Drauß‘ vom Walde von Friederike Schmöe

Drauß‘ vom WaldeDas Weihnachtsfest steht vor der Tür, und so haben zwei Paare beschlossen, für vier Tage in das abgelegene Elternhaus von Viviane im Frankenwald zu ziehen. Sie will die Feiertage ein letztes Mal dort mit ihrer Freundin Hella, deren Ehemann Christian und seinem Bruder Torsten, ihrem neuen Freund, verbringen, bevor sie das Haus ihrer verstorbenen Eltern verkauft. Doch die erwartete Harmonie und Besinnlichkeit stellt sich nicht ein. Stattdessen wachsen die Spannungen. Christian will sich nach zehnjähriger Ehe von Hella trennen, die zu einer Perfektionistin geworden ist. Sein Bruder Torsten gilt als Frauenheld und genießt zwar den Sex mit Viviane, missbraucht sie allerdings für seine Pläne und willigt deshalb auch in eine Ehe mit ihr ein. Für ihn hat die Übernahme des väterlichen Busunternehmens oberste Priorität. Seinem Bruder erzählt er von der Bedingung, die an das Erbe geknüpft ist, was den Konflikt weiter verschärft.

Nachbarin Fenja bleibt der Einzug der beiden Männer und Frauen nicht verborgen. Sie selbst verbringt die Feiertage im Haus ihres Vaters, der vor wenigen Wochen verstarb, um seinen Besitz aufzulösen. Doch am Heiligen Abend nimmt sie plötzlich Rauchgeruch wahr und sieht mit Erschrecken das Nachbarhaus in Flammen stehen. Durch den tiefen Schnee kämpft sich eine verletzte und unter Schock stehende Frau zu ihr. Fenja fragt sich, was mit den anderen drei passiert ist und ruft die Feuerwehr. Auf der Autobahn hat es jedoch einen schweren Unfall wegen Blitzeis gegeben und alle Einsatzkräfte sind vor Ort. Ein aufziehender Blizzard, so erfährt Fenja, erschwert darüber hinaus ein Durchkommen zu ihr.

Friederike Schmöe versteht es, den Leser von der ersten Seite an für ihren Roman Drauß‘ vom Walde zu begeistern. Dass ein Unglück passieren wird, ist bereits durch den Prolog bekannt. Aber die Autorin gibt die Umstände, die zum Brand führen, nur häppchenweise wieder. Indem sie in kurzen Kapiteln die Handlung jeweils aus der Sichtweise ihrer fünf Protagonisten erzählt, erfährt der Leser immer mehr von deren Absichten oder Gedanken. Seine Neugier auf das weitere Geschehen wird so geweckt und er findet kaum eine Stelle im Plot, an der er das Buch aus der Hand legen kann. Denn Friederike Schmöe wechselt geschickt zwischen den Erzählungen zu den Vorbereitungen zum Fest und dem weiteren Verlauf, nachdem Fenja die Verletzte bei sich aufnimmt.

In dem Hochspannung versprechenden Roman Drauß‘ vom Walde verzichtet die Autorin auf überflüssige Erklärungen und hält sich stattdessen an Fakten. Jeder Satz hat seine Berechtigung. Das Vorhaben der vier Menschen, ein besinnliches Weihnachtsfest mit einem köstlichen Mahl, Prosecco und Geschenkpäckchen unter dem Weihnachtsbaum zu feiern, endet letztlich in einer Katastrophe. In der Form möchte natürlich niemand bitterböse Weihnachten erleben, aber den Genuss der Lektüre sollte sich deshalb trotzdem niemand entgehen lassen.

Bildquelle: Gmeiner Verlag

Drauß‘ vom Walde von Friederike Schmöe

  • Gmeiner Verlag 2018
  • Taschenbuch
  • 216 Seiten
  • ISBN 978-3-8392-2307-9
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