Interview mit der Weltenbummlerin Svenja Kerber-Strasser

Svenja und Simone Kerber-Strasser
Bildquelle: Svenja Kerber-Strasser
Svenja Kerber-Strasser wurde am 7. Dezember 1983 in Gladbeck geboren. Nach dem Abitur am Vestischen Gymnasium in Kirchhellen im Jahr 2003 hat sie zunächst eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau gemacht, woran sich sowohl ein berufsbegleitendes Studium an VWA-Hochschule, als auch ein Studium an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management anschloss, das sie mit dem Bachelor of Art abschließen konnte. Bei einer digitalen Plattform für Hotels, hat sie als Sales Manager gearbeitet, nachdem sie für zwei große Reiseveranstalter tätig wurde. In dieser Zeit hat sie zudem auch noch eine Ausbildung zur Tourismus-Fachwirtin abgeschlossen.

Im Jahr 2019 hat sie die aus Osttirol stammende Simone geehelicht, deren Eltern dort ein Hotel bewirtschaften. Dadurch konnte Svenja zudem umfangreiche Kenntnisse des dortigen Hotel- und Gaststättenbetriebes erlangen. Da sie schon alleine durch ihren Beruf tagtäglich mit den reizvollsten Reisezielen konfrontiert wurde und natürlich auch selbst gerne verreist ist, nahm der Traum, eine Weltreise zu machen, immer mehr Form an. Nachdem auch ihre Ehefrau bereit war, in Deutschland alle Zelte abzubrechen, haben Svenja und Simone Kerber-Strasser am 10. Oktober 2019, nach einigen Tagen in Simones Osttiroler Heimat, ihre Weltreise mit dem ersten Ziel Bangkok gestartet. Leider hat das Corona-Virus eine Fortführung während der Station im australischen Sydney verhindert und die beiden Frauen konnten von Glück reden, noch einen Heimflug zu ergattern. Während der Zwangspause hat Svenja Kerber-Strasser einen Reisebericht geschrieben und als Buch mit dem Titel Reisegruppe Regenbogen herausgegeben. Wie nicht anders zu erwarten, haben die beiden Globetrotter nur auf das Ende der Einschränkungen gewartet und sind am 4. Januar 2023 erneut mit Ziel Bangkok aufgebrochen.

Hallo Svenja, sei gegrüßt! Ich kann mir vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die auch von einer Weltreise träumen. Nur diesen Traum in die Realität umsetzen, wie du das mit deiner Ehefrau Simone gemacht hast, wollen sie dann doch nicht. Da ist die Hemmschwelle einfach zu groß. Wie du in deinem Reisebericht ausgeführt hast, habt ihr damals eure Möbel einlagern lassen, weil ihr für die Weltreise immerhin ein Jahr eingeplant hattet. Aber auf dieses Thema komme ich später noch einmal zu sprechen. Zunächst würde mich interessieren, was ihr bei eurer Planung heute anders machen würdet. Könntet ihr noch einmal von vorne starten, was würdet ihr verändern, zusätzlich mitnehmen oder einfach nur anders machen?

    Hallo, liebe Beatrix. Tatsächlich haben wir für die Fortsetzung unserer Reise einige Dinge anders gemacht. Unsere Möbel haben wir dieses Mal nicht eingelagert, sondern wir haben alles verkauft. Wir haben lediglich unsere Kleidung, einige persönliche Gegenstände und Erinnerungsstücke behalten.

    Beim ersten Teil der Reise haben wir schon die Route geplant, während wir bei der jetzigen Tour spontan agieren.

Das dürfte bestimmt einige Vorteile mit sich bringen und macht Sinn. Als ich damals davon erfuhr, dass ihr eine Weltreise plant, dachte ich im ersten Moment wow! und im zweiten aber schon, dass ihr lebensmüde sein müsst. Hattet ihr eigentlich keine Angst davor ausgeraubt zu werden? Ich erinnere mich an das Kapitel in deinem Buch, als du mit Simone eine Rollerfahrt in Ha Giang unternommen habt. Da gab es ja während einer Panne einen Mann, der euch als Retter in dieser misslichen Lage erschien, der jedoch, wie du erst später bemerkt hast, einen nicht unerheblichen Bargeldbetrag gestohlen hat. Was, wenn ihr wirklich einmal das Pech habt und „richtig“ ausgeraubt werdet, mit allen Ausweisen und Kreditkarten?

    Tatsächlich haben wir weder vor der Reise, noch währenddessen Angst gehabt. Sicherheit ist immer oberstes Gebot und wenn uns eine Situation komisch vorkommt, versuchen wir, dem Ganzen schon im Vorfeld aus dem Weg zu gehen. Ehrlich gesagt versuchen wir beide, immer den Menschen so zu begegnen, wie wir selbst behandelt werden wollen, und machen dadurch immer sehr gute Erfahrungen. Wichtig ist aber auch, schon eine gewisse Ausstrahlung meiner Meinung nach. Wenn sich Menschen wie Opfer verhalten oder naive Entscheidungen treffen, wie ich damals während der Rollertour, dann können solche Dinge passieren. Allerdings muss ich dafür nicht ins Ausland fahren. Beklaut werden kannst du während des Weihnachtsmarktes in Essen auch. 🙂

In dem Punkt kann ich dir nur zustimmen. Es ist erwiesen, dass Menschen mit einer gewissen Ausstrahlung, wie du es formuliert hast, seltener Opfer werden. Täter suchen ihre Opfer scheinbar danach aus, dass sie es ihnen nicht schwer machen. Mit dieser Grundeinstellung liegt ihr genau richtig!

Wie du schreibst, lassen die Sanitäranlagen in Südostasien zu wünschen übrig. Die Toilettengänge müssen gerade für Simone, die in diesem Punkt anspruchsvoller ist als du, immer eine Überwindung gewesen sein. Ich selbst habe auf Kuba nicht nur einmal darauf verzichtet, eine Toilette oder das, was es sein sollte, zu benutzen und hätte mir vor lauter Ekel lieber in die … Na, du weißt schon! Kannst du vielleicht für unsere Leser oder auch zukünftigen Weltenbummler ein wenig genauer beschreiben, in welchem Zustand ihr die stillen Örtchen vorgefunden habt? Nur, damit es nicht heißt, ihr beide wäret Sensibelchen, denn die Hemmschwelle ist bekanntlich breit gefächert.

    Oh je, da gab es verschiedene Varianten. Wir waren auf Toiletten, die dermaßen gestunken haben, dass ich mich beinahe erbrechen musste. Es gab Toiletten, in denen sich von Kakerlaken bis zu riesigen Heuschrecken sämtliches Viehzeug beheimatet fühlt, dem man schon nicht im hellen, geschweige denn mit runtergelassener Hose begegnen möchte. 🙂

Wie ich feststellen darf, hast du deinen Humor nicht verloren. Mich würgt es schon allein bei dem Gedanken …

    Einmal waren wir in einem Nachtzug unterwegs und während du halb im Stehen dein Geschäft verrichtet hast, konntest du zeitgleich die Gleise unter dir sehen.

    In Asien gibt es oftmals keine Wasseranschlüsse, was bedeutet, dass du das Wasser zum Spülen aus einem Fass mit einer Tasse oder einem Napf abschöpfen musst.

    Manchmal gibt es nur ein Loch im Boden.

Was mich an Frankreich erinnert …

    Andere Male gibt es zwar einen Wasseranschluss, aber nur selten Toilettenpapier. Und Toilettenpapier darf NIEMALS runtergespült werden. Sonst verstopft das Klo. Deshalb gibt es Mülleimer, in denen du alles entsorgst. Wirklich alles.

Erinnere mich nicht an Toilettenpapier. Auf Kuba war das zumindest noch bei meinem letzten Besuch Mangelware. Und dass Toilettenpapier nicht gern in der Toilette gesehen wird, ist in Spanien auch vielerorts verbreitet. Allerdings halten sich deutsche Touristen kaum daran. Aber genug so unappetitlicher Dinge.

Jetzt komme ich noch einmal auf das Auslagern eurer Möbel vor der ersten Weltreise zu sprechen. Wie du zu Anfang bereits ausgeführt hast, habt ihr dieses Mal, also bei der Fortsetzung eurer Weltreise, alles verkauft, was nur den einen Schluss zulässt, dass ihr nicht in eine Wohnung ziehen werdet, in der ihr eure „alten“ Möbel aufstellt. Warum diese Änderung? Immerhin dürfte es eine Kleinigkeit kosten, wenn ihr sämtliches Inventar neu anschaffen müsst.

    Wir haben uns für einen Neuanfang nach der Reise entschieden und dazu gehört für uns auch uns neu einzurichten. Die meisten Möbel stammen noch aus meiner ersten Wohnung und waren somit fünfzehn Jahre alt. Wir haben entschieden uns gemeinsam neu einzurichten, da sich Geschmäcker im Laufe der Zeit ja auch mal ändern.

Richtig, zumal die Möbelbranche uns immer wieder mit neuen, innovativen Ideen versorgt und speziell in eurem Fall, ihr natürlich auch gemeinsam euer Heim einrichten wollt.

Wie wäre eure erste Weltreise zu Ende gegangen, wenn das Corona-Virus euch nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte? Hättet ihr eure Möbel in eine neue Wohnung gepackt, euch eine Arbeit gesucht und für den Rest eures Lebens so gelebt, wie es die meisten Menschen mehr oder weniger freiwillig tun?

    Puh, gute Frage. Wahrscheinlich nicht. Der Plan ist ja nach wie vor, während der Reise eine neue Idee zu entwerfen, wo wir leben möchten in Zukunft. Ein Leben zu leben wie die meisten Menschen es tun, ist weniger unseres. Wir wollen auf keinen Fall so leben, dass wir arbeiten, um Rechnungen zu bezahlen, uns Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen, um Menschen zu beeindrucken, deren Lebensstil wir nicht teilen. Das sind nicht wir.

    Wir vertrauen einfach auf das Leben und wir sind fest davon überzeugt, dass sich was ergeben wir, das wir uns beide gemeinsam langfristig vorstellen können.

Ich kann nur den Hut vor eurem Optimismus und vor allem euren Überzeugungen ziehen, denn tatsächlich leben viele Menschen in einem Hamsterrad, indem sie für Rechnungen arbeiten und lauter Dinge kaufen und ansammeln, die sie gar nicht brauchen.

Damals hattet ihr euren Wohnsitz in Bottrop aufgegeben. Nach den Erfahrungen, die ihr während der Pandemie machen musstet, dass es nämlich Probleme bei der Rückreise nach Deutschland durch das außer Krafttreten des Schengener Abkommens gab, hattet ihr zumindest bei Drucklegung den Vorsatz, einen Zweitwohnsitz anzumelden. Habt ihr das auch so gemacht? Wird dieser Zweitwohnsitz euer neues Zuhause in der Zukunft sein?

    Es gibt einen Zweitwohnsitz, der aber zu 100% nicht unser zukünftiges Zuhause sein wird. Der Wohnsitz in Tirol gibt uns Sicherheit, ist aber nicht der Platz, an dem unsere Zukunft stattfinden wird.

Wo auch immer das sein wird, wünsche ich euch von Herzen, dass ihr dort glücklich und zufrieden leben werdet!

Was habt ihr mit eurer Sammlung gemacht? Du hast geschrieben, dass ihr traditionsmäßig für eure Wohnung aus jedem Land etwas mitgebracht habt und dass sich auf diese Weise schon „eine recht beachtliche Sammlung ergeben“ hat. Daran müsst ihr doch gehangen haben. Habt ihr euch von den Stücken getrennt, sie verkauft, oder konntet ihr sie bei Freunden einlagern?

    Die Sammlung gibt es nach wie vor und sie befindet sich in Tirol an unserem Zweitwohnsitz, zusammen mit unserem restlichen Hab und Gut.

Ápropo Freunde. Da wird es sicher einige geben, die ihr vermisst oder die euch vermissen. Mal kurz besuchen ist keine Option. Haltet ihr Kontakt über soziale Medien oder denkt ihr bei so vielen neuen Eindrücken gar nicht mehr an die Zurückgebliebenen?

    Natürlich denken wir noch an unseren Lieben Zuhause, seien es Freunde oder Familie. Wir halten auch regelmäßig Kontakt. Ich schreibe während der Reise in einem Blog, damit jeder der Lust hat, up-to-date ist. Mit unseren Mamas telefonieren wir einmal die Woche und mit unseren Freunden schreiben wir viel über WhatsApp, Instagram oder den Blog.

Ich kenne deinen Blog und folge ihm sogar! Für unsere Leser hättest du ihn ruhig nennen dürfen. Ich kann mir vorstellen, dass einige Interesse haben zu sehen, was euch auf eurer Weltreise noch alles so passiert. Hier ist der Link zum Reiseblog der Reisegruppe Regenbogen: findpenguins.com/8pzq1gujyszga

Wo siehst du dich in – sagen wir mal – fünf Jahren? Ich meine jetzt weniger einen Ort, sondern vielmehr den gesellschaftlichen Status. Wirst du in deinen alten Beruf zurückkehren?

    Eine sehr gute Frage, die ich nach der Reise hoffentlich klarer beantworten kann. Im Vertrieb sehe ich mich nicht mehr in fünf Jahren. Bisher war die Arbeit Mittel zum Zweck. Mittlerweile suche ich jedoch mehr nach Sinnhaftigkeit und Erfüllung. Ich kann mir einiges vorstellen, aber konkrete Pläne habe ich bisher nicht.

Also lebst du und mit deiner Frau einfach so in den Tag hinein und lasst alles auf euch zukommen. Das nenne ich das Leben genießen!

Wohin führt euch eure Weltreise noch? Welche Stationen sind angepeilt? Stehen die jeweiligen Ziele fest oder entscheidet ihr spontan, wie und wohin es weitergehen soll?

    Grundsätzlich haben wir eine Art Wunschliste, geplant ist jedoch bis dato nur der nächste Flug nach Australien und die Ausreise nach Neuseeland.

    Auf der Wunschliste stehen außerdem Costa Rica, Peru, Chile, Argentinien und Südafrika. Wir haben jedoch gelernt, nicht zu weit im Voraus zu planen, um flexibel reagieren zu können. Aktuell wäre eine Reise auf Grund der politischen Situation in Peru beispielsweise eher nicht zu empfehlen. Wir werden sehen.

    Wir sind aber auch für neue Ziele offen.

Nach Costa Rica, Chile und Argentinien würde ich euch gerne begleiten. 😉 Zumindest dort hättet ihr auch keine Schwierigkeiten, da ihr neben englisch auch spanisch gelernt habt.

Wann wird die Weltreise enden? Steht das Datum bereits fest oder richtet es sich danach, wann die Spardose, salopp gesagt, leer ist?

    Ja genau, wenn das Geld zu Ende ist, dann ist die Reise zu Ende. Es sei denn, wir finden vorher unseren Platz oder haben keine Lust mehr. 🙂

Welche Ziele hast du noch für dein weiteres Leben? Du und deine Frau, ihr scheint doch schon alles erreicht zu haben. Ihr habt die Welt (zumindest fast) gesehen und die Welt euch. Was gibt es noch zu entdecken, was dich interessieren könnte?

    Man lernt nie aus und ein Jahr Weltreise gibt einem die Chance, einen Ausschnitt zu sehen. Wir werden mit Sicherheit weiterhin reisen. Aber wir wollen auch einen Platz für uns finden, an dem wir langfristig glücklich sind.

    Beruflich habe ich Lust, nochmal was Neues zu machen.

    Ich würde gerne noch eine Fremdsprache lernen und definitiv meine Yogapraxis verbessern und vertiefen.

    Es gibt also noch einiges, das mir das Leben geben kann.

Ich denke, dass das auch ganz wichtig ist, immer neue Ziele zu haben. Sonst hat das Leben den Sinn verloren! Liebe Svenja, ich danke dir dafür, dass du dir die Zeit für die Beantwortung meiner Fragen genommen hast, obwohl du währenddessen an einem der unzähligen Traumstrände dieser Welt auch einfach nur hättest chillen können. Dir und deiner Simone wünsche ich von ganzem Herzen, dass ihr die Reise ohne nennenswerte Zwischenfälle fortsetzen könnt und dabei viele schöne Stätten entdecken und interessante Begegnungen machen könnt. In diesem Sinne mach et jut, wie es bei uns im Ruhrgebiet heißt und für Simone der österreichische Abschiedsgruß pfiat di!

Reisegruppe Regenbogen von Svenja Kerber-Strasser

Reisegruppe Regenbogen
Independently published 2022
Broschur
301 Seiten
ISBN 979-84-150-2307-3

Bildquelle: Svenja Kerber-Strasser
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