Der Rabbi und der Kommissar – Du sollst nicht morden von Michel Bergmann

Der Rabbi und der Kommissar - Du sollst nicht mordenHenry Silberbaum ist ein moderner Rabbiner, der Espresso sowie Kriminalromane liebt und mit Vorliebe Polohemden trägt. In seiner Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main ist er mit dem Rennrad oder seinem roten Smart unterwegs. Neben der Betreuung der Gemeindemitglieder engagiert er sich für die Bewohner des Jüdischen Seniorenstifts und seine Schüler im Jüdischen Gemeindezentrum.

Als die Millionärin Ruth Axelrath völlig unerwartet stirbt, glaubt Rabbi Silberbaum nicht an einen natürlichen Tod der alten Dame, obwohl der vom Notarzt festgestelle Herzinfarkt mit Anfang achtzig allen plausibel erscheint. Doch kurz zuvor hatte Ruth Axelrath dem Rabbiner mitgeteilt, dass sie die Absicht hat, ohne ihren Mann zu ihrer Tochter nach Israel auszuwandern. Da ein Ehevertrag besteht, hat ihr zweiter Ehemann, der Galerist Max Axelrath, keinerlei Anspruch auf ihr Vermögen und er wird lediglich ein lebenslängliches Wohnrecht in der Villa erhalten. Außerdem habe sie vor, dem Jüdischen Gemeindezentrum eine Million für die Einrichtung einer Bibliothek zu stiften. Aber auch ein wichtiges Indiz scheint den anfänglichen Verdacht des Rabbis zu bestätigen.

Da erinnert sich Henry Silberbaum an den Hauptkommissar Robert Berking, der ihn erst kürzlich des nachts auf dem Jüdischen Friedhof festgenommen hatte, als er gemeinsam mit Esther Simon, der Heimleiterin des Jüdischen Seniorenstifts, versucht hat, die Urne ihres nichtjüdischen Vaters heimlich im Grab der Mutter beizusetzen. Doch der Kommissar kann ihm nicht weiterhelfen, da Henry keine ausreichenden Beweise beibringen kann, die ein offizielles polizeiliches Ermittlungsverfahren rechtfertigen könnten. So versucht der Rabbi, auf eigene Faust weitere Indizien zu finden, wobei ihn der Kommissar mit nützlichen Tipps und Ratschlägen unterstützt.

„Du sollst nicht morden“ ist der erste Kriminalroman von Michel Bergmann und der Auftakt einer Krimireihe unter dem Titel „Der Rabbi und der Kommissar“, in der Henry Silberbaum und Hauptkommissar Robert Berking ermitteln. Neben einem gewissen Unterhaltungswert gewährt der Roman auch einige Einblicke in das moderne Judentum in Deutschland, doch sollte der Leser keine zu hohen Erwartungen haben. Die Handlung bietet weder Spannung, noch vermag sie den Leser zu fesseln. Die gelegentlich vom Autor verwendeten jiddischen Begriffe werden zwar im Anhang in einem Glossar übersetzt, allerdings beeinträchtigen sie den Lesefluss erheblich.

Die unkoventionelle Art des Rabbis Silberbaum erinnert unweigerlich an Pater Brown, doch die Erzählungen von Gilbert Keith Chesterton sind wesentlich ausgefeilter als der Plot von „Du sollst nicht morden“, der einige Schwächen aufweist. So stellt sich die Frage, wie ein Kommissar an die Daten der Ein- und Auszahlungen auf dem Bankkonto einer Person gelangen kann, gegen die nicht einmal ein Tatverdacht besteht. Und ist es realistisch, dass ein Rabbiner die Heimleiterin eines Seniorenstifts dazu anstiftet, sich unter einem falschen Namen als Mitarbeiterin einer Bank auszugeben, um dem Täter eine Falle zu stellen, wodurch er den ahnungslosen Galerist Max Axelrath in Lebensgefahr bringt? Überhaupt wäre ein Rabbiner wie Henry Silberbaum wohl eher eine Zumutung für jede Jüdische Gemeinde, da er mehr Zeit im Schwimmbad des Seniorenstifts und mit seinen Ermittlungen verbringt als mit Gemeindearbeit. Neugierde auf den nächsten Band „Du sollst nicht begehren“ der Krimireihe „Der Rabbi und der Kommissar“ kann die flache Handlung des im einfachen Schreibstil verfassten Kriminalromans von Michel Bergmann jedenfalls nicht wecken.

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Der Rabbi und der Kommissar – Du sollst nicht morden von Michel Bergmann

Der Rabbi und der Kommissar - Du sollst nicht morden
Heyne Verlag 2021
Klappenbroschur
288 Seiten
ISBN 978-3-453-44129-3

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Bildquelle: Heyne Verlag
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