Die Mörderjagd kann spannend und fesselnd sein, doch wie man dabei dem Leser auch noch etwas Wissen über Flora und Fauna vermittelt, zeigt Christian Oehlschläger mit seinem Kriminalroman Der Waldvogel. Denn bereits bei dem Titel des Romans handelt es sich nicht, wie man annehmen könnte, um einen Vogel, sondern um einen Schmetterling, der letztendlich entscheidend zur Aufklärung des Falls beiträgt.

Der Aussteiger Bruno Janoske lebt in den Waldgebieten zwischen Hannover und Celle und vermeidet den Kontakt zu anderen Menschen. Er lebt von dem, was die Natur ihm bietet und was Waldbesucher achtlos zurücklassen. Auf einem Waldparkplatz an der Landstraße L310 zwischen Celle und Fuhrberg beobachtet er die Prostituierte Laryssa, die dort in einem Sexmobil ihrem Gewerbe nachgeht. So wird er Zeuge, wie der Freier Gottfried Märtens, der eine Vorliebe für Rollenspiele hat, fluchtartig das Sexmobil verlässt. Die Prostituierte wurde ermordet, mit einem Blumendraht erdrosselt und die Ermittler der Mordkommission Celle vermuten einen Sexualtriebtäter. Janoske, der das Geschehen am Tatort weiterhin beobachtet, wird von einem Reporter entdeckt und fotografiert. In Panik geraten, flüchtet er in das weitläufige Waldgebiet und macht sich dadurch verdächtig.

Als in der Nähe eine weitere Prostituierte in ihrem Sexmobil mit einem Blumendraht erdrosselt aufgefunden wird, gerät der Waldschrat Janoske nicht nur ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Die Zuhälter der ermordeten Prostituierten ergreifen selbst die Initiative und setzen eine Belohnung auf die Ergreifung des Mörders aus. So beginnt eine Hetzjagd nach dem Waldschrat, an der nicht nur die Polizei mit Suchhund und Hubschrauber, sondern auch die Zuhälter mit Gruppen aus der Jägerschaft beteiligt sind…

Es ist kein Zufall, dass sich fast die gesamte Handlung des Kriminalromans Der Waldvogel in den Waldgebieten um Hannover und Celle abspielt, denn der Autor Christian Oehlschläger ist Förster bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die beschriebenen Orte und Landschaften existieren tatsächlich und verleihen dem sehr logisch konstruierten Kriminalfall noch mehr Authentizität. Der Waldvogel ist ein etwas anderer Krimi, mit dem der Autor den Leser nicht nur bestens unterhält, sondern auch leicht verständlich etwas von seinem Fachwissen vermittelt. Christian Oehlschläger überzeugt mit einem flüssigen, umgangssprachlichen Schreibstil, geschickten Wechseln zwischen verschiedenen Perspektiven und einer für viele Leser überraschenden Auflösung. Wer den Prolog gründlich gelesen hat, kommt dem Täter zwar schneller auf die Spur, doch trotzdem erwartet ihn Spannung bis zum Ende.

Christian Oehlschläger, Der Waldvogel, Verlag Neumann-Neudamm 2011, Hardcover, 300 Seiten, ISBN 978-3-7888-1390-1, Preis: 14,95 Euro.

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Über den Autor: Michael Petrikowski

Ich lese seit über 45 Jahren Sachbücher aus unterschiedlichen Wissensgebieten und über diverse Themen. Meine große Leidenschaft gehört allerdings der zeitgenössischen Literatur, wobei mein Hauptinteresse den deutschsprachigen Autoren gilt. Erich Maria Remarque, Hans Fallada, Heinrich Böll und Günter Grass, um nur einige Autoren zu nennen, haben mich in meiner Jugend geprägt. Seit 2008 schreibe ich kurze und prägnante Buchbesprechungen über Belletristik sowie über Sachbücher zu verschiedenen Themen.

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