Die Sommerferien ziehen sich hin, es ist heiß und dem elfjährigen Felix sowie den beiden zehnjährigen Mädchen Mia und Corinna ist langweilig. Am Bahndamm zündeln sie mit Feuer und plötzlich greifen die Flammen um sich. Vergeblich versuchen sie, das Feuer mit den Füßen auszutreten und unter Kontrolle zu bringen, was Fräulein Fontana beobachtet und so werden sie zwei Tage später in der Zeitung als die Helden gefeiert.

Die Kinder leben von nun an ständig mit der Angst, dass die Wahrheit herauskommen könnte. Sie gründen einen Club der Meisterdetektive und halten Ausschau nach dem „Unheimlichen“, das ihnen überall begegnet: In Form von drei Erwachsenen, die alle kleinen Katzen ertränken wollen oder in Gestalt des Trinkers Herrn Brüning, den sie stützend nach Hause begleiten. Wenn es auch niemand ausspricht, so halten ihn alle für den Feuerteufel und ausgerechnet Felix, der eine Einweisung in ein Kinderheim fürchten muss, entbindet Mia und Corinna von dem Schwur, ihn niemals zu verraten und beichtet Herrn Brüning die Wahrheit.

In dem Kinderbuch Helden von Jutta Richter ist bei den Handlungspersonen nicht alles zum Besten bestellt und nach außen versuchen alle, einen Schein zu wahren. Die Metzgersfrau Trietsch sorgt für den Dorfklatsch, mit dem sie die Gerüchteküche anheizt. Felix war schon in einem Kinderheim, weil seine Mutter aufgrund einer Krankheit nicht für ihn sorgen konnte. Der Junge, der keine unbeschwerte Kindheit hat und selbst einkaufen muss, tut zwar allen leid, doch keine Familie wünscht einen Umgang ihrer Kinder mit ihm. Mias Mutter fürchtet gar, ihre Tochter könnte ihr und ihrem Mann durch den Kontakt zu Felix entgleiten. Corinnas Vater ist seit acht Monaten in Bahrein auf Montage, hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt und als Mia zu Besuch bei Corinna ist, sehen sie in der Küche Berge von schmutzigem Geschirr und leere Weinflaschen. Die Eltern von Mia streiten sich fast täglich, was für das Kind sehr belastend ist.

Jutta Richter lässt die Protagonistin Mia in der Ich-Form erzählen, wobei sich die gewählte Zeitform in Verbindung mit einer anderen Schrifttype in den Kapiteln abwechselt. Das Buch ist für Kinder ab acht Jahre vorgesehen und mit der Geschichte wird ihnen die Gefahr vor Augen geführt, wie schnell aus Spaß Ernst werden kann, wenn durch Unachtsamkeit in einem trockenen Sommer ein Brand entsteht. Besonders durch den Klatsch der Metzgersfrau wird den jungen Lesern aufgezeigt, wie schnell es zur Ausgrenzung von Kindern kommen kann, weil Vorurteile gegenüber Heimkindern bestehen oder auch Erwachsene vorschnell für schuldig befunden werden, nur weil sie als „Säufer“ abgestempelt sind.

Bedauerlich an dem Buch Helden ist lediglich, dass Jutta Richter den Begriff des Fräuleins verwandt hat, der seit dem Ende der 70er Jahre glücklicherweise durch das zeitgemäße Wort „Frau“ abgelöst wurde, und dass niemandem im Hanser Verlag die Namensverwechslung von „Fiete“ und „Martina“ im Klappentext aufgefallen ist.

Jutta Richter, Helden, Carl Hanser Verlag 2013, Hardcover, 96 Seiten, ISBN 978-3-446-24308-8, Preis: 10,00 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

2 Kommentare

  1. Ich finde es nicht schlimm, dass die Autorin den Begriff „Fräulein“ verwendet hat, denn es gibt ja auch den Begriff „Männlein“ und das steht bekanntlich im Walde.

  2. Hallo Ute,
    das von dir angesprochene „Männlein“ ist selbstverständlich auch mir bekannt. Doch wird, wie du zugeben musst, der Begriff in keinem ernst zu nehmenden Zusammenhang gebraucht. Ich habe noch nie in einer Geschichte oder einem Roman von einem „Männlein“ gelesen. Allenfalls werden Babys so betitelt, nach dem Motto, der kleine Mann… Insofern bleibe ich bei meiner Kritik für das „Fräulein“.

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