Eiskalter Hund von Oliver Kern

Eiskalter HundJunggeselle Fellinger bekommt in seiner Eigenschaft als Hygienekontrolleur eines Tages einen anonymen Anruf: Beim Chinesen Peking würde etwas mit einer schwarzen Soße nicht stimmen. Fellinger stattet dem Peking einen Besuch ab und nimmt eine Probe der Soße. Bei der Gelegenheit schaut er in den Kühlraum und entdeckt zu seinem Entsetzen einen am Haken hängenden Hund. Sein kriminalistischer Spürsinn ist geweckt und er fährt zu Helga Poschinger, weil er vermutet, dass sie die Besitzerin des toten Tieres ist. Als er die Frau nicht antrifft und in ihrem Garten überfallen wird, ruft er die Polizei.

Da Polizeihauptkommissar Lechner verhindert ist, muss er mit dessen Kollege Kronawitter vorliebnehmen. Von Helga Poschingers Tochter Veronika, die zufällig zum Haus kommt, erfahren sie, dass ihre Mutter in Indien Urlaub macht und den Hund in eine Tierpension gegeben hat. Natürlich sucht Fellinger die Tierpension auf und er wird den Verdacht nicht los, dass es nicht nur den toten Hund gibt. Er kann Lechner überreden, im Haus von Helga Poschinger nach dem Rechten zu sehen, wo sie ihren Reisepass samt Flugticket finden. Doch da Lechner keinen Grund sieht, der Sache weiter nachzugehen, ermittelt Fellinger auf eigene Faust. Er fährt bis nach Krumau in die Tschechei und muss nicht nur einmal um sein Leben bangen. Denn außer einer niedergeschlagenen Putzfrau gibt es zwei Tote zu beklagen.

Oliver Kern lässt seinen Protagonisten in dem nicht ganz ernst zu nehmenden Kriminalroman Eiskalter Hund in der Ich-Form erzählen. Da sich dieser der im Bayerischen Wald typischen Mundart bedient, wirkt der Plot authentischer. Fellinger hat seine eigenen Methoden, um an Informationen zu kommen: Er ködert seine Gesprächspartner mit Pralinen oder verspricht den Kauf der nächsten Winterreifen für eine brauchbare Auskunft. Um an weitere Informationen zu gelangen, lehnt er sich schon mal weit aus dem Fenster und kann sich Sticheleien oft nicht verkneifen, was ihn umso sympathischer macht. Dass er die meisten „Verhöre“ während des Essens führt, das für ihn oberste Priorität hat, verstärkt diesen Eindruck.

In dem Kapitel, in dem Fellinger sich in der Tschechei in Horní Planá aufhält, schreibt der Autor nicht nur von schönen Dingen wie dem Moldaustausee, sondern auch vom tschechischen Atomkraftwerk Temelín, das zur Grenze nach Deutschland und Österreich liegt und wegen gefährlicher Schweißnähte in Verruf geraten ist. In diesem Zusammenhang erwähnt er auch die anhaltend kritische Lage im Osten trotz Perestroika. Ansonsten überzeugt der recht verzwickte Kriminalroman Eiskalter Hund mit verschiedenen, amüsanten Anspielungen sowie einer herrlich komischen Hassliebe zwischen Fellinger und Lechner. Es bleibt deshalb zu hoffen, dass Oliver Kern dem ersten Fall seines Ermittlers, der übrigens ohne Vornamen auskommt, noch weitere folgen lässt.

Oliver Kern, Eiskalter Hund , Heyne Verlag 2018, Taschenbuch, 301 Seiten, ISBN 978-3-453-43869-9, Preis: 9,99 Euro.

Bildquelle: Heyne Verlag

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