Zwischen Villa und Armut: Alices Flucht in die andere Welt

Cover von Hinter Glas von Julya Rabinowich

Ein behütetes, aber kaltes Zuhause

Die achtzehnjährige Alice lebt mit ihrem Vater und dessen Ehefrau – einer ehemaligen Schauspielerin – in einer Villa mit Swimmingpool und einem großen Garten, den sie sich mit ihrem Großvater teilt. Dieser bewohnt die größere Villa nebenan gemeinsam mit einer Hausangestellten.

Eines Tages kommt mit Niko ein neuer Junge in ihre Klasse, in der man Alice – allen voran die boshafte Rosa – seit dem letzten Jahr das Leben zur Hölle macht. Nachdem sie von den anderen auf einer Wiese eingekreist wird, kommt ihr Niko überraschend zu Hilfe. Auf der Klassenfahrt erleidet Alice eine schmerzhafte Ohrentzündung und muss vorzeitig nach Hause. Umso erfreuter ist sie, als Niko plötzlich vor ihrem Haus steht, weil er sie vermisst habe und deshalb ebenfalls zurückgefahren sei.

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Zwischen zwei Welten: Mo auf der Suche nach sich selbst

Cover von Mo & Moritz von Julya Rabinowich

Ein Neuanfang wider Willen

Mo lebt mit seinen Eltern, seinem älteren Bruder Faris und seiner erst dreizehn Jahre alten Schwester Maryam in Wien; die Geschwister müssen sich ein Zimmer teilen. Nach einem Eklat muss er die Schule verlassen und weigert sich, auf Drängen seiner Mutter etwas zuzugeben, das er nicht getan hat. Durch einen Tipp seiner Schwester bewirbt er sich – in billiger Jeans und einem vom Vater geliehenen Mantel – bei einem piekfeinen Friseurladen um eine Ausbildungsstelle. Er kann sein Glück kaum fassen und erhält bei Meister Franz den begehrten Ausbildungsplatz.

Erste Irritationen und leise Gefühle

Als Mo sich mit einem Foto für eine Fotostrecke beteiligen soll, ist er drei Wochen später auf dem Cover einer Zeitschrift zu sehen. Während Maryam ganz hingerissen ist, kommentiert sein Bruder dies nur mit „Scheiß-Schwuler“, woraufhin der Vater ihn rügt: Keiner seiner Söhne würde eine solche Schande über die Familie bringen.

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Wenn die Nacht dem Wald die Augen öffnet

Cover von Wenn es Licht wird im Wald von Kaisa Happonen und Anne Vasko

Magische Begegnungen im Zwielicht

In elf Geschichten und einem Gedicht erzählt Kaisa Happonen in ihrem Kinderbuch Wenn es Licht wird im Wald, wie Bär Brumm dem Feuerfalter erklärt, dass man im Licht des Waldes sehen kann. Brumm will unbedingt entdecken, wo sich das erste Fitzelchen Nacht versteckt – so zumindest sagt er es einem seiner Freunde.

Am Seeufer singt der Schilfrohrsänger nicht nur am Tag, sondern auch noch in der Nacht. Doch in dem Moment, in dem der Abend zur Nacht wird und der Mond aufgeht, legt er eine Pause ein, um danach noch wilder nur für den Mond zu singen. Auf den schwarzen Federn des Stars glänzt der Mond, und wegen der Spiegelung auf seinem Federkleid trägt er ihn überallhin mit sich. Der Mond scheint aus seinen Augen zurück, und wenn der Star sie schließt, gehört der Mond nur ihm.

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Wie wir die Welt sehen könnten, wenn wir wieder wie Kinder fühlten

Cover von Wir sind eins von Refiloe Moahloli und Zinelda McDonald

Die Kraft weniger Worte

Refiloe Moahloli gelingt es in ihrem Kinderbuch Wir sind eins, mit erstaunlich wenigen Worten eine große emotionale Tiefe zu erzeugen. Viele Sätze beginnen mit „Wenn ich …“ und lassen sich gedanklich mit „… in deine Augen schaue, sehe ich mich selbst“ fortsetzen. Gemeint ist stets dieselbe Botschaft: Ich bin du, und du bist ich. Der Originaltitel „I am you“ bringt dieses Prinzip klar zum Ausdruck.

Im Verlauf des Buches vertieft die Autorin diese Idee: Wenn ich dich mag, mag ich auch mich. Wenn ich mich um dich sorge, sorge ich zugleich für mich. Bin ich zu dir freundlich, bin ich es auch zu mir. Und wenn ich dich verletze, verletze ich mich selbst.

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Schatten, Streit und Versöhnung: Wie ein Kinderbuch klug Konflikte löst

Cover von Schnuffel und Hops von Žiga X. Gombač und Tanja Komadina

Ein ungewöhnlich stiller Heimweg

Im Kinderbuch Schnuffel und Hops von Žiga X. Gombač begleitet Dominik seinen Vater auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten. Anders als an den anderen Tagen, an denen sie gemeinsam Dinospuren suchten, fröhlich reimten, Wolken zählten oder mit den Vögeln trillerten, laufen sie heute stumm nebeneinander her. Dominik schaut finster drein – ein Ausdruck, den Tanja Komadina in ihrer Illustration durch den gebückten Kopf des Kindes eindrucksvoll visualisiert. Auf sämtliche besorgten Fragen des Vaters reagiert Dominik lediglich mit einem Kopfschütteln oder einem Schulterzucken.

Besuch im Kinderzimmer – mit Schatten und Gefühl

Zu Hause kündigt der Vater seinem Sohn an, dass in seinem Zimmer Besuch auf ihn warte. Er macht das Licht an und lässt die Rollos herunter. Geschickt hält er seine Hände vor den Lichtstrahl, sodass Schatten auf die Wand fallen: der Nachbarshund Schnuffel und das Häschen Hops von Omas Bauernhof erscheinen.

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Zwischen Realität und Fantasie: Mika in „Immerland – Die Stadt der Ewigkeit“

Cover von Immerland – Die Stadt der Ewigkeit von Flix

Ein Sommer voller Überraschungen

Der fast dreizehnjährige Mika soll die letzten vier Wochen der Sommerferien bei seiner physikbegeisterten Großmutter Hertha Thorwarth verbringen. In dem abgelegenen ehemaligen Gutshaus, das ohne Netz auskommt, erwartet ihn nichts als „Langeweile am Arsch der Welt“. Als er beim Rasenmähen eine Unachtsamkeit begeht, entgleiten der Großmutter die Worte: „Mika, du bist so dumm! Dumm! Dumm!“ Fortan hallen diese Worte wie Trommelschläge in seinem Kopf wider.

Flucht in die Tiefe und ein mysteriöser Fund

Ohne Plan rennt Mika los, erreicht den Hellsee und beschließt, im Baggerloch ein Bad zu nehmen. Obwohl ihn eine Strömung in die Tiefe zieht, kann er sich befreien.

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Sachbuch „Penis!“ – Ein ehrlicher, aufklärender Blick unter die Gürtellinie

Cover von Penis! von Nadine Beck und Tim Berkels

Einstieg mit Humor und Neugier

„Hallo du!“ – so beginnt das Buch Penis!, in dem das „beste Stück“ den Leser direkt anspricht. Die Sexualpädagog:innen Nadine Beck und Tim Berkels wecken mit diesem ungewöhnlichen Einstieg Neugier auf den weiteren Verlauf. Bereits auf der ersten Seite wird deutlich: Über den Penis kursieren zahlreiche Fake News, und das Autorenteam verspricht, sämtliche Geheimnisse rund um das Thema zu lüften.

Von der Embryonalphase bis zur Pubertät

Der erste Abschnitt widmet sich der Entwicklung des Penis: Schon in der embryonalen Phase entscheidet sich anhand der im Spermium enthaltenen Chromosomen, ob aus dem Genitalhöcker eine Klitoris oder ein Penis entsteht. Dieser verändert sich – ebenso wie die Hoden – erst in der Pubertät und ist Gegenstand zahlreicher Namensgebungen.

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Sachbuch „Vulva!“ – Aufklärung mit Tiefgang und Humor

Cover von Vulva! von Nadine Beck und Rosa Schilling

Von Alltagsbegriffen zur Embryonalentwicklung

Nach der Erläuterung umgangssprachlich verwendeter Namen für die Vulva erklären Nadine Beck und Rosa Schilling in ihrem Sachbuch Vulva! die embryonale Entwicklung der Genitalien – Vulva und Penis – sowie von Hoden und Eierstöcken. Es folgt ein Kapitel über die steuernden Hormone, die für die Veränderungen während der Pubertät verantwortlich sind, ergänzt durch wichtige Hygienetipps. Die Autorinnen thematisieren die ungerechten Unterschiede zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit und erläutern die gegensätzlichen Bedeutungen der Silben „trans“ und „cis“, die Hinzufügung eines Sternchens sowie den Begriff „Gender“.

Anatomie verständlich gemacht – mit Illustrationen

Spätestens ab diesem Punkt sind die Illustrationen von Sandra Bayer unverzichtbar. Sie stellt die äußeren und inneren Vulvalippen, Klitorisvorhaut und -eichel, Frenulum, Vaginalöffnung, Fourchette, Damm und Anus übersichtlich dar – ergänzt durch erläuternde Texte der Autorinnen.

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Kleos Weihnachtsbaum-Dilemma: Eine Geschichte über Tradition, Umweltbewusstsein und kreative Lösungen

Cover von Kein Weihnachtsbaum für Kleo? von Caro Docar

Geschenkejagd im Schneetreiben

Beim dichten Schneetreiben geht Kleo mit ihrem Vater auf „Geschenkejagd“. Leider kann sich der Vater für kein Geschenk entscheiden. Als die Mutter zu Hause nachfragt, ob sie erfolgreich gewesen seien, zeigt sich Kleo enttäuscht und unzufrieden – nicht zuletzt deshalb, weil sie „fast zerquetscht“ wurde. Einzig der Videocall mit ihrem besten Freund Pedro, der die Weihnachtstage bei seiner Tante in Brasilien verbringt, kann sie aufmuntern. Pedro erzählt ihr, dass dort gerade Sommer ist und er im Amazonas-Regenwald hundert Jahre alte Bäume gesehen hat, die „Urwaldriesen“ genannt werden.

Ein Traum vom Regenwald

Im Bett schläft Kleo mit Gedanken an die zu schützenden Bäume und Wälder ein. Sie entdeckt eine Ameisenstraße, dann einen dichten Regenwald mit Lianen, an denen sie sich hinuntergleiten lässt.

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Kindgerechte Aufklärung: „Robin kennt sich aus“

Cover von Robin kennt sich aus Mareike Brede und Cornelia Lindner

Ein Morgen voller Fragen

Nachdem Robin aufwacht, geht er ins Badezimmer, das bereits von seiner Mutter besetzt ist. Trotzdem bittet sie ihn herein, da sie nur ihre Tasse ausleeren müsse. „Eine Tasse?“, fragt sich Robin. „Trinkt Mama etwa Tee im Bad?“ Zur Antwort erhält er, dass sie ihr Menstruationsblut ausleert. Aber was ist das?

Geduldig zeigt die Mutter Robin die Tasse, mit der sie jeden Monat Blut und Schleim aus der Vagina auffängt, um Flecken in der Unterhose zu vermeiden.

Gespräch mit dem Vater

In der Küche fragt Robin seinen Vater, der ihm erklärt, dass es für das Wort „Menstruation“ auch die Bezeichnung „Periode“ gibt.

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