Im Mittelpunkt des Romans Krumme Gurken von Jaromir Konecny steht der 16-jährige Benn. Er lebt in der virtuellen Welt von Computerspielen wie Lost Horizon und chattet in Facebook und MySpace. Wie sein Freund Rowdy hat Benn allerdings ein Problem: beide haben sie eine „krumme Gurke“, wie sie im direkten Vergleich feststellen müssen, und beide können sie die nicht unter Kontrolle halten, wenn ihnen ein sexy Mädchen über den Weg läuft. So nennen sie ihre neu gegründete Band auch „Krumme Gurken“ und die ersten Aufnahmen veröffentlichen sie auf YouTube.

Benn wohnt mit seinen Eltern und seiner Schwester Clara in Sachsen. Allerdings muss die Familie nach Bayern umziehen, da der Vater dort in einem Mädcheninternat den Hausmeisterposten annimmt. Schon am ersten Tag glaubt sich Benn beim Gang durch den Garten des Internats in einer Peepshow. Er beobachtet ein Mädchen am Fenster und bekommt, na was wohl?, einen Ständer! Sein bestes Schlafmittel ist, sich im Bett einen abzurubbeln. Aber er glaubt, seinen Augen und Ohren nicht trauen zu können: Ein kleines Loch in der Wand wird für ihn zu einem direkten Draht ins Zimmer der Mädchen! Neben Emma, Katja und Mia ist auch Anna darunter, die er schon am ersten Tag beobachtet und in die er sich prompt verliebt hat. Für seine Angebetete holt er jetzt sogar ganz uncool seine Flöte aus Kindheitstagen heraus und spielt ihr Lieder vor. Natürlich holt er auch mal seine Flöte aus der Hose und pfeift sich einen ab, denn manchmal ist es nicht zum Aushalten: Da will er nur mal baden gehen und kann sich, nackt wie er ist, gerade noch verstecken. Und was machen die Mädels? Die ziehen sich einfach aus! Wie soll er da die Gedanken ans Poppen loswerden?

Benn versteht die Welt nicht mehr, denn die Mädels liegen ihm zu Füßen und sind so brutal direkt! Mit Anna wettet er um einen Kuss, den er aber erst auf der anstehenden Party bekommen soll. Und krass! Sie gibt vor, keine Jungfrau mehr zu sein. Das hätte er ihr gar nicht zugetraut, noch dazu im katholischen Bayern. Aber so sehr Benn auf Anna abfährt, so beeindruckt ist er auch von Mia. Sie ist zwar, was ihre etwas pummelige Figur anbelangt, nicht sein Typ. Dafür kann sie aber traumhaft singen und wird direkt in die Band aufgenommen. Und sie kann einfach genial zocken, ein Naturtalent! In einer halben Stunde hat sie den kürzesten Weg zum Ziel bei „Lost Horizon“ gefunden, ohne mühsames Rumprobieren! Merkwürdig – bei ihr kann er lachen wie sonst nur mit seinem Freund Rowdy. Aber die durchgeknallte Katja ist auch reizvoll und macht ihm ein unerwartetes Angebot. Für wen soll sich Benn entscheiden? Oder spielen die Mädels nur mit ihm? Wie geht es mit der Band weiter? Werden sie berühmt mit der neuen Sängerin?

Krumme Gurken von Jaromir Konecny legt der Leser angesichts des inflationären Gebrauchs von boah, giga und enzgeil entweder schon nach den ersten Seiten aus der Hand, oder er gewöhnt sich ganz schnell an die allgegenwärtigen Erektionsprobleme und peinlichen Spermaflecken. Wenn sich in der Geschichte auch alles nur um das „Eine“ dreht, so versteht es Jaromir Konecny an einigen Stellen, dieses sogar wissenschaftlich zu umschreiben. Wenn beispielsweise Benns „Gurke“ durch Photosynthese zum Wachstum angeregt wird, während er den Mädels beim Entkleiden zusieht und selbst unbekleidet den Sonnenstrahlen ausgesetzt ist. Böse Untertöne schwingt der Autor, wenn unsere Bundeskanzlerin für die Jungen zum Abtörnen herhalten muss und kritische Töne schlägt er zum Missbrauch durch Bayerns Pfarrer an. Auch interessant sind die Ausführungen zu Albert Einsteins Krümmung des Raumes. Krumme Gurken von Jaromir Konecny, der übrigens promovierter Chemiker ist, würde als Verfilmung gut in die Reihe von American Pie passen und jedem Leser, der sich über die Art heißer Sprüche vor Lachen biegt, ist ein köstlicher Lesespaß garantiert!

Jaromir Konecny, Krumme Gurken, cbt Verlag 2011, ab 14 Jahren, Pappband, 272 Seiten, ISBN 978-3-570-16048-0, Preis: 12,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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