Eine Sonderform der Kommentare stellt die Kolumne dar, in der ein Autor seine ganz persönliche Meinung zu einem beliebigen, vornehmlich alltäglichen Thema äußert. So schreibt auch Dora Heldt in ihrem zweiundfünfzig Kolumnen umfassenden Buch Im Grunde ist alles ganz einfach über Alltägliches wie Sinn und Unsinn von Statistiken, von Menschen, die alles besser wissen und ihren Erfahrungen mit Bettlern. In ihren Texten geht es um überlieferte Rezepte innerhalb der Familie, um nahtloses Bräunen, Kostproben im Supermarkt oder unpassend positionierte Namensschilder in Brusthöhe. Natürlich erwähnt sie auch mittlere bis schwere Katastrophen wie eine defekte Kühltruhe oder einen leeren Akku, auf der anderen Seite aber auch romantisches wie ein Sonnenuntergang am Meer.

Die Kolumnistin trifft sich in den Geschichten mit Freunden, häufig mit Anna oder Nele, in einem Restaurant oder Café, in der Sauna, einer Arztpraxis, zum Geburtstag oder Grillen, gerät bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen in eine peinliche Situation und ebenfalls, als sie den Geburtstag ihres Liebsten schlicht und ergreifend vergessen hat. Sie weiß von der Qual der Wahl bei Einkäufen und Neuanschaffungen zu berichten oder den auftretenden Schwierigkeiten beim Kauf speziell von Unterwäsche. Eine Handtasche vermittelt ihr ein neues Lebensgefühl und beim Thema Übergangsmantel schwelgt sie in Erinnerungen. Das Selbstbewusstsein der jungen Leute in der heutigen Zeit hebt sie lobend hervor, schüttelt jedoch den Kopf über das Benehmen einiger Mitmenschen in der Bahn.

Ganz sicher ist sich Dora Heldt, wenn es um die Frage geht, ob Männer oder Frauen besser einparken und auch, dass eine nette Begrüßung jeden erfreut, genau wie ein Lächeln, das ein Quokka, eine Beuteltierart aus der Familie der Kängurus, seinem Gegenüber stets entgegenbringt. Dagegen hegt sie noch Zweifel, ob die Vorweihnachtszeit die schönste Zeit des Jahres ist oder die Urlaubszeit mit dem Partner, die leider bei vielen Paaren all zu häufig in Streitereien endet.

Auf höchst amüsante Art und Weise werden dem Leser in den Kolumnen Alltagssituationen vorgestellt, die ihm zum Teil durchaus bekannt vorkommen können. Dora Heldt kommt immer sofort auf den Punkt, was wegen der begrenzten Länge der Texte auch notwendig ist. Gerade das macht den Reiz einer Kolumne aus, kurz und bündig mit einer Pointe aufzuwarten. In der Kürze liegt die Würze, das beherrscht die Autorin des Buches Im Grunde ist alles ganz einfach, auch wenn das bestimmt gar nicht so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Dora Heldt, Im Grunde ist alles ganz einfach, Deutscher Taschenbuch Verlag 2016, Taschenbuch, 224 Seiten, ISBN 978-3-423-21644-9, Preis: 9,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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