Nach zwei gescheiterten Beziehungen lebt Victoria, die vom Land nach Düsseldorf gezogen ist, seit fast drei Jahren wieder als Single. Als Vorstandsmitglied einer Privatbank muss sie sich aktuell um neue Geschäftspartner aus Russland kümmern, da ein Vertragsabschluss unmittelbar bevorsteht. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt erwartet ihre noch im Dorf lebende Mutter von ihr, dass sie an einer Beerdigung eines entfernten Verwandten teilnimmt, weil das auf dem Land so üblich ist. Und wenn Victoria schon mal zu Besuch kommt, so könnte sie doch auch gleich zu dem Klassentreffen gehen, das am selben Wochenende stattfindet. Obwohl sie bereits abgesagt hat, ändert sie ihre Meinung während des Aufenthaltes bei ihrer Mutter, nachdem sie überraschend auf Michael trifft, für den sie schon in der Schule geschwärmt hat.

Beim Abitreffen will Victoria Eindruck auf ihn machen, doch bringt sie aus Befangenheit keinen vernünftigen Satz in seiner Gegenwart zustande. Am nächsten Tag wird sie von der Erkenntnis überrascht, wie schnell ihrer Mutter der Dorfklatsch zu Ohren gekommen ist. Die sich überstürzenden Ereignisse muss Victoria unbedingt ihrer frisch geschiedenen Freundin Eva mitteilen, zumal es mit Oscar, dem Chef ihres netten Nachbarn Daniel, einen weiteren Verehrer gibt. Aber auch ihre Putzhilfe Iwanska zeigt ein gesteigertes Interesse an dem Liebesleben ihrer Chefin und gibt Tipps ihrer Ur-Oma Dorotka zum Besten, die schon wusste: In der Liebe und beim Bügeln ist alles erlaubt.

Sabine Zett lässt ihre Protagonistin in der Ich-Form berichten. Das Thema um das Klassentreffen zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman, nimmt jedoch keinen breiten Raum ein. Victoria erhält die Einladung, geht ihrer beruflichen Tätigkeit nach und wird nur gelegentlich von ihrer Mutter, mit der sie täglich skypt, daran erinnert. Dann werden die Vorbereitungen für die erwarteten russischen Kunden ebenso ausführlich geschildert wie die Programmgestaltung nach deren Ankunft, wobei insbesondere beim Besuch eines Stadions die Herzen von Fußballfans höher schlagen dürften. Victorias Anreise zur Beerdigung, ihre Kleiderauswahl und schließlich das Hin und Her, ob sie am Klassentreffen teilnimmt, wird erschöpfend behandelt.

Die im Vordergrund stehenden Romanfiguren sind von der Autorin mit unverwechselbaren Charakteren ausgestattet. Die penetrant nervende Mutter von Victoria sorgt stets für neue Überraschungen, der ehemalige Schwarm aus Schultagen drückt sich um klare Antworten, die Putzhilfe hat einen Sprachfehler und die Protagonistin tritt nur in ihrem Beruf als selbstbewusste Frau auf. Der Roman In der Liebe und beim Bügeln ist alles erlaubt lebt von den Missverständnissen, die sich in den verschiedenen Situationen ergeben, zieht sich aber streckenweise in die Länge. Obwohl Sabine Zett durchaus auch flotte Sprüche zu bieten hat, fehlen wirklich lustige Szenen. In die Tiefe gehende Schilderungen darf der Leser bei diesem darüber hinaus vorhersehbaren Plot auch nicht erwarten. Aber wer Beziehungsgeschichten mag und weniger für „schwere Kost“ zu begeistern ist, hat mit diesem Roman die richtige Wahl getroffen.

Sabine Zett, In der Liebe und beim Bügeln ist alles erlaubt, Blanvalet Verlag 2014, Taschenbuch, 320 Seiten, ISBN 978-3-422-38392-4, Preis: 8,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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