Der Privatermittler und ehemalige Polizist Robert Kettner, von allen nur Steiger genannt, ist auf dem Weg zu einem Kunden und kollidiert mit einem Motorradfahrer, der sich gerade noch rechtzeitig in seinen Wagen retten kann. Steiger spürt dessen Todesangst und tritt das Gaspedal durch, als er merkt, dass sie verfolgt werden. Noch bevor Steiger von seinem Beifahrer eine Erklärung bekommen kann, ergreift dieser die Flucht. Der Privatermittler fühlt sich zunächst sicher, doch als er feststellen muss, dass ihm jemand nach dem Leben trachtet, bittet er seine Exfrau Claudia, eine Anwältin, um Hilfe.

Hauptkommissar Welke und seine Kollegen Tetzlaf und Heimke werden zu einem Wohnungsbrand in Essen gerufen, wo sie einen Toten finden. Bei der Wohnung handelt sich ausgerechnet um die seines früheren Kollegen Steiger. Bei der Obduktion des Toten deutet eine geschiente Fraktur auf eine Verbindung, die nach Russland führt. Für Welke kommt es überraschend, als sich Herr Brahmkamp vom Staatsschutz in die Ermittlungen einklinkt. Schließlich wird ein weiterer Toter aufgefunden. Dieses Mal im Kofferraum des Wagens von Steiger und Welke fällt es zunehmend schwerer, an die Unschuld seines ehemaligen Kollegen zu glauben. Der wiederum hatte in seinem Wagen eine Speicherkarte entdeckt, die der zu ihm ins Auto gesprungene Unbekannte offensichtlich verloren haben musste und nimmt die Ermittlungen auf eigene Faust auf. Die Spur führt ihn zur Zeche Zollverein, der Jäger wird zum Gejagten und er muss ein drohendes Schlagwetter verhindern.

Mike Steinhausen entfacht von der ersten Seite an die Neugier des Lesers, wobei er ihm gerade so viel mitteilt, dass er unbedingt mehr über den Fortgang wissen will. Er wird selbst Teil der Szenerie und spürt die Atmosphäre, die der Autor in einzigartigen Schilderungen beschreibt. Einige Begebenheiten beleuchtet er aus zwei Perspektiven, einmal aus der Sicht des Privatermittlers Steiger, ein anderes Mal aus der von Welke und seinem Team. Selbst Polizeibeamter, verfügt Mike Steinhausen über detaillierte Kenntnisse der Arbeit von Kriminaltechnikern und beschreibt so das Sichtbarmachen von Körperflüssigkeiten mittels Chemolumineszenz oder erwähnt die Daktyloskopie. Er hat sich fundierte Kenntnisse über den Steinkohlebergbau angeeignet, die er geschickt in einer Führung durch eine Reiseleiterin unterbringt. Wer das Ruhrgebiet kennt, ist nicht überrascht, vom sozialen Verfall ganzer Stadtteile, von schlechten Straßen oder „künstlich heraufbeschworenem Strukturwandel“ zu lesen, wobei Mike Steinhausen aber auch die schöne Landschaft der Ruhr nicht verschweigt.

Der Kriminalroman Schlagwetter besticht mit zwei vom Autor geschaffenen starken Persönlichkeiten: Mit der Figur von Robert Kettner, alias Steiger, hat er einen Eigenbrödler geschaffen, der starrköpfig und wenig angepasst ist. So wie er sich gerne ironisch gibt, trifft das auch auf Kommissar Welke zu, der kein Mann vieler Worte ist, eine derbe Sprache spricht und dessen drastische Formulierungen dem Leser durchaus Anlass zum Schmunzeln geben. Kurzum: Ein Kriminalroman der feinsten Sorte, anspruchsvoll, spannend und nicht vorhersehbar.

Mike Steinhausen, Schlagwetter, Gmeiner Verlag 2014, Paperback, 281 Seiten, ISBN 978-3-8392-1617-0, Preis: 11,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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