Arden lebt in Chicago und arbeitet in einer Webnachrichtenredaktion. Ihren Traum von einem eigenen Buch hat sie schon lange aufgegeben, und da sie von ihrem geschiedenen Mann keinerlei Hilfe zu erwarten hat, fällt es ihr schwer, die Studiengebühren für ihre Tochter Lauren aufzubringen. Noch ahnt sie nicht, dass die sich nur ihrer Mutter zuliebe durch ein BWL-Studium quält, denn ihre Leidenschaft gilt der Malerei. Als beide von Ardens Mutter Lolly einen Brief mit einer Einladung samt einem Armbandanhänger erhalten, haben sie ein schlechtes Gewissen und wollen Lolly zum Memorial-Day-Wochenende in ihrer Blockhütte am Lost Land Lake in Michigan mit einem Besuch überraschen.

Die extrovertierte Lolly hilft trotz einer beeinträchtigten Denkleistung immer noch in einem Süßwarenladen aus. Nach Auskunft einer Ärztin wird sie in Zukunft nicht ohne familiäre Unterstützung zurecht kommen, auch wenn sich Pfleger Jake um sie kümmert. Während ihres Aufenthalts in Michigan stellen Arden und Lauren fest, dass sie nur wenig voneinander wissen. Aber noch weniger kennen sie die Bedeutungen der vielen Anhänger an Lollys Bettelarmband. So erfahren sie von ihr nach und nach die Familiengeschichte, die mit der erst siebzehnjährigen Mary und einer Fahrkarte von Irland nach Amerika im Jahr 1901 beginnt. Mary, die Großmutter von Lolly, konnte sich mit Näharbeiten über Wasser halten und bekam von einer Arbeitskollegin einen ersten Anhänger in Form einer Nähmaschine geschenkt, der die Grundlage für die Familientradition der Bettelarmbänder bildete. Ihr späterer Mann erbaute auch das Blockhaus am Michigansee, in dem die drei Frauen über ein Jahrhundert später zusammenkommen.

Im Vordergrund des Romans Für immer in deinem Herzen von Viola Shipman stehen die Schicksalsschläge, Enttäuschungen, der Kummer um eine unerfüllte Liebe oder auch die süßen Momente einer ersten Liebe von Frauen der verschiedenen Generationen, an deren Ende Lollys Enkelin Lauren steht. In Rückblicken erzählt Lolly von ihrer Grandma, und wie sie von ihrer Mutter zum zehnten Geburtstag ein Schächtelchen mit einem Anhänger bekommt. Alle Frauen haben Glücksbringer, die eine eigene Geschichte erzählen, und deshalb handelt der Roman auch nicht nur von einer Liebesgeschichte, sondern gleich von einer ganzen Reihe, in der dem Leser eine heile Welt präsentiert wird. Wie die im Buch erwähnten Seetaucher bleiben sich auch die Ehepaare ein Leben lang treu, und die Frauen bereuen keinen einzigen Tag, den sie mit ihrem Mann verbracht haben.

Die Autorin bedient sich von Anfang an in ihrem vorhersehbaren und keine Überraschungen bietenden Roman Für immer in deinem Herzen so ziemlich aller Klischees: Bei einem ersten Kuss geht zeitgenau eine Sternschnuppe nieder und eine Frau, die bereits Mutter einer erwachsenen Tochter ist, errötet in inflationärer Weise bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Da verwundert es auch nicht mehr, wenn einer der Männer „etwas Magisches“ an sich hat, seine „Oberschenkel wie Marmorsäulen“ sind und seine Haut „die Farbe von warmem Gold“ hat. Ein Roman, der so viel Sentimentalität versprüht, kann nur Frauen ansprechen, die sich von einer märchenhaften Romantik angesprochen fühlen und sich gerne in eine heile Welt flüchten, die fernab jeglicher Realität ist. Immerhin hebt Viola Shipmann die Bedeutung der Familie hervor, die gerade in der heutigen Zeit oftmals nicht gewürdigt wird. Die Kommunikation von Lauren via FaceTime, einer bildgebenden IP-Telefonie über ihr Smartphone, ist lediglich in Amerika möglich. Warum Buchverlage eine Vorliebe für amerikanische Romane mit häufig bei uns unbekannten Errungenschaften oder Bräuchen wie dem Memorial-Day haben, obwohl es sicher auch genügend Manuskripte von deutschen Autoren gibt, die es Wert wären gedruckt zu werden, bleibt wohl ein Geheimnis.

Viola Shipman, Für immer in deinem Herzen, Krüger Verlag 2016, Broschiert, 381 Seiten, ISBN 978-3-8105-2425-6, Preis: 14,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

4 Kommentare

  1. Hallo liebe Beatrix,
    durch Deinen Kommentar zu diesem Buch bei mir, bin ich nun auf Deine Rezi gestoßen. Vorab, Geschmäcker sind verschieden und das ist gut so! 😉 „Für immer in deinem Herzen“ ist eines meiner Highlights des ersten halben Jahres und ich hab nicht das Gefühl, dass ich zu den Frauen gehöre, die sich in eine heile Welt flüchten. Ich finde die Geschichte einfach wunderschön geschrieben und ja, auch warmherzig. In Büchern wird vieles überzogen, aber das finde ich nicht wirklich schlimm, solange gewisse Botschaften rüberkommen und es mich gut unterhält. Wie gesagt, das sieht jeder etwas anders! 🙂

    Liebe Grüße vom Lesestrand,
    Melanie

  2. Natürlich sieht das jeder anders und das ist ja auch gut so. Denn sonst würden alle Menschen die gleiche Frisur haben, in der gleichen Kleidung herumlaufen und es würden auch nur von allen die gleichen Bücher gelesen werden. Ich habe selbst einen Roman geschrieben, der völlig unterschiedlich bewertet wurde: Die einen konnten gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören, andere haben das Buch vor dem Ende weggelegt.
    Der Roman von Viola Shipman hat sicher auch etwas Reizvolles, zumindest die Idee, denn die will ja die Autorin aus ihrer eigenen Familiengeschichte geholt haben. Aber wie ich in meiner Besprechung ausgeführt habe, wurden für meinen Geschmack doch zu viele Klischees verarbeitet. Romantik darf und muss sein, und ich erwarte nicht, dass es sich bei einem Menschen tatsächlich so ergeben hat. Aber ausgerechnet beim ersten Kuss eine Sternschnuppe beobachten? Und wie ich deinem Blog entnehmen durfte, bist du selbst schon Mutter einer fast erwachsenen Tocher. Errötest du immer noch wie ein Teenager? Und vielleicht hat dein Mann tatsächlich eine Haut, die wie Gold glänzt. Kleopatra hatte die vielleicht…
    Das von mir zuletzt rezensiertes Buch Alma & Jasmin hat auch eine total überzogene Handlung und selbstverständlich weiß jeder, dass man sich nicht einfach in einen anderen Menschen verwandeln kann. Aber das war für mich dann doch ein Buchtipp, weil es warmherzige Momente mit ganz viel Situationskomik plus einer lebensbejahenden Botschaft vermittelt.
    Auf jeden Fall danke ich dir für deinen ausführlichen Kommentar und ich kann dir versichern, dass du mit deiner Meinung nicht alleine stehst. Viele Leser zeigen sich von dem Roman so begeistert wie du.

    Mit den besten Grüßen aus dem Ruhrgebiet
    Beatrix

  3. Hallo nochmal Beatrix,
    dank Dir ist das Buch „Alma & Jasmin“ grade auf meiner Wunschliste gelandet, es hört sich interessant an und ich bin immer offen für Tipps.
    Nein, ich hab noch nie eine Sternschnuppe gesehen während ich geküsst habe, beim ersten Kuss wäre ich dafür auch viel zu abgelenkt gewesen, bzw. hatte ich wahrscheinlich die Augen zu. *gg* Leider ist mein Mann auch nicht im Besitz einer Haut, die wie Gold glänz, sehr schade eigentlich. Aber ich muss zugeben, dass ich tatsächlich oft wie ein Teenager erröte, eine Macke, die ich leider nicht abstellen kann…
    Ich freu mich über den interessanten Austausch mit Dir, es ist immer wieder interessant, wie verschieden die Sicht auf Bücher ist.
    Jetzt geh ich aber schnell mal gucken was Du geschrieben hast! 😉

    Bis bald,
    Melanie

  4. Na, dann bin ich mal gespannt, ob dir mein Tipp auch zusagt.

    Ganz liebe Grüße
    Beatrix

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