Nackige Engel von Max Bronski

Nackige Engel
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Der Münchner Trödelhändler Wilhelm Gossec hat mit seinem Freund Julius eine mit diversen Flaschen Weißbier angeheizte Diskussion, in der es darum geht, weshalb junge Burschen zu Nazis werden. Er will seinem Freund beweisen, dass der überwiegende Teil der Münchner wieder den rechten Arm erhebt, wenn Hitler durch München marschieren würde. Eine Schnapsidee veranlasst ihn, sich kurzerhand einen Wehrmachtsmantel, Stiefel und eine SS-Offiziersmütze aus seinem Klamottenfundus anzuziehen. Mit einem Kajalstift markiert er sich einen typischen Bart und verlässt das Haus. Bei dieser hirnrissigen Aktion trifft er auf einen Trupp Neonazis, die eine Mahnwache mit Fackeln abhält und ihm nun folgt. Nur mit Mühe gelingt es ihm, die Verfolger abzuschütteln und sich zu retten.

“Hitler in München!” lautete am nächsten Morgen die Schlagzeile in der Zeitung. Ein Faschingsscherz oder eine geschmacklose Provokation, hinter der man den Kabarettisten Beppo Wolfertshofer vermutet. Die Nationalen Kameraden München fühlen sich provoziert und drohen Wolfertshofer eine angemessene Antwort an.

Gossec fühlt sich miserabel, er fürchtet eine Gefahr für Leib und Leben von Wolfertshofer und trifft sich mit dem Kabarettisten, um die Geschichte aufzuklären. Der aber möchte die Hintergründe gar nicht aufdecken und ist eher amüsiert, dass die Aktion ihm zugeschrieben wird und die Zeitungen deshalb einen besonderen Tiefsinn dahinter vermuten.

Nach einigen Tagen wird Gossec von Wolfertshofer angerufen, weil dieser bedroht wird und um sein Leben fürchtet. Er fährt zu ihm in die Wohnung und wird dort niedergeschlagen. Als er aus der Bewusstlosigkeit erwacht, ist Wolfertshofer tot und Gossec wird zum Ermittler wider Willen…

Die Frage, ob es sich bei Max Bronskis Roman Nackige Engel um einen Kriminalroman oder eine Gesellschaftssatire handelt, stellt sich der Leser erst gar nicht. Denn mit witziger Ironie und einem Augenzwinkern schildert der Autor die Neonazi-Szene und öffnet Einblicke in die Münchner Gesellschaft rund um das Schlachthof-Viertel. Der flüssig und amüsant geschriebene Kriminalroman um den Antihelden Wilhelm Gossec unterhält den Leser bestens und entwickelt sich zu einem tiefsinnigen Gesellschaftsroman. Am Ende ist es dem Leser schon fast gleichgültig, wer eigentlich der Täter war.

Max Bronski, Nackige Engel, Kunstmann Verlag 2010, Hardcover mit Schutzumschlag, 206 Seiten, ISBN 978-3-88897-644-5, Preis: 16,90 Euro.

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