Das Gift der Wahrheit von Julia Corbin

Das Gift der WahrheitDie Kriminalbiologin Karen Hellstern wird mit ihrer besten Freundin Kriminalhauptkommissarin Alexis Hall und deren Partner Oliver Zagorny zu einer halb verwesten Leiche auf eine Halbinsel des Rheins in Mannheim gerufen. Auffällig ist ein bei der Toten liegendes Medaillon mit einer in Harz gegossenen Spinne. Während Karen meint, der Tod müsse vor zwei Jahren eingetreten sein, ist sich Rechtsmediziner Naumann sicher, dass es schon drei Jahre sein müssen. Weitere von Karen durchgeführte Untersuchungen wegen dieser zeitlichen Differenz ergeben, dass die Tote bei Hochwasser an den Fundort gespült worden sein muss. Außerdem bestätigt sich Karens anfängliche Vermutung, dass Spinnengift den Tod verursacht hat.

Ein Abgleich mit vermisst gemeldeten Personen ergibt, dass es sich bei der Leiche um die ledige Simone Fuchs handelt. Von ihrem Vater erfahren die Ermittler, dass seine Tochter eine lesbische Beziehung zu Gabriele Thalberg unterhielt. Die hält ihren Exmann Marco Hernandez für den Mörder, weil sie ihn wegen Simone verlassen hat. Außerdem würde er sie und ihre Tochter Merle terrorisieren, weswegen diese sich sogar in psychologischer Behandlung befindet. Tatsächlich scheint der Terror so weit zu gehen, dass eines Tages in ihrer Wohnung unzählige Wespenspinnen ausgesetzt werden. Als Karen anhand der spezifischen Artenzusammensetzung das Gebiet bestimmen kann, an dem die Leiche ursprünglich abgelegt worden sein muss, werden mit Unterstützung eines Leichenspürhundes weitere Leichen entdeckt, alle mit einer Spinne in einem Medaillon.

Neben dem Verdächtigen Marco Hernandez konzentrieren sich die Ermittlungen auch auf den ehemaligen Stadtrat Ernst Kämmerer, der einem Verein selbsternannter Sittenwächter angehörte, gegen den sich die lesbische Simone Fuchs aufgelehnt hat. Mit Kämmerer soll sie deshalb in Streit geraten sein. Der Durchbruch kommt, als Stephan Landeaux, Polizeibeamter von Europol, durch die Suche im Internet auf in Kolumbien verübte Morde stößt. Dort wurde 1998 ein Massengrab entdeckt, bei dem allen Frauen im Mund eine Spinne platziert wurde.

Der Thriller Das Gift der Wahrheit beginnt mit einem kurzen Kapitel in Kolumbien, bei dem ein Junge von seinem Vater gezüchtigt wird. Nur selten rückt Julia Corbin im weiteren Verlauf des Plots von der Ermittlungsarbeit ab und gestattet dem Leser Einblicke in die perversen Handlungen des Mörders, wie er beispielsweise einen Todeskampf filmt. Erst zum Ende des Buches verdichten sich diese Szenen und sorgen für noch mehr Anspannung.

Bereits auf den ersten Seiten sind die biologischen Fachkenntnisse der Autorin nicht zu übersehen, wobei sie nicht im Geringsten mit wissenschaftlichen Abhandlungen langweilt. Die häufig gebrauchten und für Laien völlig fremden Fachbegriffe sind für das Verständnis des Thrillers jedoch nicht von Bedeutung. Es ist eher faszinierend, dass ein Biologe im Gegensatz zu einem Pathologen anhand des Knochenmarks nachweisen kann, ob eine Person ertrunken ist oder nicht, sofern im Mark keine Diatomeen nachgewiesen werden können. Erläuternde Anmerkungen oder ein Glossar wären hier wünschenswert gewesen oder auch die nicht so fremd anmutende Bezeichnung Kieselalgen für Diatomeen.

Im Fokus des Thrillers Das Gift der Wahrheit stehen auffallend viele weibliche Protagonisten, was allerdings keine Wertung sein soll. Außer Karen Hellstern und Alexis Hall gibt es die Staatsanwältin Linda Landgraf und Kriminaloberrätin Martina Dolce. Julia Corbin hat sämtliche Handlungspersonen gut herausgearbeitet und deren privaten Probleme in einem angemessenen Verhältnis thematisiert. Der von ihr äußerst spannend umgesetzte und garantiert Herzklopfen erzeugende Thriller „zwingt“ den Leser kontinuierlich zum Weiterlesen und es fällt ihm schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Julia Corbin, Das Gift der Wahrheit , Diana Verlag 2018, Taschenbuch, 432 Seiten, ISBN 978-3-453-35977-2, Preis: 9,99 Euro.

Bildquelle: Diana Verlag

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