Bereits als Studentin ist Sina Pousset häufig mit einem Fernbus unterwegs gewesen. Auch heute reist sie mit ihnen quer durch Europa und hat ihre im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen in dem Buch Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind zusammengefasst. Manche Reise, so ist zu lesen, beginnt schon mit dem Problem, das sich bei einer Buchung über die entsprechende App ergibt und findet eine Fortsetzung mit der Suche nach der Bushaltestelle. Die Jogginghose hat sich als Kleidungsstück auf langen Fahrten bewährt und was das Gepäck anbelangt, so sind immer die Gegenstände, die man sucht, ganz unten zu finden. Nicht zu unterschätzen ist die richtige Wahl des Sitzplatzes, wobei die Unsitte mancher Mitreisender störend ist, einen freien Platz durch Gepäck zu blockieren, wozu sogar einmal eine Tanne gehört hat.

Unter den Busfahrern gibt es einige, die nette Scherze machen, doch zwecklos ist es, jemanden um eine rücksichtsvollere Fahrweise zu bitten, sofern man nicht selbst das Steuer übernehmen kann. Was die Ruhe während der Fahrt anbelangt, so kann man die nur in den seltensten Fällen genießen: Einmal wird man durch ein zu lautes Telefongespräch gestört, ein anderes Mal schreit ein Kleinkind oder die Rücklehne des Vordersitzes wird so weit zurückgestellt, dass man kaum noch Platz hat und schon recht nicht schlafen kann, woran aber gelegentlich auch nicht einrastende Fußstützen verantwortlich sind. Der beengte Raum zwingt auch, die Gewohnheiten eines Partners über eine längere Zeit zu ertragen, was jede Beziehung beeinträchtigen kann. Reist man als Single, ist es erstaunlich, wie viel Persönliches man auf einer Fahrt von sich preisgibt, um sich am Ziel doch wieder zu trennen.

Die Autorin weiß von Heißhungerphasen zu berichten, die sie plötzlich bei fast allen Fahrten überfallen. Noch schlimmer ist aber, dass nicht an allen Plätzen Steckdosen zum Aufladen des Handys oder Laptops vorhanden sind, obwohl WLAN verfügbar sein sollte. Wenn sie schon das Glück hat, einen Sitzplatz direkt an einer Steckdose ergattert zu haben, ist diese häufig defekt und natürlich ist sowohl der Akku ihres Handys, als auch das ihres Laptops leer. Eine weitere Katastrophe bahnt sich spätestens dann an, wenn ein Balanceakt auf der engen Bustoilette ansteht, doch lässt der sich nicht immer vermeiden.

Sina Pousset erzählt von merkwürdigen Gewohnheiten einiger Mitreisender, was häufig im Bus zurückgelassen wird, von aufkommender Übelkeit und Erfahrungen auf Rastplätzen. Dabei kommen ihr immer wieder Erlebnisse aus ihrer Kindheit oder Studentenzeit in den Sinn. Sie schreibt, was sie im Bus oder auch außerhalb sieht, wobei sie vieles sehr überzogen darstellt. Es ist gut vorstellbar, dass sie auf ihren Reisen die jeweilige Situationskomik für so bedeutsam gehalten hat, dass sie das unbedingt in einem Buch zum Ausdruck bringen wollte. Doch darf bezweifelt werden, dass die Lektüre des Buches Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind tatsächlich jemandem ein Schmunzeln abverlangen kann. Eher langweilt die Aneinanderreihung von den erlebten Begebenheiten während vieler unternommener Fahrten mit einem Fernbus und lässt beim Leser die Frage aufkommen, was er sich eigentlich vom Weiterlesen verspricht.

Sina Pousset, Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind, Goldmann Verlag 2016, Klappenbroschur, 253 Seiten, ISBN 978-3-442-15907-9, Preis: 12,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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