Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet von Rosa Schmidt

Mein Mann, der Rentner, und dieses InternetFür viele Menschen steht alle Jahre wieder ganz plötzlich das Weihnachtsfest vor der Tür. Und obwohl die meisten von ihnen in freudiger Erwartung die Jahre bis zum Renteneintritt zählen, ist auch dieser Zeitpunkt ganz plötzlich präsent und es stellt sich die Frage, wie die freien Tage und Wochen ausgefüllt werden können, wenn sich unvermittelt ein „großes Loch“ in puncto Freizeit auftut. Genau diese Erfahrung macht auch das Ehepaar Rosa und Günther Schmidt, das nunmehr seit zweiundvierzig Jahren verheiratet ist. Rosa schreibt in ihrem Tagebuch Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet , dass Günther seit zwei Jahren Rentner ist. Im ersten Jahr haben sie noch die unterschiedlichsten Kurse besucht, doch mittlerweile hat das Interesse daran nachgelassen.

Das ändert sich schlagartig mit der Zustellung eines Paketes von Tochter Julia, in dem sich ein Tablet befindet. Während Rosa dem „Tablett“, wie sie es nennt, skeptisch gegenübersteht, zumal sie das in ihrem bisherigen Leben nicht brauchte, ist Günther sofort „Feuer und Flamme“. Er richtet sich nicht nur umgehend eine E-Mail-Adresse ein und lädt das Programm zum Skypen herunter, sondern wird Mitglied in einem Computerclub. Noch sieht Rosa darin den Vorteil, endlich mal wieder einen freien Nachmittag für sich zu haben und ihrem gewohnten Treffen im Café mit ihrer Freundin Ute nachgehen zu können. Doch die viele Zeit, die ihrem Mann im Ruhestand zur Verfügung steht, führt bei ihm zu zwanghaften Handlungen, und sie erkennt ihren Mann nicht mehr wieder. Als eines Tages eine kleine Schachtel für sie auf dem Tisch liegt, öffnet sie diese in der Hoffnung auf die Perlenkette, die sie ihrem Mann zeigte. Doch es folgt eine jähe Enttäuschung.

Was Tochter Julia anbelangt, stehen Rosa ebenfalls Sorgen ins Haus: Richard, der Freund von Julia, will sich von ihr eine Auszeit nehmen, was für diese umso schwerer zu ertragen ist, da sogar die in einem Altenheim lebende Tante Lotte von ihrem Mitbewohner Wilhelm einen Heiratsantrag bekommt. Unglücklicherweise erkrankt der Zukünftige kurz vor dem anberaumten Termin, der deshalb verschoben werden muss. Unterdessen erhält Rosa eine Einladung zum fünfzigjährigen Klassentreffen. Die Gedanken daran treiben sie genauso um wie die Frage, was sie zur Hochzeit von Tante Lotte anziehen soll. Ganz nebenbei geht ihr auch nicht aus dem Kopf, ob sie Julia nicht vielleicht doch mit dem behandelnden Arzt von Wilhelm verkuppeln soll, weil er doch soooo nett ist. Aber erst einmal heißt es, im Sommer ein paar Freunde über Facebook zu einer kleinen Grillfeier einzuladen. Dummerweise hat Günther bei den Einstellungen etwas nicht beachtet und es kommen eine Menge „Freunde“.

Die Tagebucheintragungen Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet von Rosa Schmidt stammen von der Journalistin Anne Hansen und erstrecken sich über einen Zeitraum von einem Jahr. Es versteht sich von selbst, dass Rosa in der Ich-Form schreibt, allerdings verwendet sie anstelle der vertrauten Anrede DU das eher unpersönliche SIE. Die Internetbesessenheit ihres Mannes Günther schlägt verrückte Kapriolen: Beispielsweise fragt ihn seine Frau nach dem Wetter, woraufhin er anstelle eines Blickes aus dem Fenster das Internet heranzieht. Die Autorin nimmt Freundschaftsanfragen und Kommentare bei Facebook „aufs Korn“, schreibt von dubiosen Gaunern, die sich mit Spammails Geld „erschleichen“ wollen, wirft einen kritischen Blick auf Foren, in denen Laien über Themen diskutieren, von denen sie keine Ahnung haben, und sie macht auf die im Internet lauernden Gefahren aufmerksam, wenn auch in höchst amüsanter Form. Denn die Aufzeichnungen dienen in erster Linie einer guten Unterhaltung, und je näher der Hochzeitstermin im Altenheim rückt, umso chaotischer und turbulenter geht es im Hause Schmidt zu.

Bildquelle: Penguin Verlag

Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet von Rosa Schmidt

  • Penguin Verlag 2018
  • Taschenbuch
  • 304 Seiten
  • ISBN 978-3-328-10239-7
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