Zu Beginn des 17. Jahrhunderts geht der junge Hugh in Irland an Bord eines Segelschiffes, um im spanischen Salamanca ein Theologiestudium zu beginnen, das ihm in seiner Heimat verwehrt wird. Später will er nach Irland zurückkehren, um das Evangelium zu verkünden. Im Priesterseminar entschließt er sich, dem Franziskanerorden beizutreten. Mit Pater Florence Conry, der zwar die Ansichten des Novizen zum Keuschheitsgelübde nicht teilt, ihn aber dennoch schätzt, begibt er sich nach Flandern und schließt dort Freundschaft mit Owen Roe O-Neill, dem Neffen des Anführers der irischen Flüchtlinge. Bereits in Valladolid hat Hugh, der mittlerweile Pater ist, den Entschluss gefasst, ein Buch über die Lebensgeschichte von Thomas More zu schreiben. Um mehr über sein Leben zu erfahren, begibt sich Hugh nach London, wo man den Lordkanzler von England im Tower gefangen hielt und schließlich hinrichtete, weil er bis zum Schluss Heinrich VIII nicht als Oberhaupt der englischen Kirche anerkennen wollte.

Was Hugh nicht ahnt: Noch vor der Ablegung seines Gelübdes, lässt er Sofia, eine junge Frau, mit der es nur eine Begegnung nach einem Bad im See gegeben hat, schwanger zurück. Um ihren Eltern die Schande zu ersparen, verlässt sie ihr Dorf und schließt sich einer Theatergruppe an. Der Leiter bringt viel Verständnis für die junge Frau auf und unterbreitet ihr ein Angebot, das sie nicht ausschlagen kann.

Das Buch Der Herbst des Goldenen Zeitalters vermittelt eher den Eindruck einer fachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema, als dass es sich um einen Roman handelt. In der Tat hat sich Karin Schüller auch streng an eine wissenschaftliche Herangehensweise gehalten, wenn sie als Geschichte lehrende Professorin Angloiren und Keltiren erklärt, die für eine fachspezifische Bevölkerung Irlands stehen, oder wenn sie von unterschiedlichen Ideen zwischen den jesuitischen scientia media und praedeterminatio physica spricht. Die dem Buch angestellten „Nachweise der Zitate und Übersetzung der lateinischen und spanischen Textstellen“ unterstreichen diesen Eindruck.

Die Autorin zeichnet den Weg ihres Protagonisten neben authentischen, zeitgenössischen Vertretern wie beispielsweise dem Hofmaler Don Diego de Velázquez über die Jahre von 1604 bis 1649 nach, die als Der Herbst des Goldenen Zeitalters in Spanien seit den Anfängen mit Ausgang des 16. Jahrhunderts gelten. Die langen und gefährlichen Abenteuer führen Hugh quer durch Europa, vorbei an Schlachtfeldern, der Inquisition und Städten, in denen die Pest wütet. Die Vertreibung der Morisken, von den Spaniern zum Christentum zwangskonvertierte Mauren, finden immer wieder wie das Leben des heute als Heiligen und Märtyrer verehrten Thomas More Erwähnung in diesem politischen und religiösen Fanatismus aufzeigenden Roman. Auch wenn Karin Schüller eine Liebschaft in den Plot eingeflochten hat, darf nicht davon ausgegangen werden, dass diese das Geschehen bestimmt. Dominiert wird die Handlung von, zumindest für einen Laien, langatmigen Gesprächen zwischen Hugh und seinen Freunden, ausführlichen Bildbetrachtungen oder anderen detailreichen Ausschmückungen. Historisch interessierte Leser, die sich eingehend über die Dynastien der europäischen Königshäuser und die politische sowie klerikale Situation in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts informieren wollen, werden allerdings von dem umfangreichen Roman Der Herbst des Goldenen Zeitalters hingerissen sein.

Karin Schüller, Der Herbst des Goldenen Zeitalters, Pro Business Verlag 2016, Broschur, 442 Seiten, ISBN 978-3-86460-215-3, Preis: 16,80 Euro.

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Über den Autor: Beatrix Petrikowski

Das Lesen gehört seit jeher zu meinen Hobbys. Besondere Vorlieben hat es in dieser Hinsicht nie gegeben, obwohl ich aber schon immer einen gewissen Anspruch an ein Buch hatte. Das Spektrum reicht von Krimis, historischen Romanen und witzigen Büchern über Sachbücher verschiedenster Themen bis hin zu den Klassikern. Seit 2011 schreibe ich Buchbesprechungen und führe Interviews mit Autoren.

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