Reue von Sascha Berst-Frediani

ReueSabine Holzer führt mit ihrem Mann Dieter, der als Hauptfeldwebel in Stetten stationiert ist, eine Wochenendbeziehung. Sie sind Eigentümer eines Hauses, in dem Thomas zur Miete wohnt, mit dem Sabine ein Verhältnis hat. Obwohl sie Thomas gegenüber versichert, dass in ihrer Ehe sexuell nichts mehr läuft, ist er eifersüchtig auf ihren Mann. Seine Eifersucht geht so weit, dass er sie bei ihrer Arbeit in einer Sparkassen-Filiale von einer gegenüberliegenden Eisdiele aus beobachtet. Neue Nahrung erhält seine Eifersucht dadurch, als er Sabine zusammen mit einem Revisor sieht, der ihr offensichtlich Avancen macht und auf die sie wiederum der Karriere wegen scheinbar eingeht.

Dagmar Müller, eine Arbeitskollegin von Sabine, vermutet längst, dass diese zu ihrem Mieter und darüber hinaus gutaussehenden jungen Mann ein Verhältnis hat, was sie ihr missgönnt. Beiden Frauen bleibt nicht verborgen, dass Thomas die Filialräume nicht aus den Augen lässt, bevor er sich auf seine Ducati schwingt und davonbraust. Wenig später klingelt Sabines Handy: Ein aufgebrachter Thomas bittet sie, ihn von einem Bauern abzuholen, bei dem er nach einem Unfall mit seinem Motorrad untergekommen ist. Unterdessen fasst Dagmar den Entschluss, Dieter Holzer über das Verhältnis seiner Frau in Kenntnis zu setzen und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Sascha Berst-Frediani beginnt seinen Roman Reue mit einer Szene, in der ein Mann von der Polizei abgeführt wird. Immer wieder wird zur Kenntlichmachung in kursiven Lettern über sein weiteres Schicksal berichtet, wodurch die Neugier des Lesers bis ins Unermessliche gesteigert wird. Denn anfangs gewinnt er nur schwer einen Überblick und erfährt lediglich „häppchenweise“, um welche Person es sich jeweils handelt, während er im weiteren Verlauf der Handlung glaubt, Zusammenhänge verstanden zu haben, die sich dann aber doch wiederum als falsch herausstellen. Der Autor spielt auf diese Weise regelrecht mit der Fantasie seiner Leser, was diese davon abhält, das Buch aus der Hand zu legen.

Schon nach den ersten Seiten wird deutlich, dass Sascha Berst-Frediani einen eigenen, unverwechselbaren Schreibstil hat. Kurze, prägnante Sätze, oft nur aus zwei oder wenig mehr Worten bestehend, wechseln sich ab mit längeren Sätzen. Die Spannung wird durch kurze, häufig wechselnde Kapitel auf hohem Niveau gehalten. Der Erzählstil herrscht dabei zwar vor, doch jeweils aus der Sicht der agierenden Handlungsperson. Ob Sabine, ihr Mann Dieter, ihr Geliebter Thomas oder ihre Kollegin Dagmar Müller: Sie alle verfolgen eigene Ziele und haben einen „Tunnelblick“, sehen nur ihre Situation. Eine besondere Rolle fällt dem anfangs unterschätzten Kommissar in dem perfiden Spiel zu. Um so enttäuschender und unbefriedigender ist das zu rasche Ende des Romans Reue , zumal der Kommissar wirklich genial kombiniert hat. Nichts desto trotz lohnt sich die Lektüre des sich zunehmend zu einem Krimi gemauserten Plots, der beweist, dass Hochspannung auch ohne bestialische Schilderungen erzeugt werden kann.

Sascha Berst-Frediani, Reue , Gmeiner Verlag 2018, Hardcover, 244 Seiten, ISBN 978-3-8392-2249-2, Preis: 18,00 Euro.

Bildquelle: Gmeiner Verlag

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