Sebastian und seine Freunde Florian, Dirk und Tina sind noch keine sechzehn Jahre alt, wollen sich wie alle Jugendlichen selbst finden und üben sich deshalb in den unterschiedlichsten Disziplinen. Allerdings ist Dirk immer noch ein Fan der Biene Maja und ein regelrechter Tollpatsch. Zwei Mal bricht er sich beide Arme, beim Surfen und auf einer Ballermann-Party bekommt er einen Sonnenbrand, als Pfadfinder und Snowboarder hat er auch nur Pech und als Kiffer wird er von der Polizei festgenommen. Doch das ist noch harmlos gegen den mit einer Kreissäge abgetrennten Daumen! Einmal trifft es immerhin Sebastian als Heavy Metaller auch, als nämlich seine Haare brennen. Wenn die Freunde Joints rauchen, dann kommen entweder Pfefferminztee oder Oregano zum Einsatz. Beim Trampen können sie sich nicht auf das Ziel einigen und als Kommunisten bringen sie nicht nur einiges durcheinander, sondern legen die Grundsätze nach Belieben aus.

Musikalisch durchlaufen die vier Freunde in den insgesamt 55 Geschichten des Buches Ich war jung und hatte das Geld von Sebastian Lehmann so ziemlich alle Richtungen vom Raver und Rapper zum Jazzer und machen auch eine erstaunliche Verwandlung vom Hippie zum Skinhead über den BWL-Student bis hin zum Punker durch. Auch politisch scheinen sie recht unentschlossen und fühlen sich mal den Kommunisten, dann wiederum der FDP oder der CDU zugehörig. Wenn der Protagonist Sebastian auch in einer Geschichte ein Hemd mit SPD-Aufdruck trägt, so sucht der Leser die Pointe, wenn es zur Comic- und Manga-Messe in einer SS-Uniform geht. Und was will ihm der Autor damit sagen, wenn der Großvater seines Protagonisten ausgerechnet ein Nazifreund ist?

Sebastian Lehmann hat in seine Texte durchaus auch kritische Ansätze eingebaut, doch überwiegen die an den Rand der Geschmacklosigkeit heranreichenden Szenen. Einziger Lichtblick sind die Illustrationen von Lisa Bender, die die älteren Leser an die Pappfiguren aus der Kindheit erinnern, die mittels heraustrennbarer Bekleidung mit umlegbaren Papierstreifen verschiedenartig angezogen werden konnten. Wer über schlechte Scherze wie mit einem Bügelbrett zu surfen, mit Insektenspray Karriere als Sprayer machen zu wollen oder darüber, wenn ein Hacker mit einer Heckenschere das Computerkabel durchtrennt lachen kann, der ist bei dem Buch Ich war jung und hatte das Geld genau richtig. Alle anderen können sich getrost von dem Buch abwenden und es dem Protagonist gleich machen, der sich immer dann einer neuen Idee gewidmet hat, wenn ihm klar wurde, dass die bisherige auch nicht das richtige war.

Sebastian Lehmann, Ich war jung und hatte das Geld, Goldmann Verlag 2017, Taschenbuch, 186 Seiten, ISBN 978-3-442-15921-5, Preis: 10,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

2 Kommentare

  1. Hahaha, das klingt super! Was habt ihr noch für Empfehlungen in dieser Richtung?

  2. Probiere es mal mit Kaimankacke von Lars Simon.

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