Jeder Mensch, der eine enttäuschte Liebe oder gescheiterte Beziehung hinter sich hat, weiß um den damit verbundenen Schmerz. Mohsen Charifi zeigt mit seinem Buch Der sanfte Weg der Poesie einen Weg auf, der über das Gefühl der Poesie eine Heilung erzielen soll, wobei er zum einen aus seiner langjährigen Erfahrung als Paarberater, aber auch aus eigener, vor fast zwanzig Jahren gemachter schmerzvoller Erfahrung schöpfen kann. Im ersten Teil „Poesie als Therapeutikum“ macht er deutlich, dass eine Liebesbeziehung zwar einmalig, aber auch veränderlich ist, was zu Beginn jedoch kaum jemand wahrhaben will. Unsere Wahrnehmungen, so führt er weiter aus, sind kein Abbild der Realität, sondern subjektiv durch unsere Gefühle gefärbt. Die Rolle, die unser Unterbewusstsein dabei spielt, darf nicht unterschätzt werden.

Um zu erklären, wie er die Poesie als Bindeglied zwischen Schmerz und Heilung versteht, gebraucht der Autor Metaphern wie bunte Blumen für Freude oder stachlige Hecken für Zorn. Die Poesie kennt nicht wie unsere Sprache eine Gesetzmäßigkeit, denn wenn es heißt „ich friere Einsamkeit“, dann kann das nur poetisch verstanden werden, da isoliert betrachtet Einsamkeit lediglich ein Gefühl und frieren ein Körpersignal ist. Allein mit dem Wort Herzrasen kann wütende Angst, aber auch verliebtes Herzklopfen ausgedrückt werden. Es ist Mohsen Charifi wichtig aufzuzeigen, dass uns Wut nach einer enttäuschten Liebe lediglich im Bewusstsein der Trennung gefangen hält und keine Befreiung verspricht.

In den im zweiten Teil folgenden poetischen Zeilen benennt der Autor seine Gefühle, von denen er aus seiner Lebenserfahrung schöpft, klar und deutlich. Er nennt diesen Teil des Buches „Gesichter einer Liebe“, der auf sensible Weise die wechselnden Gefühle im Laufe der Beziehung widerspiegeln. Das ursprüngliche verliebte Bild macht der Realität zunehmend Platz, die Gefühle ersterben und der Leser spürt förmlich seine innerliche Zerrissenheit. Dann gewinnt die Vernunft die Oberhand über sein Herz, es bleiben nur noch Erinnerungen, und fortwährende Vorwürfe produzieren immer neuen Schmerz. Nach der Trennung führt seine Sehnsucht nur zu unendlicher Pein über den erlittenen Verlust, und er wird von der bitteren Realität immer wieder eingeholt. Hoffnungen sowie Illusionen sind längst gestorben, und wenn auch der Schmerz einen Menschen nicht zu töten vermag, so doch das sich stillschweigende Fügen in sein Schicksal. Endlich spricht er in seinen Zeilen aber auch vom Licht am Ende des Tunnels, als er nämlich den Kampf um die Liebe aufgegeben hat und nur noch für sich kämpft. Er nimmt sein Leben selbst in die Hand und kann daraus neue Kraft schöpfen.

Für das Verständnis des Buches Der sanfte Weg der Poesie sollte der Leser schon eine gewisse Reife mitbringen, denn junge Menschen, die noch „der Flut, dem Sturm und der Glut trotzen“ müssen, sind wahrscheinlich noch nicht in der Lage, den Kern der von Mohsen Charifi gemachten Aussagen zu verstehen, die erst noch einer Deutung bedarf. Aber wer sie mit Bedacht liest, wird eine sehr bewegende Liebe darin spüren.

Mohsen Charifi, Der sanfte Weg der Poesie, Windpferd Verlag 2014, Taschenbuch, 80 Seiten, ISBN 978-3-86410-088-8, Preis: 12,95 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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