfabrik erfolgreich das Unternehmen führt, hat ihr Mann Manuel seinen Job als Lehrer aufgegeben, um Bücher zu schreiben. Doch leider ohne Erfolg. Um das Anwesen in Ordnung zu halten, hat Marlene einen ehemaligen Mitarbeiter der Schuhputzfabrik eingestellt, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt. Paul Klawitter, der inzwischen zum Freund der Familie geworden ist, hält Haus und Hof in Ordnung und wohnt in einem kleinen Gartenhaus auf dem Grundstück.

Durch eine Gebietsreform wird Tannenwalde mit der Großgemeinde Wandlitz vereinigt. Das bringt für die Einwohner einige negative Veränderungen mit sich, und deshalb gründet Manuel eine Interessengemeinschaft Tannenwalder Bürger. Seine Chancen zum Bürgermeister gewählt zu werden, stehen nicht schlecht, denn seine Partei will den Bau einer Schuhputzfabrik in Tannenwalde durchsetzen und damit einhundertfünfzig Arbeitsplätze schaffen.

Nach einer Party, auf der reichlich Cocktails geflossen sind, fahren Marlene und Manuel bei strömendem Regen zurück nach Tannenwalde. Auf der Zufahrt zu ihrem Haus überfährt Marlene in angetrunkenem Zustand ihren Hausangestellten Paul. Manuel macht seiner Frau die möglichen Konsequenzen des Unfalls klar und kann sie überzeugen die Leiche in der Nähe des Anwesens zu vergraben. Der Unfallwagen wird mit Pauls Habseligkeiten im See versenkt. Doch dann kehrt der tote Paul Klawitter zurück und droht Marlenes Leben zu zerstören. Der schleichende Wahnsinn beginnt…

Sex sells, hat sich Mario Lenz wohl gedacht, als er seinen Psycho-Thriller Schleichender Wahnsinn schrieb. Und so wird bereits nach einigen Seiten mit prickelnder Erotik die Neugier beim Leser geweckt. Der Roman, der wie eine Familiengeschichte beginnt, entwickelt sich zu einem spannenden Thriller, dessen Verlauf dann aber doch enttäuscht, denn der Plot plätschert vor sich hin und wird streckenweise langweilig. Auch wenn der Handlungsstrang deutlich an Spannung verliert, ist die lebensnahe, derbe Sprache des Autors, mit der er die Ereignisse und politischen Intrigen in Tannenwalde sowie den Standesdünkel von Marlenes Vater schildert, sehr unterhaltsam. Am Ende wird der Leser mit einer völlig unerwarteten Auflösung überrascht.

Mario Lenz, Schleichender Wahnsinn AAVAA Verlag 2010, Taschenbuch 265 Seiten, ISBN 978-3-86254-009-9, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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