Die aus Dresden stammende und gelernte Krankenschwester Ines Behrendt hat sich am LIPA beworben, dem Liverpool Institute for Performing Arts, einer von Paul McCartney gegründeten Universität, und ist stolz darauf, dass sie angenommen wurde. Mit ihrer Freundin Janine, die aus Berlin zu Besuch gekommen ist, unternehmen die beiden jungen Frauen einen abendlichen Kreuzzug durch die Kneipen und Bars von Liverpool. Sie treffen den talentierten John Raymond, den Ines als ihren Studienkollegen vorstellt.

Nach der Abreise von Janine wird Christopher Henley, der Chef des legendären Cavern Clubs, tot aufgefunden. John wird festgenommen, weil er zuvor einen Streit mit Henley hatte. Von einem Polizisten erfährt Ines, für die John mittlerweile mehr als nur ein Studienkollege ist, dass er der Polizei als ehemaliger Junkie bekannt ist. Von Johns Mitbewohner Mark hört Ines, dass Nicolas Olsen, der sich auf der Suche nach Talenten bei ihr bereits vorgestellt hat, eine Beatles-City mit Einbeziehung des Cavern Clubs plant. Doch dann wird John freigelassen und dafür sein Freund Thomas Duncan, der Chef vom Cabin Club, verhaftet. Obwohl John das Land nicht verlassen darf, fliegt er mit Ines nach Berlin. Sie wollen den von ihnen verdächtigten Olsen dort aufsuchen, weil sie nicht an eine Einigung von Olsen mit dem ermordeten Henley glauben. Prompt wird John bei der Wiedereinreise verhaftet, womit sein Abschluss bei der LIPA gefährdet ist. Ausgerechnet die alte Mrs Englewood, Ines Vermieterin, scheint ihre einzige Hilfe zu sein.

Der Roman Die Ballade von John und Ines könnte als eine Hommage an die Beatles gewertet werden, die, rein ökonomisch betrachtet, als die bisher erfolgreichste Musikband gilt. Beate Baum hat für das Buch sehr eingehende Recherchen ihres Aufstiegs betrieben und führt zur Freude der Fans zahlreiche bekannte und weniger bekannte Titel der Band sowie auch anderer Größen des Musikgeschäfts auf. Ganz selbstverständlich führt sie den Leser durch die Clubs Cabin, Cavern, Zanzibar und Casbah, was ihr als Insiderin von Liverpool nicht schwer gefallen sein dürfte. Die Autorin erinnert neben anderen an Pete Shotton, der mit John Lennon die Band Quarry Men gegründet hat, der sich später Paul McCartney und George Harrison anschlossen und aus der 1960 die Beatles hervorgingen. Außerdem ruft sie ins Gedächtnis, dass Michael Jackson im Jahr 1985 tatsächlich die Rechte aller Kompositionen von Lennon und McCartney für eine gigantische Summe erworben hat.

Doch in dem Roman geht es nicht nur um Musik, sondern auch um eine sich anbahnende Liebesgeschichte, nämlich um Die Ballade von John und Ines. Schließlich ist ein Mord geschehen, wobei Beate Baum dem Leser nichts vom Stand der polizeilichen Ermittlungsarbeit verrät, die offensichtlich untätig ist oder nach Belieben verhaftet. Obwohl die Autorin einen sprachlich einwandfreien und flüssigen Text abliefert, kann sich der Leser einfach nicht in die unglaubwürdig wirkende Story hinein finden, die zudem recht konstruiert scheint. Einen Ausflug von John und Ines nach Dresden hat Beate Baum offensichtlich nur eingeflochten, um etwas über ihre Wahlheimat schreiben zu können. Sowohl auf Liebhaber der Beatles, als auch von Liverpool, mag die Geschichte eine Faszination ausüben, doch für alle anderen dümpelt sie ohne jegliche Spannung oder Wendungen über weite Strecken nur so dahin.

Beate Baum, Die Ballade von John und Ines, Gmeiner Verlag 2015, Broschur, 279 Seiten, ISBN 978-3-8392-1642-2, Preis: 9,99 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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