In der Schule wird der 8-jährige Cedric wegen seiner schulterlangen Haare und seiner Vorliebe für bunte Farben von den Mitschülern gehänselt. Ganz besonders Marvin macht ihm das Leben schwer. Cedric fühlt sich immer mehr als Außenseiter, denn er mag keine Waffen und spielt auch nicht gerne Fußball. Alle sind sich einig, dass sich so nur Mädchen verhalten und schimpfen ihn eine Heulsuse, wenn er weinend davonläuft. Wenn Cedric provoziert wird, wehrt er sich, doch gilt die Strafe seiner Lehrer immer ihm, anstatt den eigentlich Schuldigen. Er leidet zunehmend unter Bauch- und Kopfschmerzen sowie Asthmaanfällen, hält sich für hässlich und dumm. Schließlich sorgen seine verständnisvollen Eltern dafür, dass er die Schule wechseln kann. Doch auch in der neuen Schule wird er gemobbt, so dass er einen weiteren Schulwechsel in Kauf nehmen muss.

Nach vielen Jahren, die Cedric im Opferland verbracht hat, ist er mit fast 16 Jahren zuversichtlich, endlich die Rolle des ewigen Opfers abgeschüttelt zu haben. Er fährt nur an den Wochenenden zu seinen Eltern und der ein Jahr jüngeren Schwester Kayla, da er vom Dorf in eine 40 km entfernte Stadt zu Freddie und Sabine, guten Freunden seiner Eltern, gezogen ist. Als ihm jedoch Charly, der Leiter einer Filmgruppe, die Rolle eines Losers übertragen will, die Cedric vehement ablehnt, zeigt Lars, nur so zum Spaß, mit dem Finger auf Cedric und nennt ihn „Opfer“. Bei Cedric brennen alle Sicherungen durch und er schlägt zu.

Bettina Obrecht hat mit dem Jugendbuch Opferland ein heikles, aber umso wichtigeres Thema angepackt. Sie macht deutlich, dass nicht immer nur Streber, Brillenträger oder fette Menschen, die diesem Klischee entsprechen, gemobbt werden. Vielmehr ist das Buch ein Plädoyer für alle, die nicht unbedingt mit dem Strom schwimmen und irgendwie anders sind. Die Eltern von Cedric haben beispielsweise keinen großen Fernseher, und einer Nachbarin wird im Altenheim nicht die Mitnahme ihrer beiden Kaninchen erlaubt, nur weil das gegen die Regel verstößt. Alles muss einer Norm entsprechen.

Nur am Rande spricht Bettina Obrecht kurz die Themen Zwangsarbeiter während der Naziherrschaft und die Massentierhaltung an. Sie lässt ihren Protagonisten in der Ich-Form erzählen, wodurch der Leser auch etwas über seine jeweiligen Gedanken erfährt, da er nicht immer das sagt, was er denkt. In der Auseinandersetzung, die Cedrics Eltern mit den Lehrern führen, schwingt die Unfähigkeit vieler Pädagogen mit, die sich bei der Problematik Mobbing überfordert sehen. Cedric stellt am Ende fest, dass seine Lehrer oft gar nicht alles sehen wollten und dass es anderen Mitschülern auch nicht immer besser ging als ihm, was ihm letztendlich mit Hilfe seiner besten Freundin Sinja die Augen über sein Opferland öffnet. Das Jugendbuch verdeutlicht gut nachvollziehbar die Spirale, in die ein Mobbingopfer geraten kann und liefert damit nicht nur für junge Leute ab 12 Jahren einen wichtigen Beitrag, sondern ist durchaus auch Eltern und Pädagogen zu empfehlen.

Bettina Obrecht, Opferland, cbj Verlag 2014, Taschenbuch, 286 Seiten, ISBN 978-3-570-40248-1, Preis: 7,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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