
Ein Roman als Bühne für gesellschaftliche Fragen
Wer ein Bewusstsein für aus seiner Sicht notwendige Veränderungen im gesellschaftlichen Leben oder im demokratischen Verständnis schaffen will, kann entweder aktiv in der Politik mitwirken oder – wie Konrad Pilger – politische Themen in die Rahmenhandlung eines Romans einbinden.
Im ersten Band Die Ausgleicherin – Ein neuer Aufbruch*, der als Auftakt einer auf drei Teile angelegten Reihe erscheint, ist die ehemalige Lehrerin Lea Sheldon eine von zwölf „Ausgleichern“ der Europäischen Union. Bei Umfragen belegt sie den ersten Platz in der Beliebtheit und weist die besten Erfolgsquoten auf. Ihre Aufgabe ist es, zwischen zwei Kontrahenten einen Kompromiss zu vermitteln. Unterstützt wird sie dabei von einer künstlichen Intelligenz namens CON-12.
Als Lea in der Stadthalle von Komotini den Vorsitz einer Versammlung über ein Bürgerbegehren führt und sich anschließend mit ihrem Referenten Pablo bespricht, kommt es plötzlich zu einer gewaltigen Explosion. Gemeinsam mit Antonia Perlini, der Chefin der Personenschützer, und Pablo kann sie sich in einen Schutzraum retten, bevor eine zweite Bombe detoniert.
Intrigen, Anschläge und ein Maulwurf bei Europol
Über ein Computerprogramm nimmt Lea Kontakt zu Neutro auf, einem weisen Avatar, dem sie von dem Anschlag und ihrer Vermutung berichtet, die Loge P7 stehe dahinter. Von Antonia erfährt sie, dass der zweite Anschlag vermutlich ihr gegolten habe, da eine ihr ähnlichsehende Frau tödlich getroffen wurde.
Zudem wird klar, dass es bei Europol einen „Maulwurf“ geben muss. Jeder Ausgleicher soll deshalb einen Sonderermittler wählen. Lea entscheidet sich für den jungen polnischen Polizisten Marek Morawski. Als sie mit ihm in der Stadthalle von Roanne ist, bricht plötzlich ein Tumult aus: Ihr Computer muss gehackt worden sein, denn auf der Videowand erscheinen Bilder, die nicht von ihr stammen. Um die Hintergründe der Anschläge aufzudecken, schleust sich Marek in eine rechtsgerichtete Organisation ein.
Politische und gesellschaftliche Brennpunkte
Konrad Pilger weist in seinem Roman Die Ausgleicherin – Ein neuer Aufbruch* auf Gefahren hin, die nach seiner Auffassung durch weitere Zuwanderung aus dem islamischen Kulturraum entstehen könnten. Am Beispiel des Ruhrgebiets schildert er, wie daraus eine muslimische Enklave entstehen könnte, in der die ursprüngliche Bevölkerung von einer bestimmenden Mehrheit lediglich geduldet würde.
Darüber hinaus greift der Autor aktuelle Themen auf: Umweltschutz, CO₂-Ausstoß, Abholzung der Regenwälder, soziale Ungerechtigkeiten wie unfaire Besteuerung, Abbau von Sozialleistungen, Privatisierung von Gewinnen bei gleichzeitiger Abwälzung von Verlusten auf die Allgemeinheit sowie die gerechtere Besteuerung von Internetkonzernen. Auch Geldwäsche wird anhand eines einfachen Beispiels erklärt, und Pilger gibt zu bedenken, dass Datenschutz immer auch Täterschutz bedeuten kann.
Zwischen Utopie und Realität
Der Roman enthält zahlreiche utopisch anmutende Elemente, die vor allem dazu dienen, eine spannende Rahmenhandlung zu schaffen und die Leser neugierig auf den weiteren Verlauf zu machen. Wie Pilger bereits in seinem Werk Bomben auf Auschwitz gezeigt hat, verfügt er über eine ausgeprägte Fantasie.
Real hingegen sind die Erwähnungen des Raupenschlepper-Ost, der Österreichischen Saurerwerke und der „Schwarzen Sonne“, eines Erkennungssymbols der rechtsextremen Szene. Pilger schreibt in einem flüssigen Stil und macht komplexe Sachverhalte verständlich. Auffällig ist jedoch, dass die Annäherung zwischen Lea und Marek eher knapp und nüchtern beschrieben wird.
Ein brandaktuelles Werk
Angesichts der politischen Lage und der zunehmenden, besorgniserregenden Stärkung der rechten Szene ist Pilgers Roman hochaktuell. Er verbindet Spannung mit gesellschaftlicher Analyse und fordert die Leser dazu heraus, über die Zukunft von Demokratie und Zusammenleben nachzudenken.
Die Ausgleicherin – Ein neuer Aufbruch von Konrad Pilger

Scheinwerfer Verlag 2019
Broschur
188 Seiten
ISBN 978-3-948098-07-0