Elisabeth Herrmann hat für ihren Thriller Schattengrund, der sich an junge Leser ab 14 Jahre wendet, einen fiktiven Handlungsort gewählt. Den Harz mit dem Brocken als höchste Erhebung und auch einige erwähnte Orte gibt es selbstverständlich, aber Siebenlehen existiert nur im Roman. Anders verhält es sich mit der Heiligen Barbara, die tatsächlich Schutzpatronin aller Bergleute ist und oftmals mit Turm und Schwert neben Bergbauwerkzeugen dargestellt wird.

Kiana vererbt ihrer 17-jährigen Großnichte Nico ihr Haus „Schattengrund“ in Siebenlehen. Doch an die Erbschaft hat sie die Lösung von drei Rätseln geknüpft: Nico muss mit einem Besen kehren, Schwert und Turm finden sowie einen Stein zurück bringen. Ihr erscheinen die Aufgaben völlig unverständlich und ihre Eltern schlagen beim Notar kurzerhand die Erbschaft in ihrem Namen aus. Nachdem sich Nico widerwillig dem Wunsch ihrer Eltern beugen musste, bringt sie ihre Freundin Valerie auf eine Idee: Sie reißt von zu Hause aus, um sich „Schattengrund“ zumindest einmal anzusehen.

Im Schneesturm und bei eisiger Kälte verirrt sich Nico am Fuße des Brocken und wird von Leon, einem Studenten, im Auto mitgenommen. Sie erfährt, dass er in Siebenlehen aufgewachsen ist und dort seine Verwandtschaft besucht, der ein alter Gasthof, der Schwarze Hirsch, gehört. Bei ihrer Ankunft in dem Haus erinnert sich Nico an ihre letzten Ferien vor zwölf Jahren bei ihrer Tante und an Fili. Die beide Mädchen waren damals sechs Jahre, doch für Fili war es der letzte Sommer, der in einem „silbernen Grab“ endete. Heute begegnen sämtliche Bewohner Nico mit Verachtung und sie ist entschlossen, dem Geheimnis einer Tragödie auf die Spur zu kommen. Anfangs glaubt Nico noch an Einbildung, bis es für sie zur Gewissheit wird, dass man sie umbringen will. Sie weiß nicht mehr, ob sie Leon trauen kann und fürchtet sich vor Zach und Trixi, den Eltern der kleinen Fili. Auch Schornsteinfeger Kress und Pfarrer Gero verdächtigt sie und Dorfnarr Maik ist ihr unheimlich, wenn er von „toten Vöglein“ spricht, die alle zwölf Jahre vom Himmel fallen.

Der Thriller Schattengrund von Elisabeth Herrmann beschäftigt sich im Kern mit dem traurigen und düsteren Kapitel des Kindesmissbrauchs. Die Autorin verdeutlicht, dass eine Sache nicht ungeschehen gemacht werden kann, indem sie ignoriert wird. Ganz im Gegenteil bringt es unendliches Leid für die mittelbar und unmittelbar Betroffenen, wenn Mitwisser wegsehen und schweigen. Die Figur der Protagonistin Nico ist überzeugend, wobei angemerkt sei, dass es im wirklichen Leben vermutlich nur wenige so couragierte und selbstbewusste jungen Frauen wie Nico gibt. Schattengrund von Elisabeth Herrmann ist in der Erzählform geschrieben, chronologisch aufgebaut und die Spannungskurve steigert sich mit der immerhin recht beträchtlichen Seitenzahl. So wird der Leser nicht nur zunehmend frösteln, weil in dem von der Außenwelt abgeschnittenen Dorf minus zwanzig Grad sind, sondern weil er mit der mutigen Nico um ihr Leben bangt.

Elisabeth Herrmann, Schattengrund, cbt Verlag 2012, Klappenbroschur, 416 Seiten, ISBN 978-3-570-16126-5, Preis: 14,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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